Streit bei Tengelmann

Erbstreit: Tengelmann-Chef bietet Schwägerin 1,1 Milliarden

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub ist verschollen. Um sein Erbe tobt ein Familienstreit.

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub ist verschollen. Um sein Erbe tobt ein Familienstreit.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Mülheim.  Tengelmann-Chef Haub bietet seiner Schwägerin 1,1 Milliarden Euro für den Firmenanteil seines verschollenen Bruders. Poker um Erbe geht weiter.

In den erbitterten Erbstreit der Tengelmann-Eigentümerfamilie Haub kommt Bewegung. Christian Haub, der Chef des Mülheimer Handelskonzern, hat der Frau seines verschollenen Bruders Karl-Erivan ein Angebot unterbreitet. Für bis zu 1,1 Milliarden Euro will Christian Haub seiner Schwägerin und deren Kindern den Unternehmensanteil von rund einem Drittel abkaufen, den sie erben werden. Das teilte Haubs Anwalt Mark Binz mit. Das „Handelsblatt“ hatte zuerst darüber berichtet.

Das Angebot bemisst sich dem Juristen zufolge an einem Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG aus der Zeit vor Corona, die den Wert der Tengelmann-Gruppe (Obi, Kik, Tedi, Babymarkt.de) auf vier Milliarden Euro geschätzt habe. Laut Binz steht den Familienstamm von Karl-Erivan Haub 70 Prozent des Verkehrswerts zu. „Das wären rund 950 Millionen Euro, zahlbar in sieben Jahresraten von 2030 bis 2037“, so der Anwalt. Haub sei „mit Rücksicht auf die familiären Beziehungen“ bereit, auf 1,1 Milliarden Euro aufzustocken.

120 Euro Erbschaftssteuer weniger

Der Rechnung zufolge, die Binz aufmacht, käme auf die Kinder Viktoria und Erivan-Karl Haub auf Basis des vorliegenden Angebots eine Erbschaftssteuer in Höhe von 330 Millionen Euro zu. Würden sie den Unternehmensanteil ihres Vaters übernehmen, wären geschätzte 450 Millionen Euro Erbschaftssteuer fällig. Ein Sprecher der Familie von Katrin Haub wollte sich nicht zu dem Angebot äußern. Binz als Anwalt der Gegenseite wirbt freilich für die Annahme des Angebots. „Zusammen mit dem geerbten Privatvermögen von weit über 400 Millionen Euro verblieben der Familie somit über eine Milliarde Euro“, erklärte Binz gegenüber unserer Redaktion.

„Die Sorge, dass eine Privatinsolvenz drohe, kann ich unter diesen Umständen nur als einen verfrühten Kölschen Faschings- oder Karnevals-Scherz auffassen, der bei der hart arbeitenden Bevölkerung, der Corona-bedingt Anfang nächsten Jahres eine Insolvenzwelle bevorstehen wird, vermutlich nur auf Kopfschütteln und Unverständnis stoßen dürfte“, sagte Binz im Hinblick auf eine in unserer Zeitung zitierten Äußerung des Sprechers der Familie von Katrin Haub.

Um eine Lösung zur Begleichung der Erbschaftssteuer ringen die beiden Familienzweige seit dem Verschwinden Karl-Erivan Haubs im April 2018. Die Zahlung wird fällig, sobald Haub für tot erklärt ist. Gegen den Willen der Ehefrau haben Christian Haub, sein Bruder Georg und die Tengelmann-Gruppe einen Antrag auf Einleitung des Verfahrens gestellt und damit den Druck in den Verhandlungen erhöht.

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