Thyssenkrupp

Thyssenkrupp-Chef Kerkhoff deutet Verkauf der Autosparte an

Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff – hier bei der Hauptversammlung in Bochum – kann sich einen Verkauf der Mehrheit am Autoteilegeschäft vorstellen.

Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff – hier bei der Hauptversammlung in Bochum – kann sich einen Verkauf der Mehrheit am Autoteilegeschäft vorstellen.

Foto: Ralf Rottmann

Essen.   Bei Thyssenkrupp zeichnen sich Firmenverkäufe und Eigentümerwechsel ab. Konzernchef Kerkhoff erwägt, die Mehrheit im Autogeschäft abzugeben.

Konzernchef Guido Kerkhoff bereitet die Beschäftigten von Thyssenkrupp auf weitere Unternehmensverkäufe oder Eigentümerwechsel vor – unter anderem in der wichtigen Automobilzuliefersparte. „Wenn sich die Geschäfte in Partnerschaften oder anderen Strukturen besser entwickeln können, dann werden wir uns dem öffnen“, sagte Kerkhoff dem „Handelsblatt“.

Im Geschäft mit Bauteilen für Autohersteller, die Windindustrie oder Maschinenbauer sei Thyssenkrupp „nicht so groß“ wie etwa in der Stahlindustrie. „Wenn wir in diesem Bereich künftig eine Partnerschaft eingehen, dann müssen wir nicht unbedingt die Mehrheit halten“, stellte Kerkhoff mit Blick auf die Komponenten-Sparte klar. Ziel sei generell ein „flexibles Portfolio-Management“ im Konzern.

Andere Autozulieferer sind deutlich größer

Mit mehr als 33.000 Mitarbeitern weltweit, davon etwa 8400 in Deutschland, zählt das Autozuliefer- und Komponentengeschäft zu den großen Sparten von Thyssenkrupp. BMW, Daimler, Ford und VW – die Liste der Autobauer, die zu den Kunden von Thyssenkrupp zählen, ist lang. Weltweit fahren früheren Angaben von Thyssenkrupp zufolge neun von zehn Premium-Fahrzeugen mit Bauteilen des Essener Industriekonzerns. Im Branchenvergleich liegen Autozulieferer wie Bosch und Continental allerdings weit vor Thyssenkrupp.

Vorstandschef Kerkhoff betonte: „Mit der neuen Strategie wollen wir die Geschäfte in ihren jeweiligen Ökosystemen weiterentwickeln. Dabei steht die Leistungsfähigkeit der einzelnen Unternehmen im Vordergrund – unabhängig davon, in welchen Eigentümerstrukturen sie verhaftet sind.“

Thyssenkrupp will Mehrheit im Stahlbereich halten

Auch für die Stahlsparte seien nach der gescheiterten Fusion mit dem indischen Konzern Tata in Europa weiterhin Partnerschaften mit anderen Herstellern möglich, sagte Kerkhoff. Bei der aktuellen Haltung der EU-Wettbewerbshüter sehe er aber keine Möglichkeiten für große Zusammenschlüsse. „Deshalb werden wir in einer Mehrheitsposition bleiben“, betonte Kerkhoff.

Vorstand und IG Metall hatten am Wochenende eine Grundlagenvereinbarung zum Konzernumbau beschlossen. Damit seien „Standards für den fairen Umgang mit den Beschäftigten festgelegt“, betonte die Gewerkschaft. Wenn in Zukunft Unternehmen von Thyssenkrupp verkauft oder verselbstständigt werden sollen, müsse in jedem Fall zunächst eine „Fair-Owner-Vereinbarung“ („fairer Eigentümer“) mit der IG Metall getroffen werden.

„Wir brauchen das Geld“

Thyssenkrupp-Gesamtbetriebsratschef Dirk Sievers forderte, dass die Einnahmen aus dem geplanten Teil-Börsengang der Aufzugsparte allen Geschäften des Konzerns zugutekommen sollten. „Wir brauchen das Geld, um alle Geschäfte weiterzuentwickeln und die neue Strategie zu unterstützen“, sagte Sievers dem WDR.

Vorstandschef Kerkhoff hatte am Freitag sowohl die Pläne für die Stahlfusion mit Tata als auch die geplante Konzernaufspaltung abgeblasen. Stattdessen will er die lukrative Aufzugsparte teilweise an die Börse bringen. Experten schätzen deren Wert auf rund 14 Milliarden Euro, der gesamte Thyssenkrupp-Konzern ist an der Börse nur etwa die Hälfte wert.

Kerkhoff betont: „Es ist keine Zerschlagung“

Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der Mitglied im Kuratorium des Thyssenkrupp-Ankeraktionärs Krupp-Stiftung ist, sagte: „Erlöse eines Börsengangs oder aus möglichen Veräußerungen müssen in die Zukunftsfähigkeit von Thyssenkrupp insgesamt investiert werden, damit der überwiegende Teil der Arbeitsplätze gesichert werden kann.“

Den Begriff „Zerschlagung“ hält Konzernchef Kerkhoff mit Blick auf das neue Vorgehen für unangemessen. „Es ist keine Zerschlagung, wenn sich Beteiligungsstrukturen verändern“, sagte er. „Wir erhalten Thyssenkrupp als Ganzes, bauen es aber um zu einem modernen Unternehmen.“

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