LEG-Pläne

Neue LEG-Finanzchefin: Günstiger Wohnraum ist knapp

Susanne Schröter-Crossan ist seit Juli Finanzvorstand der LEG.

Susanne Schröter-Crossan ist seit Juli Finanzvorstand der LEG.

Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Düsseldorf.  LEG Finanzchefin Susanne Schröter-Crossan erwartet wegen Corona eine höhere Nachfrage nach günstigen Wohnungen. Derweil steigen Immobilienpreise.

Seit Juli hat der größte nordrhein-westfälische Vermieter, die LEG, eine Finanzchefin. Susanne Schröter-Crossan hat ihr Vorstandsamt in turbulenten Zeiten angetreten. Der Konzern will jetzt auch außerhalb der NRW-Grenzen wachsen und gilt als Anwärter für einen Aufstieg in den Dax, sollte der Kreis der Bundesliga der börsennotierten Unternehmen auf 40 Mitglieder ausgeweitet werden. Im Gespräch mit Frank Meßing redet Schröter-Crossan über die Expansionspläne der LEG und warum Immobilien derzeit so rasant an Wert gewinnen.

Frau Schröter-Crossan, Sie sind studierte Diplom-Kauffrau und im LEG-Vorstand für die Finanzen verantwortlich. Was reizt Sie so sehr an der Welt der Zahlen?

Susanne Schröter-Crossan: Ich wollte eigentlich Journalistin werden. Dann habe ich mich aber doch für die Betriebswirtschaft entschieden. Mathematik und Zahlen haben mich schon in der Schule begeistert. Diese Leidenschaft in der Praxis anzuwenden, war für mich sehr reizvoll. Die Finanzen sind schließlich das Rückgrat eines jeden Unternehmens. Kundenorientierung ist nur dann möglich, wenn die Firma auf einem soliden finanziellen Fundament steht.

Auch benachbarte Konzerne wie Vonovia, Evonik und Ceconomy haben Finanzchefinnen. Haben Frauen eine besondere Affinität zu betriebswirtschaftlichen Themen?

Schröter-Crossan: Das glaube ich nicht. Ob Menschen Zahlen liegen, hat nichts damit zu tun, ob sie Frauen oder Männer sind.

Frauen in Vorständen von börsennotierten Unternehmen sind trotz der breiten öffentlichen Debatte immer noch selten anzutreffen. Woran liegt das?

Schröter-Crossan: Erst einmal ist es schön zu sehen, dass immer mehr Frauen in Führungspositionen kommen. Das kann sich nicht von heute auf morgen ändern. Die persönliche Kompetenz muss vorhanden sein und man muss das Interesse an der neuen Rolle mitbringen. Diese Entwicklung weiter fördern kann man sicher insbesondere dadurch, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert wird. Kinderbetreuung und Flexibilität sicherzustellen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Als Mutter von zwei Kindern kann ich das, glaube ich, sehr gut beurteilen.

Die Immobilienwirtschaft gilt noch als Männerdomäne. Haben es Frauen in Unternehmen wie der LEG schwer, anerkannt zu werden?

Schröter-Crossan: Überhaupt nicht. Ich glaube, die LEG ist da sehr gut aufgestellt, wir sind weiter als manche Wettbewerber. Mehr als 35 Prozent der Führungspositionen bei der LEG sind mit Frauen besetzt. Und zirka die Hälfte unserer mehr als 1000 Mitarbeiter in unseren operativen und zentralen Bereichen sind Frauen. Weil sich regelmäßig deutlich mehr weibliche Bewerberinnen auf unsere Ausbildungsstellen beworben haben, haben wir beispielsweise in der Vergangenheit sogar am sogenannten Boys‘ Day teilgenommen, um gezielt auch männliche Bewerber auf uns als Arbeitgeber aufmerksam zu machen.

In der Corona-Krise hat die Bedeutung von Wohnungen einen ganz neuen Stellenwert erhalten. Stehen Ihre Aktionäre hinter den Zugeständnissen, die Sie Ihren Mietern machen?

Schröter-Crossan: Ja, denn beide Seiten bedingen einander. So haben unsere Mieter ihre berechtigten Interessen, aber auch unsere Investoren, ohne deren Geld wir gar nicht arbeiten könnten. Soziale und ökologische Themen werden unseren Aktionären immer wichtiger. Unsere Aufgabe als Vorstand ist es, Kompromisse zwischen Mieterzufriedenheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit zu finden. Insbesondere in der Corona-Krise sind wir mit viel Augenmaß vorgegangen, haben unter anderem auf Mieterhöhungen verzichtet und Modernisierungsprojekte verschoben.

Wie war die Resonanz?

Schröter-Crossan: Weniger als ein Prozent unserer Mieter haben unser Angebot auf Mietstundungen und Ratenzahlungen in Anspruch genommen: ein sehr geringer Anteil, den wir auf den sorgsamen Umgang mit unseren Mietern und auf unsere unterstützende Beratung bei der Inanspruchnahme öffentlicher Hilfen zurückführen.

Wird sich die Corona-Krise negativ in Ihrer Bilanz niederschlagen?

Schröter-Crossan: Unser Geschäftsmodell ist sehr krisenresistent. Wir hatten aber dennoch für das laufende Jahr mit einem Wachstum von 2,8 Prozent bei den Mieteinnahmen geplant. Wegen der Pandemie erwarten wir jetzt ein Plus von 2,3 Prozent. Das haben wir unseren Anteilseignern erklärt. Sie verstehen den Hintergrund. Die LEG-Aktie ist weiter auf einem guten Niveau geblieben. Natürlich schauen unsere Aktionäre auf die Rendite. Sie wissen aber auch, dass wir als Immobilien-Unternehmen in dem seit Jahren anhaltenden Niedrigstzins-Umfeld eine nachhaltige und risikoarme Anlageform sind.

Dennoch steht die LEG in zunehmendem Maße im Feuer der Kritik von Mieterschützern.

Schröter-Crossan: Die LEG ist in den vergangenen Jahren sehr viel größer geworden, und wir haben uns aus Nordrhein-Westfalen heraus bewegt. Damit geraten wir natürlich auch stärker in den öffentlichen Fokus. Bei demnächst 145.000 Wohnungen gibt es immer Punkte, die nicht zu 100 Prozent funktionieren. Man kann nicht perfekt sein. Um hier aufzuklären und Gesicht zu zeigen, stehen wir im ständigen Austausch mit den Mietervereinen. Wir nehmen ihre Anregungen ernst und versuchen, uns ständig zu verbessern.

Die LEG hat ihre Immobilien zum Ende des ersten Halbjahrs neu bewertet und dabei ein Plus von 593 Millionen auf gut 13 Milliarden Euro in die Bücher geschrieben. Ist diese rasante Wertsteigerung wirklich gesund und realistisch?

Schröter-Crossan: Ja, denn ich glaube nicht, dass wir da bei unserem Bestand in eine Blase hineinlaufen. In die Bewertung unserer Immobilien fließen eine Reihe von Faktoren ein. Da ist das sehr niedrige Zinsumfeld. Da ist die hohe, strukturelle Nachfrage nach Wohnungen zu fairen Preisen, die in der Corona-Krise noch einmal angezogen hat. Mieteinnahmen sind sehr gut zu prognostizieren. Wir haben in unserem Bestand 25 Prozent öffentlich geförderte Wohnungen und liegen mit einer Durchschnittsmiete von 5,90 Euro pro Quadratmeter auf einem bezahlbaren Niveau. Dieses Segment ist besonders stark gefragt und zudem knapp.

Gilt das auch für Neubau-Wohnungen?

Schröter-Crossan: LEG-Wohnungen waren Ende 2019 mit 1353 Euro pro Quadratmeter bewertet. Vor zehn Jahren waren es 743 Euro. Neubau-Wohnungen in unserem Segment kosten zwischen 2500 und 2700 Euro – ohne Grundstückskosten. Wir erwarten daher wenig zusätzliches Angebot in unserem Segment, da Bauen teuer ist.

Durch Corona ist die wirtschaftliche Lage aber sehr fragil geworden.

Schröter-Crossan: Viele Menschen machen sich in der Tat Sorgen um ihre Zukunft. Unter anderem auch deshalb spüren wir eine hohe Nachfrage nach unseren Wohnungen in günstigeren Märkten, also an Standorten mit stabilen und höheren Renditen wie Dortmund, Krefeld oder Duisburg. Durch den Trend zum Homeoffice nehmen Arbeitnehmer inzwischen wieder längere Anfahrtswege zum Job in Kauf.

Trotz des nach wie vor hohen Preisniveaus auf dem Markt plant die LEG Zukäufe – inzwischen auch außerhalb von NRW. Überwiegt da nicht das Risiko?

Schröter-Crossan: Nein. Der Wettbewerb ist zwar groß. So haben wir uns im vergangenen Geschäftsjahr rund 100.000 Wohnungen angesehen, aber nur rund 6000 tatsächlich gekauft. Wir achten also auf eine starke Selektion und werden deshalb auch nicht überbezahlen. Unser Ziel ist es, mit Augenmaß zunächst sozusagen in einem Gürtel um NRW herum zu wachsen. Unser Ziel ist es, an jedem neuen Standort mindestens 1000 Einheiten zu haben, damit wir operative Mitarbeiter vor Ort einstellen, aber auf der Managementebene von unseren sieben Niederlassungen im Heimatmarkt NRW bewirtschaften können. Deshalb schauen wir aktuell nicht nach Südbayern oder nach Sachsen. Wir wollen zunächst unsere Plattform sukzessive ausbauen und in der Nähe von NRW bleiben. Aber auch in NRW selbst wollen wir weiter wachsen - auch mit kleinteiligeren Ankäufen.

>>> Von der Deutschen Bank zur LEG

Susanne Schröter-Crossan wurde 1979 in Kassel geboren. Sie wuchs in Fulda auf. Nach ihrem Studium arbeitete die Diplom-Kauffrau für Morgan Stanley, die Chartered Bank und zuletzt die Deutsche Bank in Hongkong, London und Frankfurt. Inzwischen ist Schröter-Crossan in Krefeld heimisch geworden.

Sollte der Dax, die Bundesliga der deutscher Börsenkonzerne, von 30 auf 40 Mitglieder wachsen, werden der LEG Chancen für einen Aufstieg eingeräumt.

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