Logistik-Boom

Amazon, DHL & Co. bauen ein Verteilzentrum nach dem andern

Eine riesige Waren-Drehscheibe: Das Amazon-Verteilzentrum in Dortmund wird in diesem Advent zwei Jahre alt. Ein kleineres Verteilzentrum für die letzte Meile plant der Versandriese nun auch in Essen.

Eine riesige Waren-Drehscheibe: Das Amazon-Verteilzentrum in Dortmund wird in diesem Advent zwei Jahre alt. Ein kleineres Verteilzentrum für die letzte Meile plant der Versandriese nun auch in Essen.

Foto: Vladimir Wegener / funke foto services

Essen.  Um im Versand unabhängiger zu werden, bedient Amazon die letzte Meile verstärkt selbst. Auch DHL, UPS und GLS setzen auf Standorte im Ruhrgebiet.

Die immer neuen Rekorde im Onlinehandel sind im Advent noch sichtbarer ist als sonst: Lieferwagen in gelb, weiß und braun parken mit Warnblinklicht in zweiter Reihe, gehetzte Fahrer schellen mit der freien Hand an der Haustür, auf der anderen ein Turm von Paketen. Zehntausende Aushilfen benötigen allein Branchenführer Amazon in seinen Logistik- und Verteilzentren sowie die großen Paketzusteller DHL, Hermes, UPS, DPD und GLS, um die Paketflut vor Weihnachten zu bewältigen. Die Planung immer neuer Verteilzentren, wie dem von Amazon in Essen, lassen erahnen, dass der Versandhandels-Boom noch lange nicht am Ende ist.

Amazon hat erst im August nach Rheinberg und Werne sein drittes großes NRW-Logistikzentrum in Mönchengladbach eröffnet. „Für das Weihnachtsgeschäft in NRW hilft uns das neue Logistikzentrum sehr“, betonte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. Doch der weltgrößte Versandhändler öffnet darüber hinaus auch viele kleinere und mittelgroße Paket-Drehscheiben, um seine Kunden möglichst zeitnah beliefern zu können. So entsteht im Essener Norden in einem früheren Metro-Großlager ein neues Amazon-Verteilzentrum. 150 Beschäftigte sollen dort nach dem Jahreswechsel angelieferte Pakete auf die so genannte letzte Meile zum Kunden schicken. Sie planen die Routen und verteilen die Pakete auf die Fahrzeuge. Die Auslieferung selbst übernehmen „mittelständische, örtliche Kurierdienste“, wie Amazon bestätigt.

Neue Konkurrenz um die letzte Meile

Diese Paket-Verteilzentren in Großstädten gehören seit einigen Jahren zur Strategie von Amazon, auf der letzten Meile unabhängiger von den Zustell-Riesen wie DHL, Hermes und GLS zu werden. Dies vor allem, um das 2015 in den deutschen Ballungsgebieten eingeführte Versprechen einzulösen, bei rechtzeitiger Bestellung noch am selben Tag zu liefern. „Die Nachfrage der Kunden nach flexibler und schneller Lieferung wächst“, sagt eine Amazon-Sprecherin, die sich um das Geschäft auf der letzten Meile kümmert. Das sei der Grund dafür, „dass wir hierfür unsere eigenen Kapazitäten ausbauen“.

Mittelgroße Verteilzentren im Ruhrgebiet betreibt Amazon bereits in Duisburg und Bochum, nun kommt Essen hinzu. In Dortmund hat der Versandriese vor zwei Jahren eine große Warendrehscheibe mit inzwischen rund 2000 Beschäftigten eröffnet. In den Logistikzentren in Rheinberg, Werne und Mönchengladbach werden die Pakete für die Endkunden gepackt.

Neubauten von DHL, Metro und GLS

Trotz zunehmend kritischer Debatten über die Klimabilanz des Versandhandels mit seinen vielen Retouren richtet sich die gesamte Branche auf weiter wachsende Paketmengen ein. Deutschlands größter Zusteller DHL hat erst vor zwei Wochen sein neues Paketzentrum für 600 Beschäftigte auf dem früheren Opel-Gelände in Bochum in Betrieb genommen. Die Metro hat ein riesiges Lager im Chemiepark Marl mit rund 1000 Beschäftigten gebaut, der Sportartikel-Händler Decathlon eines für 700 Mitarbeiter in Dortmund. UPS hat sein Logistikzentrum in Herne deutlich ausgebaut. Und der Zustelldienst GLS baut ein Paketzentrum ebenfalls im Essener Norden. Und der Zustelldienst GLS baut ein Paketzentrum ebenfalls im Essener Norden.

Die Liste ließe sich fortsetzen. Im Kampf um die benötigten, aber längst knapp werdenden Mitarbeiter in den Logistik- und Verteilzentren sowie in der Zustellung setzen alle Branchengrößen auf Standorte im Ruhrgebiet, vor allem seinem nördlichen Teil. Hier lassen sich im Gegensatz zu den meisten anderen Regionen in NRW noch vergleichsweise viele Arbeitskräfte rekrutieren. Auch, weil die Arbeitslosigkeit im Ruhrgebiet zwar sinkt, aber nach wie vor deutlich höher ist als im Rest des Landes.

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