Fridays for Future

Verdi-Chef Bsirske ruft zur Teilnahme am „Klimastreik“ auf

Beim Fridays for Future-Kongress in Dortmund trommelte die Jugendbewegung bereits für ihre Klimastreik am 20. September.

Beim Fridays for Future-Kongress in Dortmund trommelte die Jugendbewegung bereits für ihre Klimastreik am 20. September.

Foto: MATTHIAS GRABEN / FUNKE Foto Services

Essen.  Verdi ruft zur Teilnahme am „Klimastreik“ von Fridays for Future auf. Aber nicht während der Arbeitszeit. Bsirske: Ausstempeln und mitmachen.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ruft ihre rund zwei Millionen Mitglieder dazu auf, sich am Klimastreik von Fridays for Future zu beteiligen. Die Jugendorganisation will am 20. September bundesweite Streiks für mehr Klimaschutz organisieren. „Wir werden zur Teilnahme an den Veranstaltungen aufrufen. Es geht darum, Flagge zu zeigen – wir brauchen ein deutlich konsequenteres Handeln der Politik beim Klimaschutz“, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske der WAZ.

Bsirske: „Ausstempeln und mitmachen“

Fridays for Future plant am 20. September Aktionen in mehr als 100 deutschen Städten und kündigt an, es kämen „noch Hunderte Orte dazu“. Die Jugendorganisation nennt das ihren „dritten globalen Klimastreik“ und versteht ihn als eine Art Generalstreik. Auf die Frage, ob eine Gewerkschaft denn zu einem Generalstreik aufrufen könne, erwiderte Bsirske: „Wir rufen natürlich nicht zu einem ordentlichen Streik auf, das geht nicht. Es wird auch nicht jeder seine Arbeit unterbrechen können. Aber wer kann, sollte ausstempeln und mitmachen. Ich werde jedenfalls hingehen.“

Er sei beeindruckt von der Organisationskraft von Fridays for Future und überzeugt, dass „sich hier wirklich eine Jugendbewegung entwickelt, die nachhaltig ihre Wirkung in Deutschland erzielen wird“, so Bsirske. Der Druck, den die Schüler und Studenten auf Unternehmen und Politik entwickelten, sei „gut und richtig, um Klimaschutz und Energiewende anzuschieben“.

So schnell wie möglich aus Kohle aussteigen

Eine zentrale Forderung von Fridays for Future ist der Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2030 – acht Jahre früher als von der Bundesregierung geplant. Der Verdi-Vorsitzende und Vizechef des RWE-Aufsichtsrats trägt den Kompromiss der Kohlekommission mit, hat dabei auch die Interessen der Kraftwerks-Beschäftigten im Blick, um die sich Verdi kümmert. Trotzdem zeigt er sich offen für einen früheren Ausstieg: „Wir sollten so schnell wie möglich aus der Kohleverstromung aussteigen, das ist unsere Position bei Verdi. Stand jetzt geht das bis 2038, aber wenn es schneller geht, sollten wir es schneller machen.“

Bsirske schränkte aber ein, der Ausstieg aus dem Kohlestrom sei kein Selbstläufer, sondern an mehrere Bedingungen geknüpft. Der Strom müsse bezahlbar bleiben, der Ausstieg sozialverträglich erfolgen und nachhaltig organisiert werden. Zentrale Voraussetzungen dafür seien eine ausreichende Sicherheitsreserve aus Grundlast-Strom und ein deutlich schnellerer Netzausbau.

Für Einführung einer CO2-Abgabe

Der im September nach 18 Jahren an der Verdi-Spitze ausscheidende Gewerkschaftschef plädiert auch für die Einführung einer CO2-Steuer. Es gehe nicht mehr darum, ob sie komme, sondern nur noch darum, wie sie ausgestaltet werde. „Zentrale Frage dabei ist, ob die Einnahmen aus einer CO2-Abgabe wirklich ganz an die Bürger zurückgezahlt werden, wie es Ökonomen fordern. Oder ob man nicht zumindest einen Teil davon in den Ausbau der Erneuerbaren Energien, neue Schienen und andere klimaschonende Investitionen stecken sollte.“

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