Fachkräftemangel

Volle Auftragsbücher und lange Wartezeiten im Handwerk

Im Baugewerbe sind die Wartezeiten auf einen Handwerker aktuell besonders lang. Das liegt auch daran, dass Nachwuchs in den Betrieben fehlt.

Im Baugewerbe sind die Wartezeiten auf einen Handwerker aktuell besonders lang. Das liegt auch daran, dass Nachwuchs in den Betrieben fehlt.

Foto: arifoto UG

Düsseldorf.   Die Auftragslage für die Handwerksbetriebe im Ruhrgebiet könnte kaum besser sein. Doch anhaltender Personalmangel führt zu langen Wartezeiten.

Die Auftragsbücher in den rund 60.000 Handwerksbetrieben an Rhein und Ruhr sind voll. So voll, dass Kunden oft monatelang auf einen Handwerker warten müssen. Besonders Maurer, Dachdecker oder Zimmerer sind derzeit kaum greifbar. Das liege nicht nur an der momentan guten Auftragslage, wie Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, erklärt. „Wir blicken mit großer Sorge auf den anhaltenden Fachkräfteengpass“, sagt er. Zurzeit suche mehr als jeder dritte Betrieb nach Personal.

Die am Donnerstag vorgestellte Frühjahrs-Konjunkturbilanz der Handwerkskammer zeigt einen klaren Aufwärtstrend. Während die Wachstumsprognosen in anderen Wirtschaftssektoren nach unten korrigiert werden, hofft das Handwerk im Ruhrgebiet 2019 auf ein Umsatzplus von über vier Prozent. Einen besonderen Boom erlebt der Bausektor: Im vergangenen Jahr konnten die Betriebe ihren Umsatz um ganze 21 Prozent steigern – nicht zuletzt wegen der massiven Investitionen aus öffentlicher Hand im Bereich Straßenbau.

Nicht alle Branchen boomen wie der Bau

Experten gehen davon aus, dass der Trend anhalten wird. „Die Hochstimmung setzt sich uneingeschränkt fort“, so Ehlert. Daran ändere auch die nur noch leicht positive Umsatzentwicklung in der Kraftfahrzeugbranche, die unter anderem wegen der Dieseldiskussion mit rückläufigen Verkaufserlösen kämpft, nichts. Und auch die leicht rückläufige Auftragsentwicklung im Gesundheitshandwerk mit Zahntechnikern, Hörakustikern und Orthopädietechnikern wirkt sich kaum auf das Wachstum der gesamten Handwerksbranche aus.

Die Folge: Wer einen Maurer braucht, muss mit einer Wartezeit von dreieinhalb Monaten rechnen. Über alle Branchen hinweg ist die Auftragsweite seit dem vergangenen Herbst weiter gestiegen und beträgt 8,8 Wochen. Im besonders gefragten Bauhauptgewerbe liegt sie deutlich darüber und auch auf Maler, Klempner und Elektriker müssen Kunden länger warten. Eine Entspannung der Lage ist angesichts einer branchenübergreifend sehr hohen Auslastung von 81 Prozent laut Handwerkskammer nicht zu erwarten. „Selbst die kleinsten Betriebe verzeichnen eine sehr gute Auslastung“, betont Ehlert.

Personalmangel wirkt als Wachstumsbremse

Auch wegen der guten Auftragslage kämpfen so viele Handwerksbetriebe wie nie zuvor mit Personalmangel. Einem Beschäftigungsaufbau von einem Prozent seit vergangenem Herbst steht ein Anstieg der Betriebe auf Personalsuche von vier Prozentpunkte gegenüber. Insgesamt finden 38 Prozent der Betriebe aktuell keine Mitarbeiter. Eine Entwicklung, die den Aufschwung den Kammerexperten zufolge schon jetzt bremse und in Zukunft zu einem noch größeren Problem werden könne.

Die größten Schwierigkeiten gebe es bei der Rekrutierung von Nachwuchs. Nach vier Jahren mit einem leichten Plus scheinen die Auszubildendenzahlen im Ruhrgebiet in diesem Jahr wieder zu stagnieren. Und noch immer sei dieser Berufsweg für viele Schulabgänger unattraktiv. „Ob das Handwerk in Zukunft noch wachsen kann, hängt ganz entscheidend davon ab, dass Berufsbildung attraktiv ist“, sagt Ehlert. Denn nur jeder fünfte Abiturient entscheide sich für eine Ausbildung im Handwerk.

Azubi-Austausch soll Attraktivität steigern

Seit zehn Jahren beteiligt sich die Handwerkskammer Düsseldorf deshalb am Mobilitätsprogramm der Bundesregierung und ermöglicht Auszubildenden Auslandsaufenthalte. Über 1200 Lehrlinge haben seitdem während ihrer Ausbildung mehrwöchige Praktika in sieben Ländern absolviert, die meisten von ihnen in Frankreich.

Beim Düsseldorfer Metzgermeister Uli Grefkes, dessen Betrieb die Kammer zur Vorlage ihrer Prognose ausgewählt hat, haben bereits zwei Auszubildende an einem Frankreich-Austausch teilgenommen. Und Rezeptideen aus der französischen Wurstküche mitgebracht. Grefkes ist überzeugt, mit dem Programm die eher unpopuläre Fleischerausbildung aufwerten zu können.

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