Thyssenkrupp

Corona-Krise: Thyssenkrupp drohen noch höhere Verluste

Die Corona-Krise trifft den Stahlkonzern Thyssenkrupp hart, hier die Anlagen im Duisburger Süden.

Die Corona-Krise trifft den Stahlkonzern Thyssenkrupp hart, hier die Anlagen im Duisburger Süden.

Foto: Hans Blossey / FFS

Essen.  Thyssenkrupp kippt seine Prognose wegen der Corona-Krise. Dabei hatte der angeschlagene Konzern ohnehin mit höheren Verlusten gerechnet.

Die Corona-Krise setzt auch dem angeschlagenen Industriekonzern Thyssenkrupp immer mehr zu: Der Essener MDax-Konzern nahm am Montagabend nach Börsenschluss seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr zurück. Was bedeutet, das der Konzern noch höhere Nettoverlusten befürchtet als im Vorjahr.

Im Geschäftsjahr 2018/19 blieb unterm Strich ein Minus von 260 Millionen Euro übrig. Wegen einer dreistelligen Millionensumme für den laufenden Sanierungsprozess hatte Thyssenkrupp ohnehin einen noch höheren Verlust in diesem Jahr angekündigt. Da diese noch im Februar bestätigte Prognose nun gekippt wurde, steht ein noch dickeres Minus zu erwarten. Aus dem operativen Geschäft hatte Thyssenkrupp einen Betriebsgewinn (bereinigtes Ebit) auf Vorjahresniveau (802 Millionen Euro) erwartet.

Adhoc-Meldung nach Börsenschluss

Die Gründe liegen auf der Hand: „Wegen der weltweiten Ausbreitung der Covid-19-Pandemie und der damit verbundenen Auswirkungen auf die Wirtschaft ist der Thyssenkrupp AG eine verlässliche Einschätzung der Geschäftsentwicklung für den Konzern im Geschäftsjahrs 2019/2020 derzeit nicht möglich“, heißt es in der Adhoc-Meldung für die Börse. Deshalb werde die Prognose nicht länger aufrecht erhalten. Zugleich versichert der Konzern: „Die Unternehmensgruppe und ihre Geschäfte reagieren gezielt auf die Krise. Im Vordergrund steht dabei die Gesundheit der Mitarbeitenden weltweit. Außerdem arbeitet das Unternehmen konsequent daran, geschäftliche Auswirkungen der Krise zu begrenzen.“

Thyssenkrupp ist nicht der erste börsennotierte Konzern, der seine Prognose wegen der Corona-Krise gekippt hat und wird auch nicht der letzte sein. Die Folgen der Pandemie lassen sich derzeit noch nicht abschätzen – nur, dass sie für viele Unternehmen verheerend sein werden. Für die Essener Industrie-Ikone kommt die absehbare Rezession aber besonders ungelegen, weil sie sich im tiefgreifendsten Umbau der Unternehmensgeschichte befindet.

Krise trifft Stahl und Automotive hart

Konzernchefin Martina Merz hat gerade erst den Verkauf der Aufzugssparte Elevator auf den Weg gebracht. Die Finanzinvestoren Advent und Cinven sowie die RAG-Stiftung wollen 17,2 Milliarden Euro für die Ertragsperle von Thyssenkrupp zahlen. Es soll der Befreiungsschlag werden, Merz will mit den Einnahmen die Schulden abbauen und die verbleibenden Sparten wieder wettbewerbsfähig machen.

Die Krise trifft nun aber ausgerechnet die wieder zum Kern des Konzern erkorene Stahlsparte hart. Europas Autoindustrie hat ihre Produktion eingestellt, damit bricht bis auf Weiteres der beste Kunde weg – auch für die Automotive-Sparte von Thyssenkrupp. Der Konzern bereitet seine Mitarbeiter deshalb auf Kurzarbeit vor.

Die Aktie von Thyssenkrupp stürzte in den vergangenen Tagen zudem deutlich heftiger ab als die anderen im Dax und MDax notierten Papiere im Durchschnitt, büßte binnen Wochen die Hälfte ihres Wertes ein. Automatische Verkäufe aus Aktienfonds wegen Unterschreitung diverser Schmerzgrenzen waren ein Grund, das noch fehlende Konzept für die Verwendung der Einnahmen aus dem Elevator-Verkauf galten Beobachtern als ein weiterer.

Gerade erst personelle Weichen gestellt

Personell hatte der Aufsichtsrat unlängst die Weichen für die Zukunft gestellt und die Interimschefin Martina Merz bis 2023 für den Vorstandsvorsitz bestellt. Finanzchef Johannes Dietsch nimmt dagegen seinen Hut und scheidet aus dem Vorstand aus. Seine Funktion übernimmt Klaus Keysberg, der im AG-Vorstand auch das Stahlgeschäft verantwortet.

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