Metall-Tarifrunde

IG Metall fordert in NRW vier Prozent oder Vier-Tage-Woche

Warnstreiks könnte es auch in der nun anstehenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie wieder geben. Vor Beginn der Verhandlungen liegen die Positionen weit auseinander.

Warnstreiks könnte es auch in der nun anstehenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie wieder geben. Vor Beginn der Verhandlungen liegen die Positionen weit auseinander.

Foto: Lino Mirgeler / dpa

Essen.  IG Metall geht in NRW mit Vier-Prozent-Forderung in die Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie. Arbeitgeber sehen Arbeitsplätze gefährdet.

Tarifverhandlungen in Krisenzeiten wie diesen sind besonders schwierig, das hat unlängst die von der Corona-Pandemie geprägte Runde im Öffentlichen Dienst gezeigt. Auch in der nordrhein-westfälischen Metall- und Elektroindustrie geben sich Gewerkschaft und Arbeitgeber vor der im Advent beginnenden Tarifrunde nicht sehr friedlich: Die IG Metall geht mit einem Forderungskatalog in die Verhandlungen, der ein Plus von vier Prozent für die rund 700.000 Beschäftigten vorsieht. Das sei „fernab der Realität“ und gefährde viele Arbeitsplätze, warnt der Arbeitgeberverband. Die erste Runde findet am 16. Dezember statt.

Vier-Tage-Woche mit 32 Stunden

Tarifkommission der IG Metall beschloss am Dienstag ihre Forderungen, die weitgehend dem folgen, was die Gewerkschaftszentrale in Frankfurt vorgegeben hatte : Im Zentrum steht diesmal nicht die allgemeine Lohnerhöhung, sondern die Möglichkeit einer Vier-Tage-Woche als Alternative. Für die Reduzierung der Wochenstunden von 35 auf 32 will die IG Metall zumindest einen teilweisen Lohnausgleich herausholen, um die Einbußen für die Beschäftigten in Grenzen zu halten.

„Die gesamtwirtschaftliche Lage ist aufgrund der Corona-Pandemie äußerst angespannt. Das bedeutet einerseits, dass wir alles dafür tun müssen, um Beschäftigung zu sichern“, sagte Knut Giesler, IG-Metall-Chef in NRW. „Das heißt aber auch, dass wir dort, wo es möglich ist, über die Stärkung der Kaufkraft einen Beitrag zu Stabilisierung der Konjunktur leisten müssen.“ Demnach sollen in Betrieben, denen es trotz der Pandemie gut geht, die Löhne entsprechend steigen. Insgesamt machen Teillohnausgleich und Entgeltplus in gesunden Betrieben ein Volumen von vier Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten aus.

Kirchhoff: „IG Metall setzt Arbeitsplätze aufs Spiel“

Die Arbeitgeber reagierten gereizt. „Warum die Gewerkschaft ausgerechnet in dieser schweren Rezession Unternehmen zusätzliche Arbeitskostenbelastungen aufbürden will, ist mir schleierhaft“, sagte Arndt Kirchhoff, Präsident des Verbandes der Metall- und Elektro-Industrie NRW. Eine auch nur annähernde Umsetzung dieser Forderung werde „in Deutschlands bedeutendstem Industriezweig viele Arbeitsplätze aufs Spiel setzen“, warnte Kirchhoff, selbst Gesellschafter eines großen Automobilzulieferers.

Bundesweit arbeiten rund 3,8 Millionen Menschen in der Metall- und Elektroindustrie. Für die IG Metall geht es nach eigener Aussage vor allem um die Sicherung der Arbeitsplätze . Gewerkschaftschef Jörg Hofmann setzt dafür auf die Vier-Tage-Woche in Betrieben, denen wegen der globalen Krise Aufträge fehlen. „Mit einem gewissen Lohnausgleich für die Beschäftigten, damit es sich die Mitarbeiter leisten können“, betonte der Chef der größten deutschen Gewerkschaft.

Bisher nur wenige Jobs abgebaut

„Die IG Metall geht ein erhebliches psychologisches Wagnis ein: Wenn Unternehmen ausgerechnet jetzt Arbeitskosten-Erhöhungen befürchten müssen, dann werden sie vermehrt Arbeitsplätze auf den Prüfstand stellen“, hält NRW-Arbeitgeberpräsident Kirchhoff dagegen. Trotz der Krise sei der Beschäftigungsrückgang mit einem Minus von 2,1 Prozent bisher „ausgesprochen moderat“ ausgefallen. Es sei gelungen, insbesondere Stammbelegschaften zu halten. Das sieht er nun gefährdet.

Die IG Metall stützt sich auf Befragungen unter ihren Mitgliedern in den Betrieben. Die Ergebnisse zeigten, „dass wir in der Tarifrunde die Themen aufgreifen, die den Menschen in der aktuell schwierigen Lage wichtig sind. Dem dürfen sich auch die Arbeitgeber nicht verschließen, wenn wir gemeinsam stark aus der Krise kommen wollen“, sagte Knut Giesler.

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