Einkaufszentrum

Schuhhändler – Sieben Filialen schließen am Limbecker Platz

Räumungsverkauf in der Filiale des Schuhhändlers Ecco im Einkaufszentrum Limbecker Platz in Essen: Auf einen Schlag ziehen sich mehrere Schuhanbieter zurück.

Räumungsverkauf in der Filiale des Schuhhändlers Ecco im Einkaufszentrum Limbecker Platz in Essen: Auf einen Schlag ziehen sich mehrere Schuhanbieter zurück.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Gleich sieben Schuhanbieter verabschieden sich aus dem Limbecker Platz in Essen. Deichmann gibt die Kette Roland sogar komplett auf.

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Die Botschaften in den Schaufenstern sind eindeutig. Der Schuhhändler Ecco hat einen dicken roten Punkt mit dem Wort „Räumungsverkauf“ auf die Glasscheibe geklebt. Nebenan im Essener Einkaufszentrum Limbecker Platz verkündet der Schuhanbieter Kämpgen einen „Totalausverkauf“ mit Preisreduzierungen – darunter die Erklärung: „Wir sagen auf Wiedersehen.“ Beim Schuhhändler Rieker gibt es ebenfalls einen Sonderverkauf, weil sich das Unternehmen aus dem Einkaufscenter verabschiedet.

Mitten im wichtigen Weihnachtsgeschäft befindet sich eines der größten innerstädtischen Einkaufszentren Deutschlands im Umbruch – das lässt sich insbesondere am Wegzug der Schuhfilialisten erkennen. „Wir stellen fest, dass sich eine Reihe von Schuhhändlern bei uns zurückziehen“, berichtet Center-Managerin Alexandra Wagner. Gleich sieben Anbieter schließen ihre Tore. „Roland, Kämpgen, Ecco, Rieker, Lloyd, Geox und Runners Point werden bei uns ausziehen“, erklärt Wagner. Auffällig sei, dass die Nachmieter, die bislang feststehen, aus anderen Branchen kommen.

10-Jahres-Mietverträge am Limbecker Platz laufen aus

Auch an der vor wenigen Tagen im Bundesanzeiger veröffentlichten Bilanz des deutschen Marktführers Deichmann lässt sich ablesen, dass die Schuhbranche hierzulande unter Druck steht. Zum sechsten Mal in Folge seien im Jahr 2018 die Umsätze der Schuheinzelhandelsbranche in Deutschland zurückgegangen – zuletzt mit einem Minus von zwei Prozent. Im Vergleich dazu schneidet das Essener Unternehmen Deichmann noch etwas besser ab. Die Anzahl verkaufter Schuhe sank der Bilanz zufolge in Deutschland um 1,2 Prozent auf 67,9 Millionen Paar Schuhe. Der Umsatz fiel um 1,7 Prozent. Das im Vorjahr ausgegebene Ziel von leicht steigenden Umsatzerlösen konnte Deichmann damit nicht erreichen.

Die Gründe für den Rückzug der Schuhhändler aus dem zentral gelegenen Limbecker Platz in Essen seien „sicherlich vielschichtig und haben nicht nur mit unserem Standort zu tun, sondern auch mit der starken Online-Konkurrenz“, analysiert Center-Managerin Alexandra Wagner. Generell befinde sich das Einkaufszentrum in einer Phase des Wandels. „Nach zehn Jahren sind langfristige Mietverträge ausgelaufen. Entsprechend groß sind die Veränderungen“, erläutert Wagner. Vorübergehend werde es auch Leerstände am Limbecker Platz geben. „Aber 95 Prozent unserer Flächen sind vermietet.“

Deichmann stellt Kette Roland ein

Im klassischen Schuheinzelhandel gebe es bereits seit einigen Jahren große Herausforderungen, wird bei Deichmann betont. Der Druck kommt von zwei Seiten – zum einen durch den Online-Handel mit Spezialisten wie Zalando, zum anderen durch Modehändler, die auch Schuhe verkaufen. Darunter leide die Profitabilität vieler Geschäftsmodelle, betont Deichmann. Das Unternehmen, das selbst Online-Shops betreibt, stellt sich auf mehr Internet-Handel und einen „anhaltenden Frequenzrückgang vor allem in City- und Centerlagen“ ein.

Eine Konsequenz ist, dass Deichmann den Betrieb der konzerneigenen Kette Roland einstellen will. „Trotz erheblicher Investitionen in der Vergangenheit mussten wir feststellen, dass Roland als Fachgeschäft leider nicht zukunftsfähig gestaltbar ist“, erklärte das Unternehmen unlängst. Spätestens Ende 2020 soll Roland vom Markt verschwunden sein. 20 Filialen gibt es noch. Andere 20 Standorte hat bereits der Wettbewerber Görtz übernommen. Laut Deichmann-Firmenwebsite befinden sich unter anderem in Mülheim, Oberhausen, Dortmund, Münster und Solingen Roland-Filialen.

Schuhe beim Online-Shopping gefragtes Produkt

Kleidung, Schuhe und Accessoires gehören laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom zu den gefragtesten Produkten im Internet. 93 Prozent der Online-Shopper geben an, diese Waren zu erwerben. Elektronische Haushaltsgeräte folgen mit 81 Prozent auf dem zweiten Platz, Bücher und Hörbücher (79 Prozent) auf dem dritten Rang. Wie Bitkom kürzlich zu einer repräsentativen Befragung von mehr als 1000 Teilnehmern mitteilte, kaufen inzwischen 55 Millionen Bundesbürger im Internet ein. Das entspreche 94 Prozent aller Internetnutzer ab 16 Jahren. „Online-Shopping ist für viele mittlerweile so alltäglich wie der Gang in ein stationäres Geschäft“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.

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