Thyssenkrupp

Krupp-Stiftung wirbt bei Konzern-Mitarbeitern um Vertrauen

Ursula Gather führt die Krupp-Stiftung als Kuratoriumsvorsitzende.

Ursula Gather führt die Krupp-Stiftung als Kuratoriumsvorsitzende.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  Mitten in der Krise von Thyssenkrupp schreibt die Großaktionärin einen Brief an die Mitarbeiter. Die Krupp-Stiftung wirbt um Vertrauen.

Es ist ein ungewöhnlicher Schritt der Krupp-Stiftung: Mitten in der Krise des Konzerns wendet sich die Großaktionärin direkt mit einem Brief an die Beschäftigten. „Es stehen Veränderungen bevor, schwierige Entscheidungen müssen getroffen werden, und das alles wird breit in der Öffentlichkeit – nicht immer korrekt – debattiert“, schreiben die Vorsitzende des Stiftungskuratoriums, Ursula Gather, sowie die Stiftungsvorstände Thomas Kempf und Volker Troche. „In dieser Situation ist es uns wichtig, uns direkt an Sie zu wenden und einige Dinge gerade zu rücken.“

Die aus dem Vermögen der Industriellenfamilie Krupp errichtete Essener Stiftung hält 21 Prozent an dem Revierkonzern mit weltweit rund 160.000 Mitarbeitern. „Wir sind ein verlässlicher, stabiler Partner und kein an kurzfristigem Gewinn orientierter Investor“, betonten Gather, Kempf und Troche. Aufgrund der historischen Verbundenheit und durch die testamentarisch bestimmte Ausrichtung als gemeinnützige Stiftung, die ihre Arbeit ausschließlich durch die Unternehmensdividende realisieren könne, seien es das Ziel und der Anspruch der Stiftung, dass Thyssenkrupp wieder wettbewerbsfähig werde, langfristig dividendenfähig sei und zukunftsfähige Arbeitsplätze bieten könne.

„Der Vorstand hat ... unser volles Vertrauen“

Die Stiftung gab zugleich der neuen Thyssenkrupp-Vorstandschefin Martina Merz Rückendeckung. „Der Vorstand hat für die anstehende Neuausrichtung unser volles Vertrauen“, heißt es in dem Brief. Und: „Wir glauben an das Potenzial von Thyssenkrupp und gehen durch diese schwierigen Zeiten gemeinsam mit Ihnen.“

Das „Handelsblatt“ hatte vor einigen Tagen berichtet, der Finanzinvestor Cevian – nach der Krupp-Stiftung der zweitgrößte Aktionär bei Thyssenkrupp – habe eine hohe Sonderdividende gefordert. In vertraulichen Gesprächen mit dem Management und einzelnen Aufsichtsräten hätten Cevian-Vertreter einen Komplettverkauf der Aufzugsparte (Thyssenkrupp Elevator) gefordert. Dabei soll Cevian mindestens die Hälfte des erwarteten Erlöses von 18 Milliarden Euro als Ausschüttung an die Aktionäre eingefordert haben. „Der größte Aktionär des Essener Konzerns, die Krupp-Stiftung, trägt diese Forderung offenbar mit – und das, obwohl sie laut ihrer Satzung zum Erhalt des Unternehmens verpflichtet ist“, schrieb das „Handelsblatt“. Cevian und die Krupp-Stiftung wiesen die Darstellung später zurück.

Wurde zwischenzeitlich eine Sonderdividende gefordert?

Stiftungsnahe Insider beteuerten bereits vor Tagen gegenüber unserer Redaktion, aus Sicht der Krupp-Stiftung ergebe eine Sonderausschüttung „keinen Sinn“. Die Stiftung habe einen „Unendlichkeitsauftrag an der Seite des Unternehmen“, hieß es. Eine Sonderdividende sei nicht nachhaltig.

„Ich habe von der Stiftung noch nie gehört, dass sie eine Sonderausschüttung unterstützen würde – und kann mir auch nicht vorstellen, dass das passiert“, hatte Markus Grolms von der IG Metall unserer Redaktion gesagt. Grolms ist stellvertretender Aufsichtsratschef von Thyssenkrupp.

Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schaltete sich ein. Laschet ist auch Mitglied im Kuratorium der Krupp-Stiftung. Nach Gesprächen mit dem Thyssenkrupp-Großaktionär Cevian erklärte Laschet vor einigen Tagen, der Finanzinvestor plane nicht, Geld nach einem möglichen Verkauf der lukrativen Aufzug-Sparte aus dem Konzern zu ziehen. „Cevian Capital hat mir gegenüber zugesichert, dass eine Sonderdividende oder Ausschüttung nicht beabsichtigt ist“, sagte der Ministerpräsident unserer Redaktion.

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