Kontrollen

Corona: Gelockerte Regeln für Sicherheitskräfte im Handel?

Die Schlangen vor den Supermärkten, wie hier in Dortmund, wollen viele Betreiber von externen Sicherheitskräften kontrollieren lassen. Doch dafür fehlt derzeit das Personal.

Die Schlangen vor den Supermärkten, wie hier in Dortmund, wollen viele Betreiber von externen Sicherheitskräften kontrollieren lassen. Doch dafür fehlt derzeit das Personal.

Foto: Bernd Thissen / dpa

Essen.  Supermärkte wollen Zutritt kontrollieren lassen, doch es gibt keine IHK-Kurse für neue Sicherheitskräfte mehr. Pinkwart prüft Kötter-Forderung.

Das NRW-Wirtschaftsministerium erwägt, die Regeln für den Einsatz von Sicherheitskräften zu lockern, wenn sie wegen der Corona-Auflagen die Eingänge von Supermärkten oder Drogerien kontrollieren sollen. Eine entsprechende Forderung hatte der Essener Sicherheitsdienstleister Kötter gestellt, um die hohe Nachfrage bedienen zu können. Da die Handelskammern die erforderlichen 40-stündigen Unterrichtungen wegen der Ansteckungsgefahren nicht mehr durchführten, könne man kein neues Personal einstellen, hatte Kötter erklärt – und gefordert, für unkritische Bereiche wie Supermärkte diese Nachweispflicht auszusetzen.

Pinkwart verspricht „unbürokratische Lösung“

„Wir nehmen die Sorgen der Händler und Sicherheitsunternehmen sehr ernst und werden uns in Abstimmung mit anderen Ressorts um eine schnelle und unbürokratische Lösung bemühen,“, sagte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) unserer Zeitung. Der Landesregierung sei „sehr bewusst, dass der Lebensmittelhandel in der derzeitigen Situation stark gefordert ist“. Wo es nötig erscheine, werde „zum Schutz von Mitarbeitern und Kunden derzeit zusätzliches Sicherheitspersonal eingesetzt“.

Vor allem Supermärkte und Drogerien kontrollieren zunehmend ihre Eingänge, um sicherzustellen, dass nicht zu viele Kunden gleichzeitig im Geschäft sind und die Abstände eingehalten werden. Die Anfragen nach Sicherheitskräften häuften sich, doch der Arbeitsmarkt sei „absolut leergefegt“, hatte Kötter-Manager Andreas Kaus erklärt. Deshalb brauche man Ausnahmeregeln für Neueinstellungen.

Anfragen von Kliniken und Supermärkten

Das Unternehmen verzeichne aktuell verstärkte Anfragen von Krankenhäusern, Supermärkten, aber auch von Kreditinstituten oder Industrieunternehmen. „Unsere Sicherheitsmitarbeiter sollen dafür sorgen, dass etwa nur eine begrenzte Anzahl von Menschen zeitgleich Supermärkte oder Foyers von Banken und Unternehmen betritt und dass diese Besucher den notwendigen Mindestabstand zueinander einhalten“, sagte Kaus, Geschäftsführender Direktor von Kötter Security.

Weil in sicherheits­rele­van­ten Bereichen wie Kran­kenhäusern die Zutrittskontrollen weiter durch qualifizierte Kräfte erfolgen müssten, forderte Kötter Ausnahmen bei der Nachweispflicht der IHK-Unterrichtung nur für „Servicekräfte, die keine sicherheits­rele­van­ten Aufgaben über­neh­men, sondern ausschließ­lich den Zutritt zu Supermärkten und ähn­lichen unkri­ti­schen Infra­strukturen re­geln“, so Kaus. Das würde „hel­fen, notwendige Ressourcen freizu­schau­feln“.

Kötter, mit fast 19.000 Beschäftigten das nach eigenen Angaben größte familiengeführte Sicherheitsunternehmen in Deutschland, könne dann zusätzliches Personal einstellen und umgehend in besagten Bereichen einsetzen. Die Essener denken dabei vor allem an Beschäftigte aus anderen Branchen, etwa der Gastronomie oder dem Einzelhandel, die aktuell wegen der Corona-Beschränkungen ihrer Branchen keine Arbeit haben. Um sie bemühen sich derzeit auch andere Branchen, die während der Corona-Krise mehr zu tun haben, etwa Essens- und Getränke-Lieferdienste.

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