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Drei Ruhrgebiets-Städte - drei Startup-Erfolgsgeschichten

Ruhrgründer.de ist eines der wichtigsten Online-Portale für die Start-up-Szene im Revier.

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Essen.  Ruhr-Valley ist noch weit weg vom Silicon-Valley. Dennoch erlebt die digitale Gründerszene der Region gerade einen Aufschwung. Drei Beispiele:

In Anlehnung an das Silicon Valley in San Francisco, USA, als der Innovations- und Startup-Hochburg schlechthin, spricht der ein oder andere kühne Ruhrgebiets-Fan heutzutage gern mal vom Ruhr-Valley. Ein Facebook oder Google hat die Ruhr-Region zwar nicht hervorgebracht und wird es wahrscheinlich auch nicht. Doch auch in Ruhrgebietsstädten werden Startup-Erfolgsgeschichten geschrieben. Viele davon sind der Öffentlichkeit meist wenig bekannt. Deshalb werfen wir heute einen Blick auf drei erfolgreiche Startups in drei verschiedenen Städten quer durchs Ruhrgebiet.

Employour aus Bochum: Vom Startup zum Konzern

Die Geschichte von Stefan Peukert und Daniel Schütt ist alles andere als alltäglich für das Ruhrgebiet. Als eines der wenigen Startups ist den beiden Gründern mit Employour ein spektakulärer Verkauf, ein sogenannter Exit, gelungen. Im Oktober 2015 verkauften sie ihr Bochumer Startup, das vor allem mit den Karriereportalen Ausbildung.de und MeinPraktikum.de erfolgreich war, für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag an die Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr. Voraussetzung für den Verkauf: Die inzwischen 70 Mitarbeiter werden weiter beschäftigt und der Standort im Bochumer Bermudadreieick bleibt erhalten.

Den Grundstein für ihren Erfolg legten die beiden Studienfreunde mit ihrem Onlineportal "MeinPraktikum". Wie tausende andere Studenten absolvierten auch Peukert und Schütt diverse Praktika und machten dabei unterschiedliche Erfahrungen. Die Idee, dass es wie für Urlaubsreisen auch für Praktikumsstellen eine Bewertungsplattform im Internet geben müsste, kam ihnen in einer Hamburger Cocktailbar. Überzeugt von ihrer Idee starteten die beiden Gründer mit einem kleinen Team, solch eine Plattform aufzubauen. Kapital wollten ihnen zu der Zeit weder Bank noch Investoren geben. Doch in der Bochumer Digitalagentur 9elements, übrigens einer der innovativsten weltweit, fanden die beiden Gründer einen Partner, der sie bei der technischen Entwicklung unterstützte. MeinPraktikum.de entwickelte sich schnell zum Erfolg, auf dem sich das Team aber nicht ausruhte, sondern mit weiteren Karriereportalen nachlegte. Mit mehreren Millionen Nutzern war Ausbildung.de dabei die erfolgreichste.

Mit Blick auf die Zukunft und steigenden Wettbewerb entschlossen sich Peukert und Schütt fünf Jahre nach Gründung, für die Weiterentwicklung ihres Unternehmens einen Partner zu suchen und fanden ihn in Gruner + Jahr. Inzwischen heißt das Unternehmen TerritoryEmbrace, das auch heute noch seinen Sitz im Bermudadreieck hat. Die beiden Gründer allerdings haben ihr ehemaliges Startup inzwischen verlassen und bauen mit Masterplan.com gerade ein neues Unternehmen auf - natürlich wieder in Bochum.

Dortmund: Aus Forscherdrang zur weltweit führenden Big Data-Plattform

Mit den Dortmunder Startup-Pionieren Ralf Klinkenberg und Dr. Ingo Mierswa von RapidMiner ist es ein bisschen wie mit Asterix und Obelix und ihrem kleinen gallischen Dorf, das die großen Römer herausfordert. In der Bewertung der führenden Plattformen für Data-Mining direkt hinter IBM und SAS, die jeweils weit über 10.000 Mitarbeiter beschäftigen, lauert RapidMiner mit den beiden Dortmunder Gründern und einem rund 100-köpfigen Team.

Der Hauptsitz des Unternehmens liegt inzwischen zwar in Boston, USA, doch gegründet haben die beiden Spezialisten für maschinelles Lernen ihr Unternehmen in Dortmund. Dort ist auch immer noch die Abteilung Forschung und Entwicklung beheimatet, mit rund 30 Mitarbeitern und Ralf Klinkenberg als Forschungsleiter. Ingo Mierswa indessen wechselte nach Boston, wo vor allem Geschäftsführung, Marketing und Vertrieb stationiert sind.

Dass sie einmal mit ihrer eigenen Software so erfolgreich sein würden – mit Kunden wie PayPal, BMW, Cisco, Sanofi oder SalesForce – hatten die beiden Informatiker am Anfang ihrer Selbstständigkeit gar nicht gedacht. Als sie 2006 ihr Unternehmen starteten, verfolgten sie das typische Geschäftsmodell eines IT-Dienstleisters: Schulungen, Beratung, Projektaufträge.

Ihre Software "RapidMiner", mit der man sehr große Datenmengen nach verschiedensten Aspekten auswerten kann, hatten sie bereits zu Studienzeiten und aus eigenem Bedarf entwickelt. Als die beiden Gründer ihr Tool als Open Source Software kostenlos der Öffentlichkeit zur Verfügung stellten, zeigte sich schnell der Erfolg.

Heute ist RapidMiner eins der am häufigsten genutzten Tools zur Datenanalyse. Nach dem anfänglichen Schwerpunkt auf Schulung, Beratung und Projektaufträge, macht das Geschäft mit der kostenpflichtigen Version der Software inzwischen rund 70 Prozent des Umsatzes aus. Neben Dortmund und Boston hat das Unternehmen weitere Standorte in Budapest und London.

Innovative Technologie für Online-Schuhbestellungen made in Duisburg

Schauplatz: Industriegebiet Duisburg-Wanheimerort. Dass hinter den dicken Mauern aus Backstein und Beton mit mifitto eines der innovativsten und erfolgreichsten Ruhrgebiets-Startups seinen Sitz hat, lässt die äußere Fassade einer ehemaligen Kabelfabrik kaum vermuten.

Gestartet sind die drei Gründer mit einer App, die dabei helfen sollte, die hohe Rücksendequote bei Online-Schuhbestellungen zu reduzieren. Ihre siebenstelligen Umsätze machen Thomas Harmes, Dominic Köhler und Dominik Lessel inzwischen nicht nur mit ihrer Größenberater-Software, sondern auch mit innovativer Hardware: Ihr selbst entwickelter 3D-Fußscanner kommt in Deutschlands führenden Sportgeschäften zum Einsatz.

Die Idee zu mifitto entstand, als Thomas Harmes und Schwager Dominic Köhler beim gemeinsamen Grillen auf der heimischen Terrasse beschlossen, endlich etwas gegen die ständigen Rücksendungen der Online-Schuhbestellungen in ihren Familien zu unternehmen. „Das Problem beim Online-Handel mit Schuhen ist, dass es keine einheitlichen Schuhgrößen gibt“, erklärt Thomas Harmes, der viele Jahre als Geschäftsleiter beim Sportfachhändler SportScheck arbeitete. Um hier eine Lösung anzubieten, entwickelte das Duisburger Startup eine Smartphone-App, mit der Kunden ihren Füße einfach und genau ausmessen können. Um zu diesen Maßen den exakt passenden Schuh empfehlen zu können, werden bei mifitto im hauseigenen Computer-Tomographen regelmäßig die neuesten Schuhmodelle der Saison geröntgt und mit einer eigens entwickelten Software gemessen. Inzwischen setzen eine Reihe von Onlineshops wie BILD.de, SportScheck, Melvin & Hamilton, Tennis-Point oder Bunert den mifitto-Größenberater ein.

Doch nicht nur der Online-Handel, auch der stationäre Einzelhandel fragte bei mifitto nach innovativer Unterstützung bei der Größenberatung an. Um den Verkauf von Funktionsschuhen, wie Ski- oder Wanderschuhe, zu erleichtern, entwickelten die mifitto-Gründer zusammen mit Ingenieuren des Fraunhofer-Instituts einen 3D-Scanner, der in wenigen Sekunden Fuß und Bein messen kann. Inzwischen stehen in mehr als 80 Intersport-Filialen bei SportScheck und Karstadt Sport die mifitto-Scanner. Auch in Kanada und in den USA stehen bereits einige Geräte.

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Carmen Radeck ist Betreiberin der Seite RuhrGründer.de, eine der wichtigsten Online-Plattformen, die sich mit der Gründerszene in der Region befasst. Sie wird als Kolumnistin ab jetzt regelmäßig hier auf unserem Themen-Special über die brummende Branche, die neuesten Trends, die spannendsten Projekte berichten.

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