Studie

Schere bei den Einkommen in NRW geht auseinander

In Duisburg liegen die Gehälter höher als im Bundesdurchschnitt.

In Duisburg liegen die Gehälter höher als im Bundesdurchschnitt.

Foto: Hans Blossey

Essen.   In Nordrhein-Westfalen verdienen Arbeitnehmer mehr als im Bundesdurchschnitt. Doch viele Städte im Ruhrgebiet schneiden schlechter ab.

Wer in Leverkusen wohnt, kann sich vermutlich glücklich schätzen. In dieser Stadt, wo unter anderem der Pharmakonzern Bayer seinen Sitz hat, verdienen die Arbeitnehmer im Mittel 4170 Euro – das ist der Spitzenwert in Nordrhein-Westfalen. Der Kreis Kleve, nur etwa 100 Kilometer den Rhein hinab, liegt am anderen Ende der Einkommenstabelle. Hier beträgt der mittlere Verdienst gerade einmal 2882 Euro. Dies geht aus einer neuen Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, die bundesweit die Brutto-Einkommen nach Städten, Kreisen und Bundesländern für sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte ermittelte, ausgenommen wurden dabei die Auszubildenden.

Insgesamt können die Arbeitnehmer in Nordrhein-Westfalen beim Blick auf ihr Konto vergleichsweise zufrieden sein. Denn mit einem mittleren Verdienst von 3306 Euro liegen sie klar über dem Deutschlandwert von 3209 und insgesamt auf Rang sechs unter den 16 Bundesländern. Gut verdienen demnach in NRW auch die Arbeitnehmer in den Rheinstädten Bonn, Köln und Düsseldorf. Auch in den Universitätsstädten Aachen und Münster liegt das Einkommensniveau deutlich über dem NRW-Mittelwert.

Uneinheitliches Bild im Ruhrgebiet

Allerdings kommt es auf den Vergleichsmaßstab an. Denn im Mittel verdienen Kollegen in den alten Bundesländern 3339 Euro im Monat – also 33 Euro mehr als die Beschäftigen in NRW. Dagegen liegen die Einkommen in den ostdeutschen Bundesländern klar unter dem Bundesdurchschnitt. Das mittlere Einkommen in Ostdeutschland liegt mit 2600 Euro um mehr als 700 Euro unter dem Vergleichswert im Westen. So steht Mecklenburg-Vorpommern im Vergleich aller Bundesländer mit 2391 Euro am Ende der Tabelle. Nur wenig mehr verdienen die Beschäftigten in Thüringen, Sachsen oder Sachsen-Anhalt (2494). Spitzenreiter im Länder-Ranking ist Hamburg, wo die Beschäftigten im Mittel 3619 Euro verdienen. Auf Platz zwei und drei folgen Baden-Württemberg und Hessen.

Um das mittlere Einkommen zu ermitteln, wurde in der Auswertung von den Statistikern der Bundesagentur der sogenannte Meridian verwendet. Dieser Wert liegt in der Mitte einer Zahlenverteilung und teilt diese in zwei gleich große Hälften. Einbezogen wurden dabei Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Zulagen und Zuschläge. Regional zugeordnet wird das Einkommen nach dem Arbeitsort und nicht dem Wohnort der Beschäftigten. Stichtag für die Erhebung war der 31. Dezember 2017.

Duisburg vor Essen und Dortmund

Auch im Ruhrgebiet zeigt sich beim Verdienst ein uneinheitliches Bild. So liegen Duisburg (3467), Essen (3451), Dortmund (3315) und Mülheim (3523) teils deutlich über dem Mittelwert für ganz Nordrhein-Westfalen. Doch andere Ruhrgebietsstädte wie Oberhausen (3272), Bottrop (3149), Gelsenkirchen (3242), Recklinghausen (3127) und auch die Hochschulstadt Bochum (3273) liegen teilweise klar darunter. Besonders niedrig war das mittlere Lohnniveau nach Angaben der Arbeitsagentur nicht nur in Kleve, sondern auch in Höxter, Heinsberg und Unna.

Wie hoch der Verdienst in den jeweiligen Regionen ist, könne von vielen Faktoren abhängen, erläutern die BA-Experten. Zum Beispiel, ob es in der Stadt Unternehmen gibt, die gut bezahlte Jobs anbieten. Auch die Qualifikation der Arbeitnehmer hat einen Einfluss auf die Höhe des Gehalts. Über die Kaufkraft sagt die Höhe des Einkommens allein nicht viel aus. Dies hängt auch von den Lebenshaltungskosten etwa für Miete und Nahrungsmittel ab. So ist das Leben in den Rheinstädten für Arbeitnehmer deutlich teurer als im Ruhrgebiet.

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