Übernahme gescheitert

Milliardär Kretinsky will weiter bei der Metro mitmischen

Metro-Chef Olaf Koch (l.) hat die Übernahme seines Handelskonzerns durch Daniel Kretinsky abgewehrt. Der Milliardär schließt einen zweiten Versuch aber nicht aus.

Metro-Chef Olaf Koch (l.) hat die Übernahme seines Handelskonzerns durch Daniel Kretinsky abgewehrt. Der Milliardär schließt einen zweiten Versuch aber nicht aus.

Foto: Kai Kitschenberg, dpa / FUNKE Foto Services

Düsseldorf.  Der Milliardär Kretinsky hat den Übernahmekampf um die Metro verloren. Einen zweiten Versuch schließt er nicht aus. Dafür hat er Bedingungen.

Jetzt ist es amtlich: Der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky ist bei seinem Versuch gescheitert, den Handelskonzern Metro zu übernehmen. Am Freitagabend gab seine Investmentfirma EP Global Commerce (EPGC) bekannt, dass ihr rund 41,70 Prozent der Metro-Aktien angedient worden seien. Damit hat Kretinsky sein selbst gesetztes Ziel einer Annahmeschwelle von 67,5 Prozent deutlich verfehlt.

Der Machtkampf um den Handelsriesen ist entschieden. Vorerst. Denn der umtriebige Multi-Unternehmer will nicht ausschließen, dass er einen zweiten Versuch starten wird, die Regie bei der Metro zu übernehmen. Bei einer Stippvisite am Donnerstag auf dem Düsseldorfer Flughafen ließ Kretinsky keinen Zweifel daran, dass er als größter Einzelgesellschafter mit 17,5 Prozent der Aktien der Metro aktiv verbunden bleiben wolle.

Eineinhalb Jahre lang hatte sich sein Team in das Innenleben des Traditionsunternehmens vertieft, Bilanzen gewälzt und mit zahlreichen ehemaligen Mitarbeitern über die Stärken und Schwächen des Tagesgeschäfts gesprochen. Es bleibt sein Geheimnis, welche Konsequenzen er aus seiner umfassenden Analyse ziehen würde. Kein Hehl macht Kretinsky indes daraus, dass die Metro schlichtweg zu wenig Geld verdiene.

Nein zu Kretinsky- Metro will keinen neuen Schuldenberg In dem Urteil ist der Tscheche gar nicht mal so weit von Metro-Vorstandschef Olaf Koch entfernt. Mit dem Aufsichtsrat und den Großaktionären Meridian-Stiftung und Beisheim-Holding im Rücken hat er die Übernahme zunächst abgewehrt. Koch will die Metro zu einem lupenreinen Großhändler zurückverwandeln und damit an die Wurzeln des Konzerns zurückkehren. Die 770 Märkte in gut zwei Dutzend Ländern befinden sich mitten in einem tiefgreifenden Umbruch – hin zu mehr digitalen Angeboten, Service und Belieferung von Kunden aus Gastronomie und Hotellerie.

Metro-Baustellen: Real und China

Auf dem Weg zum reinen Großhändler hat Koch aber noch zwei große Felsblöcke aus dem Weg zu räumen. Da ist der laufende Verkaufsprozess seiner SB-Warenhauskette Real. Sie schreibt tiefrote Zahlen. Bis September will sich der Metro-Chef mit dem Immobilieninvestor Redos auf eine Veräußerung geeinigt haben. Im Oktober beginnt das neue Geschäftsjahr 2019/20. Dann will Koch Real aus seiner Bilanz verbannt haben.

Da ist aber auch das schwierige China-Geschäft. Das Bieterverfahren zur Suche eines strategischen Partners ist beendet. Es gab eine Reihe von Interessenten. Metro ist in China mit 11.000 Mitarbeitern vertreten, die dort zuletzt einen Umsatz von 2,7 Milliarden Euro erwirtschafteten. Doch für den Düsseldorfer Konzern ist es wie für alle Ausländer schwer, gegenüber den Platzhirschen im Reich der Mitte zu bestehen.

Kretinsky will die Metro ganz allein besitzen Kretinsky hat mehrfach betont, dass er hinter dem Verkaufsprozess für Real stehe. Den Fortgang des China-Deals beobachtet er indes mit Skepsis. Zu Aussagen von Metro-Chef Koch, er erwarte aus den Transaktionen einen Mittelzufluss von mindestens einer Milliarde Euro, sagte Kretinsky, dies habe „nichts mit dem wahren Wert des China-Geschäfts zu tun“: „Ein solcher Preis wäre fatal.“

Der Milliardär wird den weiteren Prozess intensiv beobachten – demnächst auch über ein Mitglied im Aufsichtsrat der Metro, den seine Investmentgesellschaft EPGC entsenden will. Vom Ausgang des Real-Verkaufs und der Neuaufstellung des China-Geschäfts will Kretinsky abhängig machen, ob er möglicherweise noch einmal ein Übernahmeangebot für die Metro unterbreitet. Die Option, den 15,2-Prozent-Anteil des Duisburger Familienunternehmens Haniel zu kaufen, hat der Milliardär auch weiterhin. Ob, in welcher Höhe und wann er sie zieht, lässt er offen.

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