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Wird Bier wegen des Klimawandels weltweit teurer?

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East Anglia   Für viele Menschen ist der Klimawandel eine abstrakte Bedrohung. Doch beim Thema Bier könnte er bald ganz praktische Folgen haben.

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Eine Studie der University of California in Irvine (USA) dürfte von Bierfreunden als Schreckensmeldung verstanden werden: Die Forscher sagen voraus, dass sich der Bierpreis weltweit verdoppeln könnte – wenn der Klimawandel ungebremst voranschreitet.

In einem Artikel für das Fachblatt „Nature Plants“ berichtet das internationale Forscherteam, dass häufige Dürreperioden zu Ernteausfällen bei Gerste führen dürften. Gerste bzw. Gerstenmalz ist neben Wasser und Hopfen eine der Zutaten für Bier nach dem deutschen Reinheitsgebot. Dazu kommt noch Hefe. Fehlt mit Gerste eine der Zutaten, lässt sich kein Bier brauen.

Im Vergleich zu anderen Klimafolgen „vielleicht trivial“

Die Forscher beschreiben, dass die Folgen des Klimawandels für Biertrinker gleich doppelt bitter sein dürften. Denn nicht nur die Preise könnten steigen, sondern auch die Nachfrage. „Es gibt definitiv eine interkulturelle Anziehungskraft von Bier, und am Ende eines zunehmend gewöhnlich heißen Tages kein kühles Bier zu bekommen, würde das Ganze noch schlimmer machen“, sagt der Studienleiter Steven Davis.

Davis gibt aber auch zu, dass Preissteigerungen bei Bier nicht mit lebensbedrohlichen Auswirkungen des Klimawandels zu vergleichen und „vielleicht trivial“ seien.

Selbst bei mäßigem Temperaturanstieg würde Bier 15 Prozent teurer

Die Forscher um Davis hatten zunächst auf Basis historischer Daten die Anfälligkeit von Gerste für Wetterextreme ermittelt. Dann prüften sie, wie häufig unter verschiedenen Klima-Zukunftszenarien gleichzeitig extreme Hitze und Dürre auftreten und wie sich das auf die Erntemengen in 34 Weltregionen auswirkt.

Sie berücksichtigen die Entwicklung zwischen 2010 und 2099. Das Resultat: Im Schnitt würden die Ernteerträge um 3 bis 17 Prozent sinken – je nach Szenario.

Unter den extremsten klimatischen Veränderungen drohten Ländern wie Belgien, Tschechien oder Deutschland Einbußen in der Verfügbarkeit von Gerste von 27 bis 38 Prozent heißt es in der Studie. Gleichzeitig würde das den Bierpreis deutlich in die Höhe treiben, nämlich durchschnittlich verdoppeln. Selbst unter einem weniger starkem Temperaturanstieg ist den Analysen zufolge mit einer Verteuerung von 15 Prozent zu rechnen.

Warum Bier beim Studium helfen könnte

Zuletzt hatte es im März dieses Jahres Berichte über steigende Bierpreise in Deutschland gegeben. Die Preise für einen Kasten Premium-Pils im Einzelhandel waren demnach seit Januar etwa um einen Euro gestiegen. Zuvor hatten viele Brauereien ihren Abgabepreis um bis zu 60 Cent angehoben. Begründet wurde die Preissteigerung zum einen mit höheren Preisen für Rohstoffe, aber auch mit gestiegenen Personalkosten in den Brauereien.

In diesem Sommer hatten deutsche Brauer dann auch noch ganz andere Probleme: Die Flaschen wurden knapp. Weil bei hohen Temperaturen viel Bier getrunken wurde, sammelte sich in Haushalten das Leergut und Brauereien hatten teilweise zu wenig eigene Flaschen, um neues Bier abzufüllen.

Studie weist Schwächen auf

Im Jahr 2011 ging etwa 17 Prozent der weltweiten Gerste-Ernte in die Bierherstellung, wobei es zwischen einzelnen Ländern extreme Schwankungen gibt. In Brasilien seien es etwa 83 Prozent, in Australien nur 9, besagt die Untersuchung.

Mit sinkender Erntemenge dürfte die Verfügbarkeit von Gerste zum Brauen überproportional sinken, schreiben die Forscher, da das Getreide aller Voraussicht nach für andere, wichtigere Zwecke genutzt werden würde, etwa als Tierfutter.

Die Forscher schränken ein, dass ihre Studie Unsicherheiten und Schwächen aufweist. So seien etwa keine denkbaren Anpassungen berücksichtigt, die die Erntemengen auch in Zeiten des Klimawandels stabilisieren könnten, wie neue Technologien oder die Nutzung angepasster Sorten.

Auch lassen die Forscher außen vor, dass sich auch andere Getreidearten zur Bierherstellung eignen – so zum Beispiel Weizen, Roggen und Hafer. Selbst aus Reis oder Mais könnte Bier hergestellt werden.

Überhaupt: Der Bierkonsum geht zurück. Für Deutschland errechneten die Wissenschaftler einen Rückgang des Konsums zwischen 0,74 und 2,55 Milliarden Litern jährlich, vom geringsten bis zum stärksten angenommenen Temperaturanstieg. Dies entspräche einem Rückgang des pro Kopf-Verbrauchs von 18 bis 63 Halbliter-Flaschen im Jahr. (dpa/ac)

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