Stahlindustrie

Nein zur Stahlehe mit Tata: Thyssenkrupp verklagt die EU

Thyssenkrupp klagt gegen die EU-Kommission, weil diese die Stahlfusion mit Tata untersagt hat. Unser Foto zeigt eine Gießwalz-Anlage in Duisburg.

Thyssenkrupp klagt gegen die EU-Kommission, weil diese die Stahlfusion mit Tata untersagt hat. Unser Foto zeigt eine Gießwalz-Anlage in Duisburg.

Foto: Fabian Strauch / Fabian Strauch / FUNKE Foto Services

Essen.  Thyssenkrupp verklagt die EU-Kommission, weil sie die Stahlfusion mit Tata untersagt hat. Der Konzern hält die Entscheidung weiterhin für falsch.

Der Essener Industriekonzern Thyssenkrupp zieht gegen die Europäische Union vor Gericht. Der scheidende Unternehmensvorstand Donatus Kaufmann kündigte am Donnerstag eine Klage gegen die von der EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager im Juni untersagte europäische Stahlfusion von Thyssenkrupp mit dem indischen Wettbewerber Tata an.

So begründet Margrethe Vestager ihr Nein zur Stahlfusion „Die Konsolidierung der europäischen Stahlindustrie ist nach wie vor richtig und notwendig, das zeigt auch die aktuell für die Stahlhersteller kritische Marktsituation“, sagte Kaufmann. „Die Überkapazitäten und der hohe Importdruck aus Asien schaffen ein Umfeld, in dem das geplante Joint Venture mit Tata Steel den Wettbewerb nicht beeinträchtigt hätte.“ Aus diesem Grund halte Thyssenkrupp die Ablehnung durch die EU-Kommission für „zu weitgehend und falsch“.

Urteil in zwei bis drei Jahren erwartet

Kaufmann rechnet damit, dass die Luxemburger Richter ein Urteil in zwei bis drei Jahren fällen werden. Das Joint Venture mit Tata hat Thyssenkrupp längst abgesagt. Auf die Klage will der Konzern im Hinblick auf mögliche andere Fusionskontrollverfahren nicht verzichten. Wie es heißt, will das Unternehmen verhindern, dass Vestagers Untersagung Rechtskraft erhält. Die EU-Wettbewerbshüter stehen hingegen zu ihrem Beschluss in Sachen Thyssenkrupp und Tata. Brüssel bleibt aber bei seiner Haltung. „Die EU-Kommission wird ihre Entscheidung vor Gericht verteidigen“, sagte eine Sprecherin.

Die Wettbewerbskommissarin hatte ihr Nein am 11. Juni damit begründet, dass ein Joint Venture zwischen Thyssenkrupp und Tata Steel bei bestimmten Stahlsorten den Wettbewerb in Europa derart einschränken würde, dass damit Preissteigerungen für Kunden und Verbraucher zu erwarten gewesen wären. Die von den beteiligten Unternehmen angebotenen Abhilfemaßnahmen hatte die Kommission als nicht ausreichend bezeichnet.

Spekulationen um Verkauf der Aufzugsparte

Die Absage aus Brüssel führte nicht nur dazu, dass der Stahlbereich, der zuletzt rote Zahlen schrieb, wieder zum Kerngeschäft des Konzerns gehört. Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff sagte in einem Atemzug auch die geplante Aufteilung des kriselnden Essener Unternehmens ab. Der Vorstandsvorsitzende plant nun einen umfassenden Umbau des Konzerns. Um Geld in die Kasse zu bekommen, will er das profitable Aufzugsgeschäft zumindest teilweise an die Börse bringen.

Thyssenkrupp-Chef Kerkhoff sucht die Flucht nach vorn Einem Bericht des „Manager Magazins“ zufolge führt Kerkhoff aktuell auch Gespräche mit Finanzinvestoren über einen Verkauf der Aufzugsparte. Investmentbanker sagten dem Blatt, für Private-Equity-Unternehmen sei das Geschäft eine einmalige Chance. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte bereits vor einigen Wochen berichtet, die Investoren KKR, CVC und Advent hätten Interesse an Thyssenkrupp Elevator. Das „Manager-Magazin“ nennt nun auch die Namen Apollo, Carlyle und EQT.

Thyssenkrupp wollte die Informationen nicht kommentieren. Vorstandschef Kerkhoff hatte in einem „Spiegel“-Interview vor einigen Tagen berichtet, dass es ein großes Interesse von Investoren gebe. Die Spekulationen über den Verkauf der Aufzugsparte verhalfen der Thyssenkrupp-Aktie am Donnerstag zu einem Kurssprung, nachdem sie in den Tagen zuvor abgestürzt war.

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