Chemiekonzern

RAG-Stiftung verkauft Evonik-Aktien für 632 Millionen Euro

Der Essener Chemiekonzern Evonik – hier ein Bild von der Hauptversammlung 2019 – gehört zu den großen Arbeitgebern in Essen.

Der Essener Chemiekonzern Evonik – hier ein Bild von der Hauptversammlung 2019 – gehört zu den großen Arbeitgebern in Essen.

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Essen.  Die RAG-Stiftung verkauft ein weiteres millionenschweres Aktienpaket von Evonik. Der Anteil am Essener Chemiekonzern sinkt damit spürbar.

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Die Essener RAG-Stiftung hat für rund 632 Millionen Euro Aktien des Chemiekonzerns Evonik verkauft. Dies entspreche einem Anteil von rund 5,4 Prozent am Essener Unternehmen, teilte die Stiftung in der Nacht zum Dienstag mit. Die zentrale Aufgabe der RAG-Stiftung ist, nach dem Abschied vom Steinkohlenbergbau in Deutschland die Folgekosten zu tragen.

„Nach der heutigen Reduzierung unserer Beteiligung an Evonik wollen wir weiterhin langfristig ein signifikanter Anteilseigner mit Fokus auf eine positive Aktienkursentwicklung von Evonik bleiben“, erklärte Stiftungschef Bernd Tönjes. „Evonik hat erhebliche Fortschritte bei der Transformation in ein erstklassiges Spezialchemieunternehmen erzielt, und wir unterstützen die Strategie des Managements zur langfristigen Wertschaffung voll und ganz.“ Tönjes ist auch Aufsichtsratschef von Evonik. Vorstandschef des Konzerns ist Christian Kullmann.

Nach dem Aktienverkauf hält die RAG-Stiftung eigenen Angaben zufolge noch eine Beteiligung von rund 58,9 Prozent an Evonik. Es ist absehbar, dass die Beteiligung der Stiftung am Chemiekonzern weiter sinken wird. Denn die RAG-Stiftung hat noch drei Anleihen im Volumen von rund neun Prozent ausstehen, die in Evonik-Aktien umgetauscht werden können. Damit könnte die Stiftung in einigen Jahren unter 50 Prozent fallen. Nach derzeitigem Stand gilt ein Verlust der Mehrheit an Evonik aber als unwahrscheinlich.

Evonik ist die größte Beteiligung der RAG-Stiftung, die ihren Sitz auf dem Essener Zollverein-Areal hat. Hinzu kommen das Gelsenkirchener Wohnungsunternehmen Vivawest sowie zahlreiche Unternehmen aus dem Mittelstand. Sie sind in einer Beteiligungsgesellschaft namens RSBG gebündelt, die bei etwa einer Milliarde Umsatz rund 8000 Menschen in ihren Gesellschaften beschäftigt. Mit kleineren Beträgen sei die RAG-Stiftung zudem an rund 20.000 Unternehmen in der Welt beteiligt, sagte Stiftungschef Tönjes unlängst im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Wir sind eine unternehmerische Stiftung, keine gemeinnützige oder staatliche Einrichtung“, betonte Tönjes. „Wenn wir unser Geld einfach aufs Bankkonto legen würden, bekämen wir keine Zinsen und müssten im schlimmsten Fall noch draufzahlen.“

Beim nun erfolgten Verkauf der Evonik-Anteile habe der Preis pro Aktie 25,30 Euro betragen, teilte die Stiftung mit. In den vergangenen Monaten war der Aktienkurs deutlich gestiegen – in der Spitze auf mehr als 27 Euro. Nach der aktuellen Transaktion verlor Evonik an der Börse spürbar an Wert. Zwischenzeitlich ging die Aktie um mehr als fünf Prozent zurück.

„Langfristiges Ziel der RAG-Stiftung ist die Diversifizierung ihrer Vermögensbasis, die ein zentraler Bestandteil ihrer Strategie ist“, sagte Jürgen-Johann Rupp, der Finanzchef der Stiftung. Seit der Gründung habe die RAG-Stiftung ihr Gesamtvermögen auf 18,6 Milliarden Euro erhöht. Erlöse von einer Milliarde Euro aus Evonik-Aktienverkäufen im September 2018 seien vollständig investiert worden. Die Einnahmen aus der aktuellen Transaktion wolle die Stiftung zur Finanzierung von Investitionen und zur möglichen Refinanzierung von Verbindlichkeiten verwenden.

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