Discounter

Zetsche wird Berater der Eigentümerfamilie von Aldi Süd

Im Februar 2018 stellte der damalige Daimler-Chef Dieter Zetsche auf der Mercatorinsel in Duisburg den neuen Sprinter vor, der in Düsseldorf gebaut wird.

Im Februar 2018 stellte der damalige Daimler-Chef Dieter Zetsche auf der Mercatorinsel in Duisburg den neuen Sprinter vor, der in Düsseldorf gebaut wird.

Foto: Fabian Strauch

Mülheim.  Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche wird Berater der der Eigentümerfamlie von Aldi Süd. Die Machtstrukturen beim Discounter bleiben geheimnisvoll.

Der Discounter Aldi Süd bekommt einen prominenten Berater: Der frühere Daimler-Chef Dieter Zetsche wird Mitglied des Beirats des Mülheimer Familienunternehmens. Das bestätigte Aldi Süd am Freitag. Zetsche ist das Ruhrgebiet vertraut: Von 2009 bis 2016 saß der Manager im Aufsichtsrat des Essener Energiekonzerns RWE. Mehrfach nahm er an Veranstaltungen des Duisburger Autoprofessors Ferdinand Dudenhöffer teil. Bei Aldi Süd soll Zetsche nun die Nachfahren des Unternehmensgründers Karl Albrecht beraten.

Auch wenn sich das Handelsimperium immer mehr öffnet – die inneren Machtstrukturen sind weitgehend Verschlusssache. So viel ist bekannt: Schon weit vor seinem Tod im Jahr 2016 hatte Karl Albrecht sein Gesamtvermögen in die Siepmann-Stiftung eingebracht. Als mutmaßlich reichster Deutscher soll der Handelspionier mehr als 18 Milliarden Euro besessen haben. Die Siepmann-Stiftung mit Sitz im bayrischen Eichenau trägt den Mädchennamen seiner Mutter Anna.

Aldi Süd gehört zwei Familienstiftungen

Die „wesentlichen Kapitalanteile an den Gesellschaften der Unternehmensgruppe Aldi Süd“, so heißt es auf der Homepage des Discounters, werden von der Siepmann- und der Carolus-Stiftung gehalten. An der Spitze der Stiftungen stehen Vertreter der Gründerfamilie. Einem Bericht des „Manager Magazins“ wird die Siepmann-Stiftung von Peter Max und Christian Heister, Söhne der Gründer-Tochter Beate Heister, geleitet.

Dem Vorstand zur Seite steht ein Beirat aus Stiftungsvertretern und externen Experten. Sie sollen „die Gesellschafterseite in wirtschaftlichen und strategischen Fragen beratend begleiten“, heißt es bei Aldi Süd. „Eigentümer und Beirat sind nicht in das Tagesgeschäft involviert. Sie tragen dafür Sorge, die Werte und Traditionen des Familienunternehmens Aldi Süd zu bewahren und die Grundlagen für eine weitere erfolgreiche Entwicklung zu schaffen.“

Diese Aufgabe kommt nun auch auf Dieter Zetsche zu. Er soll gemeinsam mit Renate Köcher vom Meinungsforschungsinstitut Allensbach, dem Wirtschaftsprüfer Jost Wiechmann und dem früheren Intersport-Chef Franz Julen dem Discounter neue Impulse geben. Die Siepmann-Stiftung ist ein erheblicher Machtfaktor. Per Satzung hatte Karl Albrecht verfügt, dass sie nicht aufgelöst werden kann. Das Konstrukt schützt den schnell wachsenden Discounter mit 1910 Filialen in Deutschland und 4400 Läden im Ausland vor möglichen Begehrlichkeiten externer Investoren.

Schutz vor externen Investoren

Sollte es irgendwann keine familiären Erben mehr geben, so hat es Albrecht verfügt, fallen das Vermögen der Siepmann-Stiftung und damit der Großteil des Aldi-Süd-Imperiums dem Vernehmen nach an die Oertl-Stiftung (Herz-und-Kreislauf-Forschung) und die Elisen-Stiftung, die kulturelle Projekte fördert. Freilich dient die Siepmann-Stiftung auch der Versorgung der Familie. Mit den Ausschüttungen aus dem Tagesgeschäft soll sie ein sorgenfreies, aber nicht ausuferndes Leben führen können.

Zetsche hatte im Mai den Vorstandsvorsitz beim Autobauer Daimler an seinen Nachfolger Ola Källenius abgegeben. Nach der vorgeschriebenen Zeit von zwei Jahren im „Abklingbecken“ soll der Pensionär im Jahr 2021 in den Daimler-Aufsichtsrat einziehen. Aber schon jetzt dürfte es Zetsche nicht langweilig werden. Der frisch berufene Aldi-Berater ist seit Mai auch Aufsichtsratsvorsitzender des Reiseveranstalters Tui.

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