Revierkonzern

Absturz der Aktie löst bei Thyssenkrupp neue Unruhe aus

Der neue Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff

Der neue Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff

Foto: Felix Heyder

Essen.   Schon kurz nach Amtsantritt steht der neue Thyssenkrupp-Chef Kerkhoff unter Druck. Die Aktie ist abgestürzt, Anleger äußern sich kritisch.

Erst seit wenigen Wochen ist Guido Kerkhoff als Thyssenkrupp-Chef im Amt – und schon steht er schwer unter Druck. Dass Kerkhoff wenige Tage vor der Jahresbilanz einräumen muss, dass der Konzern auch seine bereits nach unten korrigierten Ziele im abgelaufenen Geschäftsjahr verfehlt, löst heftige Reaktionen aus. An der Börse hat die Thyssenkrupp-Aktie am Freitag zeitweise mehr als zwölf Prozent an Wert verloren – ein regelrechter Ausverkauf. „Ich sehe schwierige Zeiten anbrechen für Thyssenkrupp“, kommentiert Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz die Vorgänge.

„Die Tragweite der Probleme im Konzern ist überraschend“, sagt Hechtfischer. „Wir reden ja nicht nur über einen Bereich, in dem es hakt, sondern über viele Sparten.“ Die komplette Bilanz präsentiert Kerkhoff am 21. November. Aber schon jetzt ist klar, dass die Zahlen für das Geschäftsjahr 2017/18 deutlich schlechter ausfallen als ursprünglich geplant. Bereits Ende Juli – kurz nach dem Rückzug seines Vorgängers Heinrich Hiesinger – hatte Kerkhoff die Prognose nach unten geschraubt. Zu diesem Zeitpunkt standen Risiken in der Anlagenbausparte im Vordergrund. Negativ zu Buche schlugen Probleme bei einem Marineprojekt in der Türkei, einer Zementanlage in Saudi-Arabien und einem Bioheizkraftwerk in Australien.

Union Investment äußert sich kritisch

Als Gründe für die aktuelle Korrektur nennt Thyssenkrupp Risiken aus einem Kartellverfahren in der Stahlsparte sowie „Qualitätsthemen“ im Autogeschäft. Auch die erfolgsverwöhnte Aufzugsparte schwächelt. „Da kommt einiges zusammen“, sagt Hechtfischer. „Es gibt einen ganzen Sack von Problemen.“

Der Großanleger Union Investment geht hart mit dem Management ins Gericht. „Das zeigt, wie fragil das Geschäft ist und schwächt das Vertrauen in den Vorstand noch weiter, der die Probleme einfach nicht in den Griff bekommt“, urteilt Fondsmanager Ingo Speich. „Thyssenkrupp ist immer noch ein Koloss auf tönernen Füßen.“ Mit Blick auf den Absturz der Aktie sagt der Analyst Rochus Brauneiser von der Firma Kepler Capital Markets: „Die Marktreaktion zeigt: Es gibt Zweifel am Management.“ Er fügt hinzu: „Dass erneut so viele Probleme auftauchen, ist bedenklich. Es stellt sich die Frage, wohin die Reise geht.“

„Das sieht gar nicht gut aus“

Kerkhoff müsse aufräumen und für Transparenz sorgen, heißt es dagegen im Umfeld des Konzernchefs. Der Manager, der zuvor Finanzvorstand war, hatte Ende September einen Fünfjahresvertrag als Chef erhalten. Zugleich stimmte der Aufsichtsrat für eine Teilung des Konzerns in zwei Unternehmen: Thyssenkrupp Materials mit etwa 40.000 Mitarbeitern und Geschäften rund um Stahl, Werkstoffhandel und Marine – sowie Thyssenkrupp Industrials mit 90.000 Jobs und den Sparten Aufzüge, Autoteile und Anlagenbau.

„Ich kann derzeit nicht erkennen, welche Vorteile die Zweitteilung des Konzerns haben soll“, sagt dazu Thomas Hechtfischer. Mit Blick auf die Zukunft von Thyssenkrupp äußert er sich besorgt: „Schlechte Zahlen und eine unklare Perspektive – das sieht gar nicht gut aus.“ Die Hauptversammlung Anfang Februar werde für Kerkhoff schwierig. „Im Moment hat er wenig vorzuweisen, was Optimismus auslösen könnte.“

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