Interview

Wie sich die Jobs in der Autoindustrie in Zukunft verändern

Arndt G. Kirchhoff

Arndt G. Kirchhoff

Foto: Sebastian Konopka / FUNKE Foto Services

Essen.   Beschäftigte in der Autoindustrie müssen sich nach Einschätzung von NRW-Unternehmerpräsident Arndt G. Kirchhoff auf neue Jobs einstellen.

Als Chef eines familiengeführten Automobilzulieferers mit weltweit 11.500 Beschäftigten befasst sich der NRW-Unternehmerpräsident Arndt G. Kirchhoff von Hause aus intensiv mit dem Wandel hin zu mehr Elektromobilität. Trotz des Drucks, der auf der Branche lastet, verbreitet der Unternehmer aus Iserlohn Optimismus.

Wie wirkt sich der Wandel in der Automobilindustrie hin zu mehr Elektromobilität auf die Arbeitsplätze in der Branche aus? Gibt es mehr oder weniger Jobs?

Kirchhoff: Wenn wir in den Unternehmen keine Fehler machen, dann werden wir nicht weniger Jobs haben. Wahr ist, dass sich durch die zunehmende Digitalisierung etwa die Hälfte der Arbeitsplätze verändern wird, falsch indes die Behauptung, die Hälfte der Jobs würde wegfallen. Aussagen wie diese verunsichern die Menschen nur, die sind völlig überflüssig. Ich denke, wir brauchen künftig weniger Menschen, die Maschinen bedienen und mehr Menschen, die Maschinen entwickeln und steuern.

Wie müssen sich die Unternehmen verändern?

Kirchhoff: In der Automobilindustrie haben wir vier Zukunftsthemen: Autonomes Fahren, das uns hilft, unfallfrei zu fahren. Vernetztes Fahren, das hilft uns bei der Parkplatzsuche. Dann die Frage der Antriebsart: Da sage ich, wir können nur so viel elektrisch fahren, wie wir grünen Strom einsetzen. Und endlich das Thema Car-Sharing, das uns insbesondere in Ballungsräumen hilft. In all diesen Themen sind Hersteller und Zulieferer in Deutschland gemeinsam gut unterwegs. Ich will das verdeutlichen: Die Deutschen machen ein Prozent der Weltbevölkerung aus, stellen aber weltweit 20 Prozent aller Autos her. Deutsche besitzen mehr als 50 Prozent aller Patente bei der Elektromobilität. Ebenso beim Thema autonomes Fahren. Ein Beispiel: Norwegen ist das Land der Elektromobilität – und die Hälfte der E-Autos dort kommt aus Deutschland.

Trifft es die Zulieferer besonders hart?

Kirchhoff: Ich bin da gar nicht pessimistisch – im Gegenteil. Menschen wollen weiter individuell unterwegs sein. Also haben wir einen Markt und das ist für Unternehmen schon mal nicht schlecht. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir bei den Neuzulassungen allein in Deutschland bis 2025 auf einen Anteil von 25 Prozent bei den E-Autos kommen. Und dafür brauchen die Hersteller gute Zulieferer. Ich würde mich übrigens freuen, wenn Autos auch mal billiger würden und nicht immer nur teurer. Mobilität muss für alle günstiger werden. Und was neue Modelle angeht: Ich gehe davon aus, dass wir da in den nächsten drei Jahren ein wahres Feuerwerk bei der Elektromobilität erleben werden.

Wie verändert sich das Anforderungsprofil für die Beschäftigten?

Kirchhoff: Die Herausforderung besteht darin, die Belegschaften fortzubilden. Da sind wir uns mit den Gewerkschaften übrigens einig. Und ich bin da sehr zuversichtlich, dass wir unsere Mitarbeiter in diesem Prozess auch mitnehmen können, wenn wir ihn gut erklären und den Menschen die Angst vor Veränderung nehmen. Da hilft auch der Blick in die Vergangenheit: Technische Neuentwicklungen führen meist dazu, dass am Ende mehr Arbeitsplätze entstehen – es sind eben nur andere. Der Computer ersetzte die Schreibmaschine, also ersetzte der Programmierer die Schreibkraft.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik