IHK-Chef Klaus Gräbener

„Wir hoffen, dass es sich um eine Seitwärtsbewegung handelt“

Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen, die rund 19.000 Unternehmen vertritt.  

Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen, die rund 19.000 Unternehmen vertritt.  

Foto: Rene Traut

Siegen.  Im August ist die Arbeitslosenquote in Südwestfalen erstmals seit langem gestiegen. Klaus Gräbener sagt, warum es für Krisengerede zu früh ist.

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Südwestfalen ist die drittstärkste Industrieregion Deutschlands mit zahlreichen auf dem Weltmarkt erfolgreichen Unternehmen. Die schwächelnde Wirtschaft macht sich bereits bemerkbar. Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Siegen, erklärt, wie die Situation einzuschätzen ist.

Droht ein Abschwung, oder ist er in Südwestfalen bereits da?

Klaus Gräbener Wir sind in unserer Einschätzung nach wie vor unsicher und hoffen, dass es sich um eine Seitwärtsbewegung handelt. Wir sehen allerdings in unseren Umfragen, dass die Auftragseingänge in einigen Branchen rückläufig sind.

Wen trifft es in unserer Region aktuell denn besonders?

Alle, die nah am Autobau sind, Teile des Maschinenbaus und des verarbeitenden Gewerbes. Die Unsicherheiten wie der nahende Brexit und die Handelskonflikte sind als Gründe bekannt. Andererseits gibt es auch positive Signale. Wir haben in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe immer noch eine historisch niedrige Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent. Die Beschäftigtenzahlen im verarbeitenden Gewerbe sind Stand Juni 2019 gegenüber dem Vorjahr weiter gestiegen.

Rechnen Sie denn nun mit Arbeitsplatzabbau?

Schon deswegen nicht, weil die letzte große Krise vor zehn Jahren gezeigt hat, wie wichtig es ist, Fachpersonal zu halten. Die Unternehmen in Südwestfalen wissen ganz genau, dass sie dann in die demografische Falle laufen würden.

Wie würden Sie die aktuelle Lage also einschätzen?

Mit dem Begriff Rezession wäre ich jedenfalls sehr vorsichtig. Insgesamt liegen wir bei der Umsatzentwicklung von Januar bis Juni noch bei plus 0,2 Prozent gegenüber minus 2,4 in NRW. In einigen Branchen wie dem Maschinenbau gehen die Umsätze deutlich zurück, in anderen nicht. Klar ist, dass viele Arbeitsplätze vom Weltmarkt abhängig sind, beinahe jeder zweite Job in der Industrie in Südwestfalen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ist gerade auf Mittelstandstour und heute bei zwei Unternehmen in Südwestfalen. Was sollte die Politik aus Unternehmersicht für den Standort Deutschland tun?

Die Eckpunkte seiner Mittelstandsstrategie hören sich gut an. Da sind mindestens drei, vier Punkte. Eine grundlegende Unternehmenssteuerreform und die Deckelung der Gewinne bei maximal 25 Prozent wären wichtig.

Wird das in dieser Legislaturperiode noch etwas?

Ich vermute, nein. Der Großen Koalition in Berlin fehlt es an Kraft und Gestaltungswillen in der Steuerpolitik. Es wäre schön, wenn wir uns täuschten.

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