Digitaler Service

Start-up Myster organisiert Handwerker via Internet

In der Dortmunder Myster-Box bietet Geschäftsführer eine Datenbrille an, die heimische Wände virtuell streicht und erahnen lässt, wie der neue Teppichboden im Wohnzimmer wirkt.

In der Dortmunder Myster-Box bietet Geschäftsführer eine Datenbrille an, die heimische Wände virtuell streicht und erahnen lässt, wie der neue Teppichboden im Wohnzimmer wirkt.

Foto: MATTHIAS GRABEN / FUNKE Foto Services

Dortmund.  Die Online-Plattform Myster organisiert Handwerker für die Renovierung daheim. Eine Konkurrenz für die Betriebe will das Start-up nicht sein.

Die Wände im Wohnzimmer sollen gestrichen, der Boden erneuert und dabei die Lichtschalter und Steckdosen gleich auf den neuesten technischen Stand gebracht werden. Den Maler, Fußbodenleger und Elektriker unter einen Hut zu bringen, ist nicht leicht. Um Kunden den zeitraubenden Koordinationsaufwand abzunehmen, hat der Dortmunder Unternehmer Mirco Grübel die Online-Plattform „Myster“ geschaffen. Das Start-up hat ein kühnes Ziel: die Digitalisierung des Handwerks.

„Ich will dem Handwerk keine Konkurrenz machen“, betont Grübel. Für Myster seien Handwerksbetriebe eher Partner – wie die Kunden und Hersteller von Baustoffen auch. „Wer sich ein neues Bad einbauen lassen oder die Wohnung renovieren will, hat doch keine Zeit, 20 verschiedenen Betrieben hinterher zu telefonieren“, sagt der Geschäftsführer. Mit der Plattform Myster habe der Kunde nur einen einzigen Ansprechpartner. Mit dem Team vereinbaren Kunden Art und Umfang der Arbeiten, Termin und Bezahlung. Myster organisiert dann die Handwerker.

Datenbrille hilft bei Auswahl der Tapete

Wer den Auftrag nicht ausschließlich virtuell erteilen will, kann in der „Myster-Box“ am Dortmunder Hauptbahnhof vorbeischauen. Dort stellt das Unternehmen Muster von Böden, Anstrichen und Fliesen aus. Die Kunden können aber auch die Virtual-Reality-Brille aufsetzen, um sich einen Eindruck zu verschaffen, wie die neue Tapete in ihrem Wohnzimmer aussehen könnte.

„Im Moment ist unser Angebot auf die meisten deutschen Großstädte begrenzt“, sagt Grübel. Doch er will den Radius von Myster weiter ausdehnen. „Wie wir Handwerker finden, haben wir inzwischen herausgefunden. 350 Köpfe arbeiten bereits für uns.“ Das aufgebaute Netzwerk ermögliche es der Plattform, den Kunden zeitnähere Termine anzubieten, als wenn sie mit den Betrieben direkt verhandelten. „Die Wartezeit im Handwerk beträgt je nach Gewerk elf bis 14 Wochen. Wir schaffen es durchschnittlich in zwei Wochen“, so Grübel.

Geschäftsführer Grübel: Kein Preisdumping zu befürchten

Auch wenn Myster den Kunden Festpreise anbiete, glaubt der Gründer nicht, dass das Handwerk nun eine Preisdumping-Runde zu befürchten habe. Es gebe klare Regeln. „Für die Vermittlung und Abwicklung erhält Myster zehn Prozent des Auftragswerts. Im Gegenzug zahlen wir dem Betrieb 20 Prozent der Rohertragsmarge“, erklärt Grübel. Unter dem Strich koste den Handwerker die Zusammenarbeit mit der Plattform etwa bei Bodenarbeiten zwei Prozent Umsatz. Dafür spare er Zeit und müsse kein eigenes Angebot schreiben.

Der Myster-Chef ist davon überzeugt, dass kleine Maler-, Schreiner-, Installateur- und andere Betriebe künftig unter Druck geraten, wenn sie sich nicht rechtzeitig den Sprung ins digitale Zeitalter schafften. „Die Struktur des Handwerks ist sehr traditionell. Schon aus strukturellen Gründen können seine Kammern keine eigene Online-Plattform aufbauen“, sagt Grübel. Insofern verstehe er sich als „Motor für das Handwerk“. Der Gründer: „Es ist doch nur eine Frage der Zeit, dass Amazon auch Wohnungsrenovierungen verkauft. Deshalb muss das Handwerk schon jetzt bei der Digitalisierung mitgehen.“

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