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Nestlé zweifelt an der Wurst – Herta-Werk steht zum Verkauf

Der Lebensmittelriese Nestlé zweifelt an der Wurst und setzt verstärkt auf vegetarische Produkte.

Der Lebensmittelriese Nestlé zweifelt an der Wurst und setzt verstärkt auf vegetarische Produkte.

Foto: dpa

Herten/Essen.  Die Wurstproduktion der NRW-Traditionsmarke Herta steht zum Verkauf. Denn der Lebensmittelriese Nestlé setzt verstärkt auf vegetarische Kost.

Der nordrhein-westfälische Wursthersteller Herta hat eine lange Tradition. Zwar gehört das Unternehmen schon seit einiger Zeit zum weltgrößten Lebensmittelhersteller Nestlé, doch die Anfänge der Firma reichen zurück bis ins Jahr 1897, als die Gründerfamilie rund um Ludwig und Wilhelmine Schweisfurth in Herten eine kleine Ladenmetzgerei führte. Seit 1986 gehört Herta zu Nestlé und ist nach Angaben des Konzerns die einzige europaübergreifende Marke im Fleisch- und Wurstsegment des Lebensmittelgiganten.

Doch wie es scheint, könnte die Verbindung bald beendet sein. Nestlé erwägt einen Verkauf der Firmentochter mit Wurzeln im Ruhrgebiet. Der Nestlé-Verwaltungsrat habe beschlossen, die Möglichkeiten für eine Trennung vom Herta-Geschäft mit Aufschnitt und Fleischwaren zu prüfen. Es geht um Aktivitäten in Deutschland, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Großbritannien und Irland mit einem Umsatz von rund 600 Millionen Euro.

„Pflanzliche Ernährung gewinnt an Beliebtheit“

Behalten will Nestlé hingegen das Geschäft mit Teigprodukten und vegetarischen Angeboten der Marke Herta. Konzernchef Mark Schneider verfolgt eine Strategie, in der gesunde Nahrungsmittel eine wichtige Rolle spielen sollen. Sein Ziel ist eine „Neuausrichtung des Produktportfolios“. Die Entscheidung zu Herta unterstreiche die verstärkte Ausrichtung auf „wachstumsstarke pflanzliche Angebote“, betonte der Konzern. „Pflanzliche Ernährung gewinnt an Beliebtheit, da Konsumenten zunehmend alternative Proteinquellen in Betracht ziehen und die Umweltbilanz ihrer Ernährung verbessern wollen.“

Unter dem Namen Herta betreibt Nestlé eigenen Angaben zufolge drei Fabriken, zwei davon in Frankreich. In Herten im nördlichen Ruhrgebiet befinden sich der Herta-Firmensitz und ein Werk, in dem Fleisch- und Wurstwaren produziert werden. Von den rund 400 Beschäftigten arbeiten 310 in der Produktion und 90 in der Verwaltung. Europaweit gehören etwa 2100 Mitarbeiter zu Herta.

Gewerkschaft NGG reagiert mit scharfer Kritik

„Zur Zukunft des Standortes wollen wir nicht spekulieren“, erklärte Nestlé mit Blick auf Herten. „Ziel ist, dass Herta eine zukunftsgerichtete Perspektive findet.“

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) reagierte mit scharfer Kritik auf die Ankündigung des Konzerns. „Wieder einmal geht es nur um die Marge und Ausschüttungen für die Aktionäre“, sagte der stellvertretende NGG-Vorsitzende Freddy Adjan unserer Redaktion. „Die Strategie der Gewinnmaximierung wird konsequent weiterverfolgt – ohne Rücksicht auf die Beschäftigten und ihre Familien.“ Adjan mahnte: „In Herten stehen 400 Arbeitsplätze auf dem Spiel.“ In der Belegschaft gebe es große Verunsicherung. „Die NGG wird um jeden Arbeitsplatz kämpfen“, kündigte Adjan an.

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