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Alles im Lack: Glanzvolle Kunst erzählt Glücks-Geschichten

Für das geschnitzte Lackbild legte der Künstler im 18. Jahrhundert in China mehrere Lackschichten übereinander, polierte jede einzelne Schicht, ließ sie trocknen, bevor er am Ende daraus eine wunderschöne Landschaft schnitzte. Selbst die Gesichter der Reisbauern kann man erkennen.

Für das geschnitzte Lackbild legte der Künstler im 18. Jahrhundert in China mehrere Lackschichten übereinander, polierte jede einzelne Schicht, ließ sie trocknen, bevor er am Ende daraus eine wunderschöne Landschaft schnitzte. Selbst die Gesichter der Reisbauern kann man erkennen.

Foto: Fabian Strauch

Münster.   Von China um die ganze Welt: Das Museum für Lackkunst in Münster zeigt Glänzendes und erzählt Geschichten über das Glück aus Fernost.

Bei Lack denkt man an Kratzer im Auto oder an rote Fußnägel. Aber an einen Lackbaum? Doch ohne diese ganz besondere Pflanze stünden im Museum für Lackkunst in Münster keine schwarz-schimmernden Schränke und rot-glänzenden Kästen. Die Räume wären leer. Schon im fünften Jahrtausend vor Christus haben die Menschen in China mit einem Messer die Rinde dieses besonderen Baumes eingeritzt, um seinen Harz zu gewinnen: Lacksaft.

„Der milchig-weiße Saft ist klebrig und riecht nicht gut“, erzählt Julia Kroker, Leiterin für Marketing und Kommunikation im Museum. „Außerdem ist er giftig.“ War der Lack jedoch ausgehärtet, hatte er sein Gift verloren und schützte etwa einen Holzteller vor Feuchtigkeit. Mit schwarzen oder roten Farbpigmenten versetzt und poliert, bekam er einen schönen Glanz. Fortan wollten auch feine Herrschaften nicht auf das Leuchten verzichten.

Über einen lackierten Kleiderkasten schlängeln sich zwei Drachen mit weit aufgerissenen Mäulern. Die Schuppenleiber aus eingelegter Haifischhaut und Köpfen aus Perlmutt wirken bedrohlich, doch sollten sie dem Besitzer im 19. Jahrhundert in Korea Glück bringen. Drachen lösen Regen aus, erzählte man sich: Im Frühling stiegen sie in den Himmel empor und balgten sich um die „flammende Glücksperle“ – die Sonne. Dabei lösten sie ein Gewitter aus, das segenreichen Regen brachte.

Die Künstler streuten Goldpulver auf den Lack

Kroker kennt viele bezaubernde Geschichten, die Truhen und Teeschalen erzählen. Zugleich sind sie ein Beweis für das ausgefeilte Kunsthandwerk. Die 53 Blätter auf einer Dose für Süßigkeiten sollen diese nicht nur verschönern, sondern die Arten der Goldstreutechnik der Japaner präsentieren. „In jedem Blatt steht die jeweilige Technik in japanischen Schriftzeichen“, sagt Kroker. Die Künstler streuten zum Beispiel durch Bambusröhrchen Goldpulver in unterschiedlicher Farbe und Körnung auf den schwarzen Grund.

Basis war immer der Lack: „Er muss aushärten, mindestens 24 Stunden lang“, so die 44-Jährige. Doch ein Künstler kam selten mit einer Schicht aus. Bei 50 Lackschichten musste er somit 50 Tage Trockenzeit einplanen. „Da war aber noch nichts mit Dekor verschönert.“ Oder ein Blatt eines Baums herausgeschnitzt, wie bei der filigranen roten Schnitzlack-Arbeit aus dem China des 18. Jahrhunderts. Selbst die Gesichter der winzigen Reisbauern sind zu erkennen.

Adrette Damen auf Tabakdosen

Anfangs kopierten die Europäer asiatische Motive. Später wählten sie eigene Ansichten: Im 19. Jahrhundert verkleinerte die deutsche Manufaktur Stobwasser bekannte Werke. Auf Schnupftabakdosen waren gerne adrette Damen in Ölfarben im Miniaturformat zu sehen. Mit klarem Lack überzogen wurden auch in Frankreich ein Perückenkasten oder ein Etui für Riechsalz zu glanzvollen Schmuckstücken.

Das Museum mit 2000 Exponaten aus der ganzen Welt ist heute im Besitz des Chemiekonzerns BASF. Mittlerweile ließe sich der Lack industriell herstellen. Aber die Künstler verwenden immer noch den Lack des Baumes, wie die Menschen vor vielen Jahrhunderten. Dabei müssen die Intarsien nicht immer aus Gold oder Perlmutt sein, wie die aktuelle Ausstellung zeitgenössischer Lackkunst zeigt. Choe Youngkeun aus Korea setzte auf sein schwarzes Lackbild „Mental Image I – Delight of Samadhi*“ ein bis zwei Millimeter winzige Stücke von weißen Eierschalen.

*Samadhi: höchster Geisteszustand in fernöstlichen Religionen

>> Das liebste Ausstellungsstück

Auch die betuchten Europäer wollten, dass sich ihre Kerzenleuchter in hochglänzenden schwarzen Lackmöbeln spiegelten. Doch es gab keine luftdichten Gefäße, in denen man Lack aus Asien nach Europa hätte transportieren können. „Der Lack kam ausgehärtet als Klumpen in Europa an“, erzählt Julia Kroker. Und einmal ausgehärteter Lack kann bis heute nicht wieder verflüssigt werden. Stattdessen begann man zu experimentieren, indem man etwa Bernstein einschmolz und mit Ölen mischte, um ein ähnlich blankes Aussehen zu erzielen.

Als im Laufe der Jahre auch in Europa Lackkünstler versierter wurden, fertigte Gérard Dagly von etwa 1701 bis 1703 in der Berliner Hofwerkstatt ein Münzkabinett auf spiralförmig gewundenen Beinen an. Das wunderschöne Ausstellungsstück hat das Museum ersteigert.

Dagly lackierte die Türen, versah sie mit Beschlägen aus Messing und asiatisch anmutenden Intarsien. So umschwirren glücksbringende Vogelpaare die Chrysanthemenzweige. Das Dach der Rarität zeigt das goldene Monogramm König Friedrichs I. aus dem Hause Hohenzollern. Der erste König von Preußen konnte darin 3.498 Münzen und Medaillen aufbewahren.

>> Der Weg zum Museum für Lackkunst

Zeitgenössische Lackkunst in der Schau: „Lacquer Friends oft the World“, bis zum 24. Februar.

Windthorststr. 26, Münster, Nähe Bahnhof. Außer Mo. 12 - 18 Uhr (3 €/2 €), Di (freier Eintritt) 12 - 20 Uhr. Kinderkurse nach Anmeldung. 0251/41851-22, museum-fuer-lackkunst.de

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