Thyssenkrupp

Krupp-Stiftung holt ehemaligen VW-Chef Pischetsrieder

Der frühere VW-Chef Bernd Pischetsrieder

Der frühere VW-Chef Bernd Pischetsrieder

Essen.   Der frühere VW-Chef Pischetsrieder soll die Krupp-Stiftung verstärken. Das Stiftungskuratorium trägt zunehmend die Handschrift von Ursula Gather.

Die meisten Mitglieder des Krupp-Stiftungskuratoriums hat noch Berthold Beitz ausgewählt. Mit den Personalentscheidungen von Beitz, der die Stiftung von 1968 bis 2013 geführt hat, ist ein eingeschworener, recht verschwiegener Kreis entstanden. Wann sich die Kuratoriumsmitglieder in einem Nebengebäude auf dem Gelände der Essener Villa Hügel treffen, soll nach Möglichkeit geheim bleiben. Doch nach den Sitzungen gibt es gelegentlich eine knapp gehaltene Mitteilung. So auch am gestrigen Mittwoch, als Bernd Pischetsrieder berufen wurde. „Das Votum erfolgte einstimmig“, war zu lesen.

Die Stiftungsvorsitzende Ursula Gather und der frühere Chef der Autokonzerne BMW und VW kennen sich schon seit einiger Zeit. Beide sind im Aufsichtsrat des Versicherungskonzerns Münchener Rück – Pischetsrieder als Vorsitzender, Gather als einfaches Mitglied. Bei der Krupp-Stiftung sind die Rollen umgekehrt.

„Ausgeprägte Wirtschaftsexpertise“

Mit der Berufung von Pischetsrieder „komplettiert das Kuratorium seine ausgeprägte Wirtschaftsexpertise“, heißt es in einer Mitteilung der Stiftung, die größte Aktionärin des Essener Industriekonzerns Thyssenkrupp ist. In den vergangenen Monaten war Kritik an der Besetzung der Stiftungsgremien laut geworden. Nachfahren des letzten persönlichen Firmeninhabers Alfried Krupp, dessen Vermächtnis die Stiftung ist, hatten „mehr unternehmerische Kompetenz“ angemahnt.

Jahrzehntelang prägte Berthold Beitz die Stiftung und auch den Konzern. Nachdem Beitz im Juli 2013 – wenige Wochen vor seinem 100. Geburtstag – starb, wählte das Stiftungskuratorium Ursula Gather, die Rektorin der TU Dortmund, an die Spitze. Ihr Stellvertreter ist der 95-jährige Astrophysiker Reimar Lüst. Die Beitz-Tochter Susanne Henle, eine Kunsthistorikerin, und der Journalist Fritz Pleitgen sind Mitglieder, ebenso der Physiker Diethard Bergers, der Chemiker Manfred T. Reetz, der Mediziner Thomas Brandt und der Frankfurter Rechtsanwalt Kersten von Schenck, der unter anderem den früheren VW-Chef Martin Winterkorn vertreten hat.

Zunehmend trägt das Kuratorium Gathers Handschrift. Seit Ende 2014 ist Christoph M. Schmidt, der Chef des Essener Wirtschaftsforschungsinstituts RWI, dabei. Sabine Lautenschläger, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank, kam Ende 2015. Gute Tradition ist auch eine Mitgliedschaft des NRW-Ministerpräsidenten. Armin Laschet ist seit rund einem Jahr dabei.

Ämterteilung nach Tod von Beitz

Das Kuratorium spielt im Machtgefüge um den Thyssenkrupp-Konzern mit seinen mehr als 160.000 Beschäftigten eine wichtige Rolle. Neben dem Kuratorium gibt es den mit Thomas Kempf und Volker Troche besetzten Stiftungsvorstand, der für das Tagesgeschäft und die Verwaltung des Vermögens zuständig ist. Firmenpatriarch Beitz war noch Chef von Vorstand und Kuratorium in Personalunion. Seit seinem Tod sind die Aufgaben getrennt. Mit der Berufung von Pischetsrieder ist das Kuratorium nun zwölfköpfig. Eine solche Vergrößerung lasse die Stiftungssatzung zu, heißt es.

Der 70-jährige Pischetsrieder ist auch Mitglied im Aufsichtsrat des Autokonzerns Daimler, der sich wie Thyssenkrupp im Umbruch befindet. Ursula Gather hat sich klar hinter die Pläne von Vorstandschef Guido Kerkhoff gestellt, der das Unternehmen zweiteilen will. Ein Werkstoff- und ein Industriekonzern sollen entstehen. Niemand könne „eine Bestandsgarantie für ein Unternehmen in seiner jeweils aktuellen Struktur geben“, sagte Gather vor wenigen Tagen – und unterstrich damit ihre ausgeprägte Bereitschaft für Veränderungen.

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