Elektromobilität

Tesla-Werk bei Berlin: Profitiert der deutsche Arbeitsmarkt?

VDA zu Tesla: "Wettbewerb belebt das Geschäft"

Der Automobilverband VDA wertet die Entscheidung des US-Elektropioniers Tesla, sein erstes Werk für Elektroautos in Europa in der Region Berlin-Brandenburg zu bauen, als Stärkung des Automobilstandortes Deutschland.

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Berlin.  Teslas Milliarden-Investition gibt der deutschen Autobranche neuen Schwung – den massiven Stellenabbau bremst das jedoch wohl nicht.

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Für den Industriestandort Deutschland ist es ein Befreiungsschlag. Nach Monaten der Rezessionsangst investiert der US-Konzern Tesla in Grünberg bei Berlin mehrere Milliarden Euro, um hier ab 2021 Elektroautos zu bauen. Der Elektroauto-Pionier will sich auf dem Heimatmarkt der besten Automobilbauer der Welt messen.

Dafür entstehen zunächst 6000 Arbeitsplätze in einer hochmodernen Fabrik, Hunderte weitere in einem Design- und Entwicklungszentrum. Am Ende könnte Tesla-Gründer Elon Musk bis zu 10.000 neue Arbeitsplätze in Deutschland schaffen. Das strukturschwache Brandenburg hat das ganz große Los gezogen.

Tesla-Ansiedlung bei Berlin: Gute Nachricht zur rechten Zeit

Die Nachricht kommt in einer Zeit, in der die deutsche Autobranche als wichtigster Industriezweig mit ihren mehr als 800.000 Beschäftigten zwar nicht an Bedeutung verloren hat, aber der Lack langsam matt wird. Eine Politur ist dringend nötig.

Zu lange haben die Hersteller am Verbrennungsmotor festgehalten und den Wandel in Richtung Elektromobilität oder alternative Antriebskonzepte verzögert, sagen Branchenkenner. Das Ergebnis sind Negativ-Schlagzeilen im Monatsrhythmus: Stellenabbau überall.

Stellenabbau bei den deutschen Herstellern

Nach den zurückliegenden Boomjahren und dem nahenden Ende der Ära der Verbrennungsmotoren machen die deutschen Hersteller und deren Zulieferer Kehraus. Eine Auswahl der jüngsten Meldungen: Daimler hat am Donnerstag einen Kahlschlag im Management verkündet, 1100 Manager müssen gehen. In der Sparte Trucks & Busse entfallen mindestens 2000 Jobs. Bei Ford sind es 5400. BMW könnte Berichten zufolge bis zu 6000 Arbeitsplätze streichen, Tausende Leiharbeiter sorgen sich um ihre Übernahme.

Auch VW baut Personal ab. Der Zulieferer Continental spart in den nächsten zehn Jahren 7000 Stellen ein, Bosch streicht 1600 Stellen im Bereich Antriebstechnologie.

10.000 Arbeitsplätze? Auto-Analyst ist skeptisch

Kommt mit der Milliarden-Investition von Tesla

nun die Wende auf dem Arbeitsmarkt des wichtigsten deutschen Industriesektors? „Das glaube ich nicht“, sagt Frank Schwope, „eher das Gegenteil“. Der Auto-Analyst der NordLB betont, dass die Produktion bei dem US-Hersteller weitgehend automatisiert ist und daher relativ wenig Personal erfordert.

Daher ist er auch in Bezug auf die Zahl der bis zu 10.000 neuen Arbeitsplätze skeptisch. „Zumindest am Anfang werden da eher 2000 bis 3000 Menschen beschäftigt sein“, sagt er. Der Experte blickt nüchtern auf die möglichen Folgen der gefeierten Investitionsentscheidung aus den USA. „Die Ansiedlung von Tesla ist ein Hoffnungssignal für den Automobilstandort Deutschland, mehr aber auch nicht.“

Tesla will Fabrik im Großraum Berlin bauen
Tesla will Fabrik im Großraum Berlin bauen

Experte: „Erst der Auftakt für regelmäßige Personalrunden“

Durch den Abschied vom Verbrennungsmotor fielen in dem Industriezweig in den nächsten Jahren Zehntausende Arbeitsplätze weg. Was jetzt von deutschen Herstellern und Zulieferern verkündet wird, sei „erst der Auftakt für regelmäßige Personalrunden“. Er erwartet, dass bis Ende der 2020er-Jahre jeder zehnte Arbeitsplatz gestrichen wird.

Immerhin: Die Hersteller und Zulieferer ziehen ihre Abbaupläne in der Regel sozialverträglich, ohne betriebsbedingte Kündigungen, durch. Ihren Belegschaften haben sie Beschäftigungsgarantien gegeben, im Fall von Daimler etwa bis ans Ende des kommenden Jahrzehnts.

Tesla-Euphorie bei Zulieferern in Brandenburg

Damit bleibt der Arbeitsmarkt in der Automobilbranche zunächst stabil – aber die Aussichten für Neueinsteiger werden schlechter. Das könnte sich Elektroauto-Pionier Musk in Deutschland zunutze machen. „Wer heute in der Autoindustrie arbeitet, muss nicht um seinen Job bangen, aber deren Kinder werden es schwerer haben, beim Daimler oder bei VW eine Stelle zu finden“, sagt Autoexperte Schwope.

In der Region südöstlich der Hauptstadt ist derweil Tesla-Euphorie ausgebrochen. Seit Elon Musk seine Entscheidung am späten Dienstag verkündet hat, klingeln bei der zuständigen Industrie- und Handelskammer Frankfurt (Oder) die Telefone. Unternehmen wollen Kontakt zu Tesla knüpfen, vor allem Zulieferer aus der Automobilindustrie.

Neue Jobs könnten rund um die Autofabrik auch außerhalb der klassischen Autobranche entstehen. Weil die Fabrik mit Ökostrom laufen soll, dürften sich vor Ort auch zahlreiche Unternehmen ansiedeln, die sich mit Energie- und Verkehrswende beschäftigen, erwarten lokale Vertreter.

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