Arbeitsniederlegung

Verdi ruft zu Amazon-Streiks auf – während der Prime-Days

Ein Verdi-Banner mit der Aufschrift: "Wir streiken" steht vor dem Amazon-Logistik-Zentrum in Werne. Die Gewerkschaft will in dem Tarifkonflikt mit dem Online-Händler Amazon nicht locker lassen.

Ein Verdi-Banner mit der Aufschrift: "Wir streiken" steht vor dem Amazon-Logistik-Zentrum in Werne. Die Gewerkschaft will in dem Tarifkonflikt mit dem Online-Händler Amazon nicht locker lassen.

Foto: Guido Kirchner / dpa

Berlin.  Die Gewerkschaft fordert mehr Lohn für die Beschäftigten beim Online-Händler Amazon. Der Streik könnte zu Lieferverzögerungen führen.

Die Gewerkschaft Verdi hat zum Streik in mehreren deutschen Versandzentren von Amazon aufgerufen. Das könnte den Online-Versandhändler zu einem empfindlichen Zeitpunkt treffen. Denn am Dienstag und Mittwoch finden die sogenannten „Prime Days“ statt, ein Einkaufsevent, bei dem das Unternehmen mit besonders vielen Bestellungen rechnet.

Betroffen sind die Amazon-Standorte Leipzig, Bad Hersfeld, Rheinberg, Werne, Graben bei Augsburg und Koblenz. Hier sollen an diesem Dienstag die Arbeitsniederlegungen beginnen und zwei Tage dauern. Das teilte die Gewerkschaft mit. Amazon selbst verwies darauf, dass bisher der große Teil der Mitarbeiter „wie an jedem anderen Tag“ arbeite und die Pakete pünktlich bei den Bestellern ankommen würden.

Streik bei Amazon: Gewerkschaft Verdi fordert mehr Lohn

Die Gewerkschaft fordert mehr Lohn für die Amazon-Beschäftigten. Dafür soll die zwischenzeitlich gezahlte Corona-Zulage in eine dauerhafte tariflich abgesicherte Gehaltserhöhung umgewandelt werden.

Amazon könne sich solche Gehaltssteigerungen durchaus leisten, erklärte der Verdi-Bundesfachgruppenleiter für den Einzel- und Versandhandel, Orhan Akman. „Von den wirtschaftlichen Problemen, mit denen sich Ketten des stationären Einzelhandels durch Lockdown und andere Corona-Beschränkungen konfrontiert sehen, ist Amazon weit entfernt“, betonte er.

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Amazon-Mitarbeiter sollen Tarifvertrag bekommen

Der Konzern habe den Beschäftigten im September zwar eine Gehaltserhöhung von 1,8 Prozent gewährt und sich damit an den tarifvertraglich im Einzelhandel vereinbarten Einkommenssteigerungen orientiert. „Allerdings klafft nach wie vor eine Lücke bei Sonderzahlungen wie dem Weihnachts- und Urlaubsgeld“, kritisierte Akman. Deshalb gebe es keine Alternative zum Abschluss eines Tarifvertrags.

Verdi kämpft seit Jahren dafür, dass die Amazon-Beschäftigten einen Tarifvertrag bekommen und nach dem Tarif für den Einzel- und Versandhandel bezahlt werden.

Amazon erklärte, das Unternehmen biete bereits „exzellente Löhne, exzellente Zusatzleistungen und exzellente Karrierechancen“ in einer „sicheren, modernen Arbeitsumgebung“. Diese Vorteile und Chancen habe „jede und jeder bei Amazon, genauso wie die Möglichkeit zum direkten Austausch mit Führungskräften“. In der Logistik von Amazon in Deutschland sind rund 16.000 Menschen fest angestellt.

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Mit Beginn der Frühschicht haben bereits Mitarbeiter von Amazon in Leipzig den Streik begonnen. „Die Beschäftigten legen seit Beginn der Corona-Pandemie Höchstleistungen an den Tag, oft ohne hinreichenden Schutz“, sagte der dortige Verdi-Streikleiter Thomas Schneider laut einer Mitteilung. Diese zusätzliche Belastung zahle sich für sie nicht im Geldbeutel aus.

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Die Zulage von zwei Euro pro Stunde, die ihnen im März gewährt wurde, seit Ende Mai wieder abgeschafft worden, so Schneider. Mit dem Streik am „Prime Day“, an dem der Online-Händler mit Sonderangeboten lockt, wollten die Beschäftigten deutlich machen, dass es sie nicht zum Schnäppchenpreis gebe, hieß es. Schneider erwartet, dass die Auslieferung von Bestellungen sich verzögert.

(dpa/fmg)

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