Haltbarkeitsdatum

Test bei Metro: Handy zeigt Frischegrad von Lebensmitteln an

Die Freshindex App gibt Aufschluss über den Frischegrad von Lebensmitteln.

Die Freshindex App gibt Aufschluss über den Frischegrad von Lebensmitteln.

Foto: Metro AG / Handout

Düsseldorf.  Im Kampf gegen die Verschwendung von Lebensmitteln testet die Metro in Düsseldorf das „Dynamische Haltbarkeitsdatum“. Wie die App funktioniert.

Rund 82 Kilogramm Lebensmittel pro Jahr wirft jeder Verbraucher in Deutschland in den Müll, nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. EU-weit ist der Berg jährlich weggeworfener Nahrungsmittel 143 Milliarden Euro wert. Diese Verschwendung soll ein Ende haben. In ausgewählten Metro-Großmärkten, darunter Düsseldorf, laufen gerade Tests mit dem Dynamischen Haltbarkeitsdatum (DHD). Es soll den tatsächlichen Frischezustand beschreiben und einen Beitrag gegen Verschwendung leisten.

Lebensmittel halten meist viel länger als angegeben Für die Kunden ist es ganz einfach: Sie laden sich die „Freshindex“-App auf ihr Smartphone und scannen den Barcode auf der Packung der Schnitzel, die sie kaufen wollen. In Sekundenschnelle können die Verbraucher ablesen, wie viele Tage das Fleisch noch frisch sein wird, wer es produziert hat und wie es transportiert wurde. Das aktuelle DHD soll aber auch auf digitalen Preisschildern und im Online-Shop des Marktes abzulesen sein.

„Die meisten Lebensmittel sind länger haltbar als wir glauben“

In der App stecken eine Menge Daten. Sie sammeln und verarbeiten Matthias Brunner und sein fünfköpfiges Team vom Start-up Tsenso. „Die meisten Lebensmittel sind länger haltbar als wir glauben“ heißt der Leitspruch auf der Internetseite des jungen Unternehmens. Der Düsseldorfer Handelskonzern Metro ist schon früh auf die Firma aufmerksam geworden und hat sie in ihr Start-up-Programm aufgenommen. Jetzt gibt er dem Team die Möglichkeit, die App mit dem Dynamischen Haltbarkeitsdatum in Filialen, darunter auch Düsseldorf, unter realen Bedingungen zu testen.

„Aktuell konzentrieren wir uns auf abgepacktes Schweinefleisch. Unsere Vision ist aber, Informationen über die Haltbarkeit aller frischen Produkte zu liefern“, sagt Tsenso-Geschäftsführer Brunner im Gespräch mit unserer Redaktion. „Fleisch ist im Gegensatz etwa zu Milch ein kritisches Lebensmittel.“

Die von ihm entwickelte Technologie ist das Ergebnis aufwendiger Recherchen. „In unserer App kombinieren wir Daten über die Hygiene bei der Produktion mit denen der Lagerbedingungen wie Temperatur, Feuchtigkeit und pH-Wert“, erzählt Brunner. Dabei greift er auf Labormessungen zurück, die Hersteller ohnehin regelmäßig erheben.

Metro erprobt, wie Smartphones das Einkaufen erleichtern Aus all den gesammelten Informationen errechnet die App das Dynamische Haltbarkeitsdatum. „Sie gibt Auskunft über die aktuelle Frische eines Produkts und die verbleibende Haltbarkeit“, sagt der Tsenso-Chef. Die Aussagen hält er für stichhaltig. „Die Ermittlung des DHD ist statistisch abgesichert, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Produkt zum Zeitpunkt des DHD tatsächlich eine Keimbelastung in Höhe des Grenzwerts enthält, ist unter einem Prozent“, betont er. Das Produkt sei „mit guter Wahrscheinlichkeit“ noch Tage über das Datum hinaus haltbar.

Größte Schwachstelle: Transport nach Hause

Um eine verlässliche Prognose zu erhalten, muss der Kunde im Markt aber bei der Datenbeschaffung mithelfen. Er sollte unbedingt in die App eingeben, ob er das Fleisch in einer Kühlbox oder einfach nur im Kofferraum seines Autos nach Hause transportiert. Wichtig ist auch die Dokumentation der Temperatur, auf die der heimische Kühlschrank eingestellt ist. „Ein um drei Grad wärmerer Kühlschrank reduziert die Haltbarkeit oft um zwei bis drei Tage“, weiß Brunner. „Die größte Schwachstelle in der Kühlkette ist tatsächlich der Transport aus dem Kühlregal nach Hause“, sagt er. Der ordnungsgemäße Transport unter einer Stunde sei aber unkritisch, so der Experte.

Lebensmittel halten meist viel länger als angegeben Brunner ist davon überzeugt, dass das Dynamische Haltbarkeitsdatum einen Beitrag gegen den wachsenden Berg weggeworfener Lebensmittel leisten kann. „Mit dem DHD lässt sich Fleisch im Schnitt fünf bis sieben Tage länger nutzen, als es das Mindesthaltbarkeitsdatum angibt. Bei Joghurt können es sogar Wochen oder gar Monate sein“, erklärt er. Der Handelskonzern Metro setzt hohe Erwartungen in das Projekt: „Die lückenlose Echtzeit-Überwachung der Kühlkette trägt nicht nur zur Qualitätssicherung bei, sondern auch dazu, Lebensmittelabfälle zu reduzieren“, sagt Sarah Blanchard, bei der Metro für Unternehmensverantwortung zuständig.

Über sechs Wochen wird im Düsseldorfer Großmarkt nun auch getestet, wie die App bei den Verbrauchern ankommt. „Natürlich haben wir uns im Vorfeld viele Gedanken gemacht. Aber durch den Feldtest erhoffen wir uns viele neue Erkenntnisse darüber, wie die Kundenakzeptanz ist und wie der Fresh Index von den Anwendenden verstanden und bewertet wird“, so Gunnar Stevens, Verbraucherinformatiker an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben