Konjunktur

In Südwestfalen nimmt die Kurzarbeit zu

Der Pessimismus in der deutschen Wirtschaft nimmt immer mehr zu. Vor allem der Handelskrieg zwischen den USA und China hat das vom Ifo-Institut erhobene Geschäftsklima im August auf den tiefsten Stand seit 2012 gedrückt. Foto: Daniel Reinhardt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der Pessimismus in der deutschen Wirtschaft nimmt immer mehr zu. Vor allem der Handelskrieg zwischen den USA und China hat das vom Ifo-Institut erhobene Geschäftsklima im August auf den tiefsten Stand seit 2012 gedrückt. Foto: Daniel Reinhardt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Hagen.  Unternehmen in Südwestfalen zeigen vermehrt Kurzarbeit an. Zahlen im Raum Hagen und Ennepe-Ruhr stiegen zuletzt sprunghaft.

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Von einer Krise ist noch nicht die Rede. Dass für einige deutsche Unternehmen die grenzenlosen Boom-Jahre erst einmal vorbei sein könnten, zeichnet sich aber an rückläufiger Auftragslage seit Jahresbeginn ab. Ein Indikator: Kurzarbeit spielt zunehmend eine Rolle. Im Juli und August ist die Zahl der betroffenen Betriebe im Raum Hagen und Ennepe-Ruhr deutlich angestiegen. „Bis Ende Juni war die Entwicklung unauffällig. Im Juli gab es einen deutlichen Anstieg von ungefähr 25 Prozent“, teilt Uwe Brauer mit, der Sprecher des Arbeitsamtsbezirks Hagen, zu dem auch der südliche Ennepe-Ruhr-Kreis mit Schwelm, Gevelsberg, Ennepetal, Witten, Wetter und Herdecke gehören.

Panik ist fehl am Platze

„Die Situation ist nicht vergleichbar mit 2008/2009“, betont der Unternehmer und SIHK-Präsident Ralf Stoffels: „Es ist ein schleichender Prozess.“ Vor allem die Automotivebranche merke die anhaltenden Handelskonflikte zusätzlich zu den Unwägbarkeiten des Marktes. Setzt sich die Elektromobilität durch? Ist vielleicht doch die Brennstoffzelle das Mittel der Wahl?

„Kurzarbeit ist als Instrument für Auftragsflauten ein probates Mittel. Insbesondere in Regionen wie unserer, in denen Facharbeiter Mangelware sind“, sagt Stoffels, Chef des Unternehmens BIW Isolierstoffe, das zwar auch den Automobilbereich mit Silikonschläuchen beliefert, aber so breit aufgestellt ist, dass Kurzarbeit in Ennepetal noch kein Thema ist. BIW stellt Produkte für die Windkraftbranche ebenso her wie Dichtungen für Backöfen oder die Luftfahrtbranche. Das Problem sei, so Stoffels, dass ein drohender harter Brexit Firmen in NRW in besonderer Weise treffen werde, auch solche wie BIW. „Großbritannien ist für unsere Region ein wichtiger Markt“, erinnert Stoffels. Zudem sei ein Ende des Handelsstreits zwischen China und den USA nicht in Sicht. „Das Asiengeschäft läuft daher sehr gedämpft.“

Steigende Zahlen in ganz Südwestfalen

Sehr wahrscheinlich also, dass bis zum Jahresende weitere Unternehmen auf das Instrument Kurzarbeit zurückgreifen werden. Dies deutet sich in ganz Südwestfalen an, auch wenn die Arbeitsagenturen in Siegen, Meschede-Soest und Iserlohn noch nicht so signifikante Ausschläge melden wie Hagen. „Wir konnten im Juli einen leichten Anstieg der Anzeigen erkennen, vor allem im verarbeitenden Gewerbe“, erklärt Carina Bauer, Sprecherin der Agentur Meschede-Soest. Darunter seien auch größere Unternehmen. Eine Tendenz, die sich auch im Bezirk Siegen-Wittgenstein abzeichnet, wie Sprecherin Nina Appel auf bestätigt.

Zeit sinnvoll nutzen

Auch die Bundespolitik beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit dem Thema Kurzarbeit. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will im Herbst ein „Arbeit-für-Morgen-Gesetz“ vorlegen, bei dem es auch darum gehe, Kurzarbeit wo immer möglich mit Qualifizierung zu verbinden, um gestärkt aus einer wirtschaftlich schwierigen Situation hervorgehen zu können, so Heil am vergangenen Wochenende. Die Kasse der Bundesagentur für Arbeit, aus der Kurzarbeitergeld gezahlt wird, ist recht gut gefüllt. „Wir haben Rücklagen bei der Bundesagentur für Arbeit, falls weltwirtschaftliche Risiken uns belasten sollten“, sagte Heil mit Blick auf den Brexit und die weltweite Handelspolitik. Falls diese sich auf den deutschen Arbeitsmarkt auswirken sollten, könne die Bundesregierung „aus einer Situation der Stärke Arbeit statt Arbeitslosigkeit finanzieren“. Heil sagte weiter: Deutschland habe eine gute Lage am Arbeitsmarkt. „Trotzdem müssen wir uns jetzt vorbereiten auf den Wandel der Arbeitsgesellschaft.“ Das Thema Klimaschutz und Digitalisierung werde den Arbeitsmarkt verändern.“

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