Gesundheit

Viactiv-Chef Reinhard Brücker lobt Spahns Kassenwahl-Gesetz

Provoziert mit seinen Plänen für sein „Faire-Kassenwahl-Gesetz“, erhält aber nicht nur Gegenwind: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Foto:Michele Tantussi

Provoziert mit seinen Plänen für sein „Faire-Kassenwahl-Gesetz“, erhält aber nicht nur Gegenwind: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Foto:Michele Tantussi

Bochum.   Der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands drittgrößter BKK (Viactiv), Reinhard Brücker, lobt die Pläne für das Kassenwahl-Gesetz von Jens Spahn.

Jens Spahn scheut Konfrontationen nicht. In seinem Amt als Bundesgesundheitsminister legt er ein hohes Tempo vor und provoziert mit mancher steilen These. Mit der geplanten Krankenkassenreform und der damit verbundenen Öffnung nahezu aller Kassen erntet der Münsterländer auf Landesebene sogar in den eigenen Reihen mächtig Gegenwind. Nach NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat zu Ostern sogar der bayerische Ministerpräsident Markus Söder Alarm geschlagen, um die Pfründe der AOK-Bayern zu schützen.

Das „Faire-Kassenwahl-Gesetz“ passt längst nicht jedem. Spahn will mehr Wettbewerb unter den Kassen und gesetzliche Regionalbegrenzungen streichen, die bisher für Allgemeine Ortskrankenkassen (AOK), bestimmte Betriebskrankenkassen und Innungskrankenkassen gelten. Dies käme aus Sicht des Ministers den Versicherten zugute. Unterstützung erfährt Spahn jetzt von Reinhard Brücker, dem Vorstandsvorsitzenden der BKK Viactiv mit Sitz in Bochum: „Der Gesetzentwurf ist gut. Spahn wagt sich darin auch an die heilige Kuh der Selbstverwaltung“, lobt Brücker ausgerechnet einen weiteren Punkt, der für kontroverse Diskussionen sorgt. Und nicht zuletzt eine Reform der Mittelverteilung käme auch der Viactiv zugute, die aktuell zu den Kassen mit den höchsten Beiträgen gehört, obwohl der Zusatzbeitrag zum 1.April gerade um 0,9 auf 1,2 Prozentpunkte reduziert worden ist. Über 700.000 Versicherte müssen also tiefer in die Tasche greifen als andere, beispielsweise bei der AOK Nordwest. Aus Brückers Sicht läuft die Verteilung der Gelder über den Risikostrukturausgleich (RSA) seit Jahren „nicht ganz sauber“.

Dieser Ausgleich ist einst erfunden worden, um zwischen Kassen mit vielen jungen und gesunden Versicherten und geringen Kosten sowie denen mit höheren Kosten etwa durch chronisch Erkrankte zu vermitteln. Dass Kassen wie die AOK Rheinland/Hamburg oder die Viactiv relativ hohe Beiträge haben, liege aber auch an der Versorgungsstruktur in den Versicherungsgebieten.

Krankenhausdichte sei zu hoch

Insbesondere die hohe Zahl an Krankenhausbetten schlage hier zu Buche. „Herne hat relativ gesehen mehr Betten als Metropolen wie Berlin“, sagt Brücker. Die Dichte im Ruhrgebiet, wo rund 400.000 Viactiv-Versicherte zuhause sind, sei schlicht zu hoch. Brücker wirbt dafür, Krankenhäuser zu schließen und stattdessen stärker auf „Medizinische Versorgungszentren“ (MVZ) zu setzen, in denen Ärzte gleicher und unterschiedlicher Fachrichtungen unter einem Dach zusammenarbeiten. Ein Ansatz, der gerade in strukturschwachen ländlichen Regionen eine Verbesserung für die Menschen sein könne.

Brücker macht sich zudem für eine Beschleunigung der Digitalisierung im Gesundheitswesen stark. „Wir brauchen die elektronische Patientenakte bis 2021. Andere Länder sind hier viel weiter.“ Bedenken wegen des Datenschutzes hält der Vorstandsvorsitzende für unbegründet. Digitale Medizin sei in vielen Bereichen ohnehin längst zum Co-Piloten des modernen Arztes geworden. „Vor allem in der Urologie stehen bereits mehr als 125 Präzisionsroboter in Deutschland zur Verfügung. Sie ersparen Kosten und Zeit“, nennt Brücker ein Beispiel für „Medizin von morgen“, wie sie sich der Viactiv-Vorstand vorstellt.

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