Eon

Energiekonzern Eon hat jetzt auch eine Stiftung

Der Sitz der Eon Stiftung befindet sich seit wenigen Tagen in der Konzernzentrale in Essen.

Der Sitz der Eon Stiftung befindet sich seit wenigen Tagen in der Konzernzentrale in Essen.

Foto: Vladimir Wegener / Funke Foto Service

Essen  Deutschlands größter Energiekonzern Eon hat jetzt auch eine Stiftung. Geld soll unter anderem in Ideen zur Klimaneutralität fließen.

Der Essener Energiekonzern Eon hat nach der Übernahme der früheren RWE-Tochter Innogy jetzt auch eine Stiftung. Deutschlands größter Stromversorger will rund drei Millionen Euro jährlich in Förderprojekte stecken, unter anderem in Ideen zur Klimaneutralität. Stephan Muschick, der Geschäftsführer der Eon Stiftung, erläutert im Gespräch mit Ulf Meinke die Strategie.

Herr Muschick, die Stiftung, die Sie leiten, trug schon die Namen der Essener Energieversorger RWE und Innogy, jetzt ist es Eon. Werden Sie von Konzern zu Konzern weitergereicht?

 

Muschick: Weitergereicht ist nicht das richtige Wort. 1998 wurde die RWE Jugendstiftung gegründet – zum 100-jährigen Bestehen des Unternehmens RWE. Der Wechsel der Stiftung zur später gegründeten RWE-Tochter Innogy war die erste logische Weiterentwicklung. Innogy ist bekanntlich in Eon aufgegangen, damit stellte sich natürlich auch die Frage, was aus der Stiftung wird. Ich bin sehr glücklich darüber, dass unserer Arbeit von Anfang an bei Eon auf großes Interesse gestoßen ist und wir im neuen Konzern eine wichtige Rolle spielen werden.

Auf ewig ist Ihr Stiftungsmodell aber nicht angelegt. Als sogenannte Verbrauchsstiftung können Sie nur solange Projekte finanzieren, bis kein Geld mehr da ist. Wann ist Schluss?

Muschick: Keine Sorge, unser Kapital wird uns über einige Jahre tragen. Wir haben aktuell 45 Millionen Euro, die wir kontrolliert einsetzen. Pro Jahr werden wir rund drei Millionen Euro in Förderprojekte stecken – und nebenbei bemerkt: Wir wissen doch alle nicht, wie die Welt in zehn Jahren aussieht. Ich empfinde es nicht so, dass wir eine Stiftung auf Abruf sind.

Drei Millionen Euro – gemessen an Umsatz und Gewinn von Eon ist das wenig, oder?

Muschick: Mit drei Millionen Euro können wir viel machen auf den Feldern, die uns wichtig sind. Wir beschäftigen uns mit dem Klimawandel, der Energiewende und der Akzeptanz von Veränderungen. Denn wir sind wie Eon davon überzeugt, dass die Energiewende nur erfolgreich sein wird, wenn wir die Menschen mitnehmen.

Was heißt das denn konkret?

Muschick: Wir unterstützen beispielsweise kleinere Projekte wie eine Fahrrad-Reparaturwerkstatt, denn wir wollen Ideen zur Klimaneutralität fördern, die vor Ort, im Quartier funktionieren. Mit dem Essener Forschungsinstitut RWI – Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung werden wir jährlich erheben, wie die Menschen zur Energiewende stehen. Ergebnisse aus einer bundesweiten Forsa-Befragung wertet das RWI für uns aus – und wir bringen die Erkenntnisse in die Gesellschaft ein.

Andere Stiftungen im Ruhrgebiet wie die RAG-Stiftung und Mercator können ein Vielfaches im Vergleich zu Ihren Mitteln einsetzen. Dabei ist Eon doch Deutschlands größter Energiekonzern. Wie passt das zusammen?

Muschick: Jede Stiftung hat ihre eigene Konzeption. Ich kann nur über unser Modell sprechen: Wir sind eine gemeinnützige GmbH. Das heißt: Alles, was wir tun, ist gemeinnützig. Für setzen unsere Mittel sehr effizient ein – mit einem Team von fünf Leuten. Und wir setzen gezielt auf Kooperationen. Mit der RAG-Stiftung und der Stiftung Mercator haben wir uns zum Beispiel an einem Projekt beteiligt, mit dem Mobilitätskonzepte für das Essener Welterbe Zollverein entwickelt werden.

Ihr Stiftungsbeirat wird vom scheidenden Eon-Chef Johannes Teyssen geführt. Werden Sie durch die Unternehmensnähe auch zu einer Art Marketing-Abteilung des Konzerns?

Muschick: Nein, ganz gewiss nicht. Ja, wir sind eine Unternehmensstiftung mit einem Beirat, in dem neben externen Experten führende Persönlichkeiten von Eon vertreten sind. Diese Kompetenz hilft uns sehr. Wir haben eine gewisse Beinfreiheit, aber selbstverständlich orientieren wir uns an den Zielen, die unser Unternehmen verfolgt. Es wäre doch seltsam, wenn wir dazu auf Distanz wären.

Der Eon-Konzern gehört auch zu den Kultursponsoren in der Region. Geld ist kürzlich beispielsweise für die Ausstellung mit Werken von Keith Harring im Museum Folkwang geflossen. Planen Sie als Eon Stiftung auch Sponsoring?

Muschick: Auf keinen Fall. Sponsoring dürfen wir aufgrund unserer gemeinnützigen Ausrichtung auch gar nicht betreiben. Hier würde es um eine klar definierte Leistung und Gegenleistung gehen. So agieren wir nicht. Wir möchten aber in der Kulturszene etwas tun. Derzeit sind wir unter anderem mit dem Museum Folkwang im Gespräch, um zu erörtern, ob wir Projekte inhaltlich unterstützen können. Wir denken beispielsweise über Vorhaben nach, mit denen das Museum Folkwang einen Beitrag zur Stadtentwicklung leisten kann. Gerade in der Corona-Krise ist ja deutlich geworden, dass wir etwas für unsere Innenstädte tun müssen.

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