Digitalisierung

Vom Bergbau zum Engineering-Konzern: DMT gelang der Wandel

Die Unterwasserdrohne der Essener Engineering-Firma DMT ist in gefluteten Hohlräumen, etwa stillgelegten Schächten oder Tanks, im Einsatz und führt dort Monitorings durch.

Die Unterwasserdrohne der Essener Engineering-Firma DMT ist in gefluteten Hohlräumen, etwa stillgelegten Schächten oder Tanks, im Einsatz und führt dort Monitorings durch.

Foto: DMT

Essen.   Dem Essener Unternehmen DMT ist es gelungen, seine Bergbautradition in einen funktionierenden Ingenieursbetrieb umzumünzen: digital und global.

Dass dem Bergbau in Deutschland bald ein Ende naht, war auch dem Essener Unternehmen DMT lange bekannt. Es hat gehandelt – um zukunftsfähig zu bleiben: weg von der Monokultur Steinkohle, hin zu einer Vielzahl verschiedener Rohstoffe, dazugehörende Technik und Wissen.

Maik Tiedemann, einer von drei Geschäftsführern und Vorsitzender der DMT-Gruppe, fasst zusammen: „Wir sind sozusagen aus der Erde gekrochen und haben geguckt, wo man unser Know-how noch braucht.“ Anwenden kann und konnte die Firma DMT ihr Wissen zum Beispiel bei einer Lithium-Lagerstätte in Kanada, bei der Sicherung der Baustelle zum Wiederaufbau des Kölner Stadtarchivs, bei der Überwachung von Windkraftanlagen und beim Bau des Eurotunnels, der vermessungstechnische Hilfe brauchte. „Die Engländer und die Franzosen hätten bis zu einem Meter aneinander vorbeigebaut. Eine Katastrophe für Schienenfahrzeuge. Zum Glück haben sie uns gefragt.“

Bergbau weltweit: „Die Musik spielt im Ausland“

DMT hat dann seine Wunderwaffe „Gyromat 5000“ ausgepackt. Der Gyromat ist nicht etwa die Abkürzung für Gyros-Automat – er ist der „genaueste vollautomatische Präzisions-Vermessungskreisel der Welt“. „Entstanden ist er unter Tage“, sagt Tiedemann. „Man brauchte da unten ein Messinstrument, das ohne Sterne, Sonne, GPS und Magnetfeld funktioniert.“

Den Gyromaten haben Ingenieure entsprechend an der Pendelbewegung der Erdachse ausgerichtet. Seine Richtmessungen seien „hochgenau, 1,5 Zentimeter auf einem Kilometer“. Nicht nur der Eurotunnel hat so gerade noch einmal den Bogen gekriegt, auch am Gotthard-Basistunnel und am Brenner waren DMT mit ihrem hochgenauen Messgerät beteiligt.

Insgesamt ist das Unternehmen in über 150 Ländern tätig. Wenn man ein abgeschlossenes Projekt am Südpol mitzählt, kann man sogar sagen, DMT wirkt auf allen Kontinenten. „Die Musik spielt im Ausland“, sagt Jens-Peter Lux, ebenfalls Geschäftsführer bei DMT. „Wir haben bereits 2006 angefangen, in den weltweiten Bergbau zu gehen und eigene Standorte aufgebaut.“

Über Tage, unter Wasser: die Unterwasserdrohne

Neben dem Bergbau im Ausland liegt der Fokus der Firma inzwischen auf dem Bau von Anlagen, auf der Verfahrenstechnik, auf Bauwesen und Infrastruktur – am Bochumer Standort werden etwa die Seilverbindungen für das Riesenrad und Wahrzeichen „London Eye“ der britischen Hauptstadt geprüft – sowie auf Öl und Gas, wie derzeit im Wiener Becken in Österreich. „Da findet gerade die größte automatische Live-Messung statt, die es je gegeben hat“, so Lux. Massive Rüttel-Fahrzeuge bearbeiten eine Fläche von 1500 Quadratkilometern mit Vibrationen. Ziel ist es, das geothermische Potenzial des Gebiets zu erkunden sowie Erdgas- und Erdölvorkommen zu orten.

Doch auch die Stilllegung von Bergwerken ist für DMT inzwischen ein Geschäftsmodell. Hier kann die Firma etwa Gerätschaften wie die Unterwasserdrohne einsetzen. Wenn Schächte oder Tanks kontrolliert geflutet werden müssen, braucht es zur Überwachung ein Monitoring. Auch bei Schiffshavarien könnten Facharbeiter die Drohne nutzen, um etwa Schäden am Wrack zu untersuchen. Lux: „Der Bergbau ist und bleibt einer der wichtigsten Pfeiler, aber er dominiert nicht mehr.“

[INFOBOX]

>>>> Standorte und Forschung weltweit

Aus verschiedenen Bergbauunternehmen, deren Gründungen bis 1737 zurückgehen, entstand 1990 DMT zunächst als Forschungsinstitut. In den darauffolgenden Jahren hat die Firma viele geotechnische und Ingenieursunternehmen übernommen. Heute gehört sie zur TÜV Nord Group. Im Ruhrgebiet gibt es mit Essen, Bochum, Herne, Gelsenkirchen und Dortmund fünf Standorte.

In der Forschung von DMT finden weltweite Kooperationen statt, etwa mit dem geologischen Dienst in Dänemark, mit Instituten in England, Frankreich und auf dem Balkan. In Deutschland sind das Helmholtz- und das Fraunhofer-Institut langjährige Partner.

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