Rohölpreise

Raffinerie-Angriff: Steigen jetzt Benzin- und Heizöl-Preise?

Ölpreis auf Vier-Monats-Hoch

Am Aktienmarkt deckten sich Investoren mit Werten aus der Ölbranche ein.

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Berlin.  Angriffe auf eine Raffinerie in Saudi-Arabien sorgen für kräftig steigende Rohölpreise. Was genau bedeutet das für den Verbraucher?

Drohnenangriffe auf die Raffinerie in Saudi-Arabien haben die Ölmärkte weltweit in Aufruhr versetzt. Der Ölpreis legte zu Handelsstart am Montag den größten Anstieg seit dem Golfkrieg hin. Die Verunsicherung über die politische Eskalation ist groß. Die USA haben Iran die Schuld für die Angriffe gegeben. Welche Folgen hat dies für Deutschland?

Wie haben die Märkte auf den Anschlag reagiert?

Die Angriffe auf die größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien haben zwischenzeitlich zum größten Ölpreisanstieg seit fast 30 Jahren geführt. In den ersten Handelsminuten legten die Ölpreise am Montag bis zu 20 Prozent zu, bevor sie wieder etwas nachgaben.

Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete in der Spitze 71,95 Dollar. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) verteuerte sich auf 63,34 Dollar. In der Spitze kletterten die Preise vorübergehend auf den höchsten Stand seit mehreren Monaten.

Droht eine Versorgungsknappheit in Deutschland?

„In Deutschland droht kein Engpass in der Versorgung“, sagt der Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV), Alexander von Gersdorff, dieser Redaktion. Die Bundesrepublik bezieht lediglich ein Prozent seiner Ölimporte aus Saudi Arabien. Somit ist Deutschland nicht direkt von einem möglichen Ölversorgungsengpass im arabischen Raum betroffen.

Zudem gibt es ausreichend Öl auf den internationalen Märkten. „Kurzfristig ist mit keinen Angebotsengpässen zu rechnen“, sagt die Rohölexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert. Entscheidend sei allerdings, dass der Konflikt rasch befriedet wird und keine dauerhaften Engpässe auftreten. Die

führt also vermutlich nicht zu einer eklatanten Versorgungsnot.

Woher bezieht Deutschland sein Rohöl?

Deutschland bezieht sein Rohöl aus gut 30 Ländern. Der größte Öllieferant ist Russland mit rund 36 Prozent, gefolgt von Norwegen (12 Prozent) und Großbritannien (8 Prozent). Die USA liefern 4,5 Prozent des deutschen Rohölbedarfs. Weitere Lieferanten sind Kasachstan, Libyen, Nigeria, Irak, Algerien und Ägypten. Sie alle exportieren mehr Öl nach Deutschland als Saudi-Arabien. Auch aufgrund dieser großen Zahl an Lieferanten gilt die Versorgung als gesichert.

Wieviel Öl fehlt nun am Weltmarkt?

Saudi-Arabien ist weltweit der größte Öllieferant. Durch den Drohnenangriff wurde die größte Ölraffinerie Saudi-Arabiens getroffen. Infolge der Angriffe sind 5,7 Millionen Barrel des täglichen Ölangebots Saudi-Arabiens angeschnitten, berichten Commerzbank-Analysten - dies sind etwa 60 Prozent der saudi-arabischen Ölproduktion oder auch fünf Prozent des weltweiten Ölangebots.

Sollten man jetzt Tanken oder seine Heizöltanks füllen?

Der Heizölpreis ist bereits am Montag deutlich gestiegen. Im bundesweiten Durchschnitt kostete der Liter 69 Euro je 100 Liter bei einer Abnahme von 3000 Liter. Am Freitag lag der Preis noch bei 64 Euro, berichtet der Mineralölwirtschaftsverband. Regional sprang der Preis um drei bis fünf Cent nach oben, berichtet der Messgeräte-Hersteller Tecson. Prognosen zur Preisentwicklung wollen Experten nicht geben.

An den Tankstellen sind am Montag noch keine signifikanten Erhöhungen zu bemerken. Zwar stiegen die Preise am Vormittag leicht um ein bis zwei Cent. Da die Tankstellenpreise täglich mehrmals verändert werden kann dies noch nicht als eindeutige Preiserhöhung gewertet werden.

Werden die Rohölpreise weltweit dauerhaft steigen?

„Es handelt sich um einen gravierenden Konflikt, der kurzfristig auf jeden Fall zu steigenden Ölpreisen führen wird“, ist die DIW-Rohstoffexpertin Claudia Kemfert überzeugt. „Derzeit gibt es zwar noch ausreichend Öl auf den Märkten, aber es werden mögliche Angebotsengpässe schon heute eingepreist.“

Ob der Konflikt anhalten wird und es damit zu tatsächlichen Angebotsengpässen und zu weiter steigenden Ölpreisen kommen kann, hänge davon ab, dass fossile Energiekriege von allen Seiten befriedet werden. „Leider ist dies derzeit ein unrealistisches Szenario“, meint Kemfert. Da Rohöl weltweit gehandelt und der Preis sich an den weltweiten Rohölmärkten bildet, werden diese auch in Deutschland spürbar.

Wie könnte wirksam gegengesteuert werden?

„Die beste Antwort auf fossile Energiekriege ist die Energiewende mit gezieltem Energiesparen im Gebäude- und dem Einsatz alternativer Kraftstoffe im Verkehrssektor“, sagt Kemfert. In der deutschen Klimapolitik müsse deshalb die Abkehr von fossiler Energie Priorität haben.

„Insbesondere die stärkere Förderung energetischer Gebäudesanierungen und die Verkehrswende mit der Förderung des Schienenverkehrs und der Elektromobilität muss Vorrang eingeräumt werden“, so Kemfert.

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