Vergleichsplattform

Wirecard: Was der Verkauf an Santander für Anleger bedeutet

Wirecard-Untersuchungsausschuss in Berlin gestartet

Die erste Sitzung des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zum Wirecard-Skandal hat begonnen: Das Gremium mit neun Mitgliedern kam am Donnerstagnachmittag zu seinem konstituierenden Treffen in den Räumen des Bundestags in Berlin zusammen. Dabei wurde der AfD-Abgeordnete Kay Gottschalk zum Ausschussvorsitzenden gewählt.

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Berlin.  Durch den Wirecard-Skandal ist Anlegern ein Milliardenschaden entstanden. Anlegerschützer wollen nun für eine Entschädigung sorgen.

Fünf Monate liegt die spektakuläre Pleite des ehemaligen Dax-Konzerns Wirecard , der über Jahre mit Luftbuchungen seine Bilanzen frisiert haben soll, zurück. Der Schaden, der Anlegern bei dem spektakulären Börsenabsturz dabei entstanden ist, geht in die Milliarden.

Nach langen Verhandlungen konnte nun zumindest für das Kerngeschäft des insolventen Konzerns ein Käufer gefunden werden: Die spanische Großbank Santander soll mehr als 100 Millionen Euro bezahlt haben, die noch verbliebenen Mitarbeiter sollen nun Teil des Santander-Händlerservices-Teams werden, aber an ihren bisherigen Arbeitsplätzen verbleiben können.

Wirecard: Anlegerschützer planen Entschädigungsfonds

Für Anleger macht dieser Verkauf laut der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kaum einen Unterschied. „Das ist für geschädigte Anleger nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler unserer Redaktion. Auch Insolvenzverwalter Michael Jaffé stellte bereits klar, dass das Geld den Gläubigern des Konzerns zugute kommen werde.

Die Chance für Aktionäre, ihren Schaden ersetzt zu bekommen, ist gering. Im Windhundverfahren haben zahlreiche Anwälte bereits Sammelklagen gegen die Wirtschaftsberater von EY sowie gegen die handelnden Personen von Wirecard , also dem Aufsichtsrat und Vorstand, eingereicht.

Die DSW setzt auf ein anderes Prinzip. Sie will eine europaweite Vergleichsplattform einrichten. Diese soll als Stiftung zusammen mit dem Verbraucherschutzverband BetterFinance und als Non-Profit-Projekt betrieben werden. Die Idee: Europaweit könnte man sich etwa mit Ablegern von EY auf Vergleiche einigen. Die daraus erzielten Gelder fließen in den Fonds, der an Anleger ausgeschüttet wird.

DSW will das gesamte Unternehmen EY in die Verantwortung nehmen

„So können wir für Anleger mehr als über den Klageweg erreichen – insbesondere was EY angeht“, sagt Marc Tüngler. Denn bei Einzelklagen könne nur der jeweilige nationale Ableger der Wirtschaftsberatungsgesellschaft erreicht werden. „Mit einer offenen Vergleichsplattform aber kann das ganze Unternehmen EY greifbar werden, denn es geht um deren Reputation und auch Überleben“, sagte Tüngler.

Wie der mutmaßliche Betrug Wirecards überhaupt möglich werden konnte, prüft derzeit ein Untersuchungsausschuss im Bundestag. Am Donnerstag soll der frühere Wirecard-Chef Markus Braun , der sich derzeit in Untersuchungshaft befindet, dem Gremium Rede und Antwort stehen.

Ex-Wirecard-Chef Braun wieder in Untersuchungshaft
Ex-Wirecard-Chef Braun wieder in Untersuchungshaft

Braun wollte die Befragung eigentlich per Videokonferenz über sich ergehen lassen, die Bundestagsabgeordneten lehnten dies aber ab. Am Dienstagabend entschied der Bundesgerichtshof , dass Braun vor dem Untersuchungsausschuss erscheinen muss.

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