EGRR-Insolvenz

Stromversorger aus dem Ruhrgebiet wird abgewickelt

Das erst 2018 bezogene Einweihung neue Gebäude der Energiegenossenschaft Rhein-Ruhr, die nun abgewickelt wird.

Das erst 2018 bezogene Einweihung neue Gebäude der Energiegenossenschaft Rhein-Ruhr, die nun abgewickelt wird.

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Die Energiegenossenschaft Rhein-Ruhr in Dinslaken wird abgewickelt, sagt ihr Insolvenzverwalter. Warum das vor allem die Mitglieder trifft.

Für die insolvente Energiegenossenschaft Rhein-Ruhr (EGRR) gibt es keine Hoffnung mehr: Das Dinslakener Unternehmen werde abgewickelt, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Mark Steh unserer Redaktion. Man habe in den vergangenen zwei Wochen alles versucht, den Betrieb aufrecht zu erhalten, vergeblich. Zum 9. November wurde der Geschäftsbetrieb eingestellt. Der 2007 in Oberhausen gestartete Versuch, einen genossenschaftlich aufgebauten Strom- und Gasanbieter im schnelllebigen Energiehandel zu etablieren, ist gescheitert. Die EGRR hatte erst im vergangenen Jahr einen neuen Sitz in Dinslaken bezogen.

Treffen wird das vor allem die rund 4000 Mitglieder der Genossenschaft, für die es wenig Hoffnung gibt, ihre Beteiligung aus der Insolvenzmasse erstattet zu bekommen. Die beschränkte Haftung schützt sie zwar einerseits davor, Geld in die Insolvenzmasse nachschießen zu müssen. Andererseits müssen sie sich aber auch bei den Gläubigern ganz hinten anstellen. „Für die Genossen ist das besonders ärgerlich“, sagt Steh, Rechtsanwalt bei der Duisburger Kanzlei Hammes. Zwar lasse sich noch keine genaue Prognose zur Insolvenzmasse und den Forderungen der Lieferanten und Netzbetreiber abgeben, „aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Genossenschaftsmitglieder ihre Anteile ausgezahlt bekommen, ist gering.“

„In keiner Branche geht das so schnell“

Zu den Gründen der Insolvenz sagte der Duisburger Rechtsanwalt Steh lediglich, es seien Fehler gemacht worden, die zu Liquiditätsproblemen geführt hätten. Dass die Energiegenossenschaft so schnell zahlungsunfähig wurde, sei in dieser Branche aber nicht ungewöhnlich: „Ich kenne keine Branche, in der das so schnell geht. Wenn Vorauszahlungen ausbleiben und der erste Netzbetreiber oder Lieferant abspringt, spricht sich das herum und es kommt zu einem Dominoeffekt“, erläutert der Insolvenzexperte. Da die Händler in der Regel keinen eigenen Zugang zum Kunden haben, sondern lediglich Strom kaufen und verkaufen, der von anderen geliefert und transportiert werden muss, sei es oft „eine Frage von wenigen Tagen, bis die Versorgung nicht mehr möglich ist“, sagt Mark Steh.

Die EGRR hatte zuletzt bundesweit nur noch knapp 8500 Kunden, 2016 waren es noch rund 20.000. Viele waren von der Pleite ihres Versorgers überrascht, auf der Internetseite der EGRR finden sich seit Dienstag nur noch Hinweise zum Insolvenzverfahren, auch am Telefon gibt es eine Bandansage dazu. Alle Kunden würden in den kommenden Tagen schriftlich und ausführlich über die Lage informiert, kündigt Insolvenzverwalter Steh an.

Betroffene können neuen Versorger wählen

Auch darüber, dass sie zunächst in die örtliche Grundversorgung fallen. Weil das in der Regel vergleichsweise teuer ist, können die Betroffenen aber auch umgehend einen neuen Anbieter suchen. „Bitte lesen Sie aus eigenem Interesse zeitnah Ihre Zählerstände ab und übermitteln Sie diese Ihrem Netzbetreiber oder zukünftigem Lieferanten“, heißt es auf der Internetseite inso.egrr.de mit weiteren Informationen für Kunden und Mitglieder der EGRR zur Insolvenz.

Betroffen sind natürlich auch die Mitarbeiter, laut Insolvenzverwalter Steh aktuell zwölf Beschäftigte und drei Auszubildende. Sie erhalten nun bis zu drei Monate lang Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur anstatt ihres Lohns.

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