Süßwaren

Lambertz: Corona-Pandemie lässt Appetit auf Kekse wachsen

Aachener Printen am laufenden Band bei Lambertz in Aachen.

Aachener Printen am laufenden Band bei Lambertz in Aachen.

Foto: Jannis Mattar / picture alliance / Jannis Mattar/dpa

Essen.  Während der Corona-Krise haben Verbraucher mehr Kekse genascht. Der Printen-Hersteller Lambertz hofft, dass der Appetit bis Weihnachten hält.

Das Osterfest fiel in diesem Jahr wegen des Corona-Lockdowns weitgehend ins Wasser. Nun rückt der Advent näher – die Hochzeit für Süßwaren- und Gebäckhersteller. Angesichts stark steigender Infektionszahlen traut sich selbst „Printen-König“ Hermann Bühlbecker keine belastbare Prognose zu. Der Inhaber der Aachener Lambertz-Gruppe zeigt sich zumindest vorsichtig zuversichtlich.

„Uns fehlt verständlicherweise die Einschätzung, wie sich das Weihnachtsgeschäft in Corona-Zeiten entwickeln wird“, sagte Bühlbecker im Gespräch mit unserer Redaktion. „In den ersten drei Wochen nach Auslieferung der Ware sind wir gut gestartet. Das macht uns optimistisch. Ich hoffe auf Umsätze wie im Jahr zuvor.“ Ob die Verbraucher in diesem von der Pandemie geprägten Herbst in der Stimmung sein werden, wie in den Vorjahren beherzt bei Lebkuchen, Spekulatius und Dominostein zuzugreifen, ist ungewiss.

Bühlbecker setzt auf eine alte Weisheit. „Mit etwas Süßem kann man etwas Bitteres vergessen machen. Das gilt hoffentlich auch für dieses Weihnachtsfest“, versucht der Unternehmer Mut zu verbreiten, obwohl er einschränkt: „Der Bevölkerung wird aktuell viel Angst gemacht. Das Einkaufen ist für niemand eine Freude.“

Gemessen am Konsumverhalten im Laufe des Jahres müssen sich Hersteller und Händler von Knabbereien eigentlich wenig Sorgen machen. Während der Pandemie haben die Deutschen so viel genascht wie lange nicht mehr. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Nielsen wuchs der Umsatz mit Gebäck bundesweit um knapp fünf Prozent. Auch nach den Corona-Lockerungen hatten die Menschen etwa im Homeoffice demnach weiter Appetit auf Kekse und andere Süßwaren.

Weniger Gebäckmischungen verkauft

Die gestiegene Nachfrage registrierte auch Lambertz. „Während des Lockdowns haben die Menschen mehr Süßes gegessen. Das haben wir vor allem in unserem Bio-Sortiment gespürt. Gebäck-Mischungen gingen dagegen schlechter – es gab ja keine Konferenzen“, sagt Inhaber Bühlbecker. Als systemrelevantes Unternehmen hatten die Aachener im Frühjahr ihre Produktion aufrechterhalten können. „Natürlich hatten wir auch teilweise Umsatzverluste, weil die Warenhäuser und der Fachhandel schließen mussten“, erinnert sich Bühlbecker. „An den Flughäfen war das Geschäft mit Geschenkpackungen zum Erliegen gekommen. Probleme gab es auch beim Export nach Frankreich, Spanien und Großbritannien. Dennoch sind wir gut durch die Krise gekommen.“

Jetzt richtet das Familienunternehmen den Blick aber wieder nach vorn. Die Supermärkte, Discounter, Warenhäuser und Fachgeschäfte sind voll mit Herbst- und Weihnachtsartikeln. Abgesehen von Printen in Form eines Riegels und einzeln verpackt werden die Kunden aber wenig Neues aus Aachen finden. Das hat für Bühlbecker einen einfachen Grund: „Die Verbraucher sind zu Weihnachten sehr konservativ. Man isst die Produkte, die man kennt“, sagt der Lambertz-Chef und versetzt sich in seine Kunden: „Wer Dominosteine kauft, hat eine bestimmte Erwartungshaltung und will genießen. Weihnachten ist sehr traditionell. Damit sollte man nicht spielen und nicht zu trendy herangehen.“ Deshalb biete Lambertz zu Weihnachten auch keine Bio-Artikel an. Im Rest des Jahres sei das völlig anders. Bühlbacher: „Wir verkaufen inzwischen mehr Bio-Ware als Printen.“

>>> Umsatz um 1,8 Prozent gesteigert

Im Ende Juni abgeschlossenen Geschäftsjahr 2019/20 steigerte das Familienunternehmen Lambertz seinen Netto-Umsatz trotz Pandemie um 1,8 Prozent auf 637 Millionen Euro. Die Mitarbeiterzahl sei konstant bei 4000 geblieben.

Einen leichten Rückschlag musste der Gebäckhersteller im Auslandsgeschäft hinnehmen. Hauptursache dafür seien die ersten Auswirkungen der US-Strafzölle auf deutsches Süßgebäck, so Hermann Bühlbecker. „Mittel- und langfristig können für uns die Umsatzverluste auf diesem Markt gravierend sein, da eben nicht absehbar ist, ob die US-Verbraucher notwendige Preiserhöhungen überhaupt akzeptieren und angesichts der aktuell äußerst schlechten Wirtschafts- und Beschäftigungslage überhaupt verkraften können“, meinte Bühlbecker.

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