Thyssenkrupp

Neue Thyssenkrupp-Chefin Merz: Kein Ausverkauf geplant

Martina Merz ist seit 1. Oktober Vorstandschefin von Thyssenkrupp.

Martina Merz ist seit 1. Oktober Vorstandschefin von Thyssenkrupp.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Essen.  Die neue Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz will den Konzernumbau forcieren. Wie sie in einem Brief die Mitarbeiter zu beruhigen versucht.

Die neue Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz ist bemüht, die verunsicherten Beschäftigten des kriselnden Industriekonzern zu beruhigen. In einem Brief an die Mitarbeiter betonte sie, das Essener Traditionsunternehmen nicht zerschlagen zu wollen. „Um es ganz deutlich zu sagen: Es geht darum, die Geschäfte zu stärken und uns zu verbessern. Es geht nicht um einen Ausverkauf“, heißt es in dem Brief des Konzernvorstands an die Mitarbeiter, der dieser Zeitung vorliegt.

Martina Merz ist seit Monatsbeginn Interimschefin von Thyssenkrupp. Sie hat als Aufsichtsratsvorsitzende den bisherigen Konzernlenker Guido Kerkhoff abgelöst. Sie soll nach spätestens einem Jahr den Vorstandsvorsitz räumen und wieder Chefkontrolleurin werden.

Merz plant „signifikanten Stellenabbau“

Gleich zum Amtsbeginn hat die frühere Bosch-Managerin mit den Aufräumarbeiten begonnen und die bisherigen Umbaustrategie noch einmal verschärft. So sollen für die beiden Problemsparten Anlagenbau und Autokomponenten nicht nur starke Partner gesucht werden, wie es bereits Kerkhoff angekündigt hatte. Merz will die beiden Sparten als eigenständige Geschäftsbereiche weitgehend auflösen und zentral steuern. Bis auf die Spartenchefs sollen alle Bereichsvorstände gehen und nur noch für den Übergangsprozess bleiben, kündigte der Konzernvorstand in dem Brief an. Das dürfte bei den Autokomponenten und im Anlagenbau aller Voraussicht nach Hunderte Arbeitsplätze in der Verwaltung kosten. Hinzu kommen die bekannten Pläne, konzernweit rund 6000 Stellen zu streichen, davon 4000 in Deutschland und 2000 allein im Stahl. Der Gewinngarant, die Aufzugssparte, soll mit einem teilweisen oder kompletten Verkauf zu Geld gemacht werden.

Merz stimmte die Beschäftigten in dem Vorstandsbrief daher auch eindringlich auf harte Zeiten ein. „Zur Wahrheit gehört, dass es in einigen Bereichen nicht ohne signifikanten Stellenabbau gehen wird. Uns ist klar, dass das ein tiefer Einschnitt ist, der Verunsicherung auslöst“, heißt es. Ob die bisherigen Abbaupläne weiter verschärft werden, bleibt offen.

Thyssenkrupp-Personalchef Oliver Burkhard versicherte in einer Videobotschaft: „Betriebsbedingte Kündigungen wollen wir vermeiden und nur in Ausnahmefällen zu diesem Instrument greifen müssen.“ Der Vorstand kündigte an, gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern, „angemessene Lösungen zu finden“.

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