Interview

Post-Chef Appel warnt vor „Rattenfängern“ bei der Europawahl

Post-Chef Frank Appel appelliert an seine Mitarbeiter, sich an der Europawahl zu beteiligen.

Post-Chef Frank Appel appelliert an seine Mitarbeiter, sich an der Europawahl zu beteiligen.

Foto: Kai Kitschenberg

Bonn.   Post-Chef Frank Appel warnt vor Populismus und Fremdenfeindlichkeit in Europa. Abschottung sei keine Lösung der Herausforderung Migration.

Vor der Europawahl warnt Post-Chef Frank Appel eindringlich vor Populisten. „Die deutsche Geschichte lehrt uns, wie fatal es ist, Rattenfängern hinterherzulaufen“, sagt Appel im Gespräch mit unserer Redaktion. Es sei „keine Lösung, Europa einfach mit einem hohen Zaun zu umgeben“.

Das politische Umfeld ist unsicherer geworden, etwa durch Handelskonflikte und den geplanten Brexit. Wie blicken Sie auf die Europawahl Ende Mai?

Frank Appel: Ich sage unseren Mitarbeitern: Bitte gehen Sie wählen! Eine niedrige Wahlbeteiligung könnte zu höheren Stimmanteilen von Populisten führen. Die deutsche Geschichte lehrt uns, wie fatal es ist, Rattenfängern hinterherzulaufen. Ja, es gibt Herausforderungen wie die Migration oder die Digitalisierung – und es gibt eine empfundene Unsicherheit. Einfache Antworten auf schwierige Fragen lösen aber kein einziges Problem.

Was bedeutet Ihnen Europa?

Appel: Ich bin jemand, der 1961 geboren ist, und ich sehe: Was wir hier in Europa erreicht haben, ist phänomenal. Wer das Gegenteil behauptet, verkennt die Fakten. Es ist doch großartig, dass wir heute durch Europa reisen können, ohne an den Grenzen zu stehen oder in vielen Ländern Geld umtauschen zu müssen. Es ist zum anderen keine Lösung, Europa einfach mit einem hohen Zaun zu umgeben. Die Menschen, die aus ihren Heimatländern auswandern wollen, benötigen eine Perspektive. Oder glauben Sie, dass Tausende Menschen freiwillig ihre Heimat verlassen? Diese Menschen haben in den allermeisten Fällen keine Alternative. Daher müssen wir daran arbeiten, für sie Alternativen zu schaffen.

Welche Verantwortung trägt die Wirtschaft?

Appel: Wir haben mittlerweile über 4000 Flüchtlinge bei uns beschäftigt, und diese Menschen arbeiten genauso gut, wie die Menschen, die in unserem Land geboren wurden. Die Zuwanderer müssen eine Chance bekommen. Es hilft nicht weiter zu sagen, sie dürfen alle nicht kommen und dann wird es besser – davon wird gar nichts besser. Wir haben heute in Deutschland keine Flüchtlingskrise mehr.

Bereiten Ihnen die globalen Handelskonflikte Sorgen?

Appel: Auch in der Wirtschaft schadet Abschottung nur. Nennen Sie mir ein Land, das mit Protektionismus erfolgreich ist? Es gibt keins. Wettbewerbsfähig wird man nicht durch Abschottung, sondern durch die beste Infrastruktur, das beste Bildungssystem und damit, dass man sich dem Wettbewerb aussetzt. Die deutschen Unternehmen, auch die Mittelständler, sind sehr global aufgestellt. Daher bin ich sehr zuversichtlich.

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