Insolvenz

Sanierungsplan bei Kettler verzögert sich offenbar

Luftbild von der Kettler-Fabrikhallen. Nach der Insolvenz 2018 gab es bereits Schwierigkeiten, Vertrauen bei Zulieferern zurückzugewinnen. Leichter dürfte dies durch die dritte Insolvenz nicht geworden sein.

Luftbild von der Kettler-Fabrikhallen. Nach der Insolvenz 2018 gab es bereits Schwierigkeiten, Vertrauen bei Zulieferern zurückzugewinnen. Leichter dürfte dies durch die dritte Insolvenz nicht geworden sein.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Ense.  Beim insolventen Unternehmen Kettler aus Ense und Werl scheint sich die Aufstellung eines akzeptablen Sanierungsplans zu verzögern.

Die Aufstellung eines akzeptablen Sanierungsplans für die insolventen Kettler Gesellschaften Freizeit und Plastics scheint sich zu verzögern. Für beide Gesellschaften wurde Ende Juli Insolvenz beim Amtsgericht Arnsberg angemeldet. Demnach würde die Zahlung von Löhnen und Gehältern über Insolvenzgeld für die rund 500 Beschäftigten Ende des Monats auslaufen.

Kritik an entlassener Geschäftsführung

Nur sieben Monate nach dem letzten Insolvenzverfahren und der scheinbaren Rettung durch den Finanzinvestor Lafayette Capital Mittelstand in buchstäblich letzter Sekunde, wurde für die Gesellschaften Kettler Freizeit GmbH und Kettler Plastics erneut Zahlungsunfähigkeit gemeldet. In diesem Zuge wurde am 9. August auch der bisherige Geschäftsführer Olaf Bierhoff vor die Tür gesetzt. Ihm war es aus Sicht der neuen Gesellschafter nicht gelungen, die Traditionsmarke für Spiel- und Sportgeräte sowie Garten- und Büromöbel auf die Erfolgsspur zu lenken. Auch von Arbeitnehmerseite gibt es Kritik am Management: „Wir sind enttäuscht von der handelnden Unternehmensführung nach der zweiten Insolvenz“, erklärte Dirk Tscherning, Gewerkschaftssekretär der IG Metall. Erneut muss die Belegschaft bangen, die bereits seit der ersten Insolvenz im Jahr 2015 ein Wechselbad der Gefühle durchlebt.

Vertrauensverlust bedrohlich

Tscherning ist dennoch „guter Hoffnung“, dass am Ende des Insolvenzverfahren der Erhalt der Marke Kettler stehen könnte. Dem Vernehmen nach haben die meisten Handelskunden der beiden Gesellschaften weiter Vertrauen in das Unternehmen – und darin, dass die Marke auch im kommenden Jahr in den Geschäften vertreten sein wird. Schwieriger dürften die Zulieferer zu überzeugen sein, die nun zum wiederholten Mal Verluste durch ein Kettler-Insolvenzverfahren hinnehmen sollen. Wie problematisch der Vertrauensverlust an dieser Stelle sein kann, hat Kettler bereits nach der zweiten Insolvenz erfahren, als Schwierigkeiten beim Materialzufluss letztlich zu Stillständen in der Produktion geführt hatten.

Ein Szenario, dass sich durchaus wiederholen und dann – wie in diesem Frühjahr – zu Lieferverzögerungen führen dürfte.

Preisgekrönt und nicht gebaut

Die von Kettler im Zuge der Insolvenz angekündigte klare Fokussierung auf Produkte, die eine hohe Marktakzeptanz und entsprechende Erlöse versprechen, bedeutet eine Abkehr von bestimmten Kettlerangeboten. Nach Informationen dieser Zeitung gehört dazu auch die Anfang Juli auf der Fachmesse Gardiente vorgestellte und mit dem „Gardiente Outdoor-Living-Award“ in Gold ausgezeichnete Outdoor-Loungelinie „Nassa“. Sie sollte wegen des hohen Anteils manueller Produktion in China gefertigt werden im 2020 auf den deutschen Markt kommen. Daraus wird nun allem Anschein zumindest vorerst nach nichts.

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