Ein drei Jahre altes Auto – für manche ist das ein Grund es gegen ein neues Modell einzutauschen. Unsere Autorin sieht das aber ganz anders.

Das Schöne am Älterwerden ist, dass man wieder lernt, zu staunen und sich zu erfreuen an den Möglichkeiten der sich rasant entwickelnden modernen Technologien, die das Leben einfacher machen. Und ich meine damit noch nicht mal sowas wie das derzeit heiß diskutierte und hoch gehandelte Programm ChatGPT, das in der Lage ist, quasi selbstständig Examensarbeiten zu schreiben (und sogar auch gute, wie ihm Experten bescheinigen), ohne dass es noch des geistigen Einsatzes eines Studierenden bedarf – was natürlich ebenso faszinierend wie verboten ist.

Mir reicht schon ein vergleichsweise neuer Wagen, um mich zu fühlen wie in dem alten Werbespruch „Technik, die begeistert“. Wir haben uns vor zwei Jahren ein solches Automobil zugelegt, einen jungen Gebrauchten, damals ein Jahr alt. Wenn Sie jetzt müde darüber lächeln, dass sich Menschen in einem mittlerweile drei Jahre alten Auto auf der Höhe der Zeit wähnen, während andere eine solche „alte Möhre“ längst schon wieder durch ein aktuelleres Modell ersetzt haben, dann hier zu Ihrer Hintergrundinformation: Wir haben den jungen Neuen damals gegen unseren 17 Jahre alten Nissan eingetauscht. Noch Fragen?

Ein VW Käfer stand am Beginn der Karriere als Fahrerin

Nennen Sie uns also rückständig, altmodisch oder auch gerne „oldschool“, ich bin jedenfalls täglich aufs Neue beglückt über so viel neuzeitlichen Komfort, der mit so einem bürokratischen Begriff wie „Assistenzsysteme“ kein bisschen angemessen gewürdigt wird: Man muss seine Halswirbel nicht mehr in orthopädisch riskante Positionen bringen, um rückwärts aus einer Parklücke zu fahren, sondern blickt ganz lässig nach vorn in sein schickes Display, weil das Umschauen Kameras für einen erledigen. Und weil fortschrittliche Technologien offenbar berechtigte Zweifel an der menschlichen Perfektion haben, warnen sie einen zusätzlich noch durch aufmerksamkeitsheischende Töne (ganz nebenbei: aus alter Gewohnheit gucke ich vorsichtshalber zusätzlich trotzdem noch nach hinten). Die kalten Hände kann man am beheizbaren Lenkrad wärmen, und der Wagen warnt einen, wenn die Temperaturen im Winter draußen kritische Werte erreichen. Er meldet sich, wenn der Druck in den Reifen schwindet und hat einen präzisen Überblick darüber, wann sein nächster Check-up fällig ist. Womöglich könnte er sich sogar meine ärztlichen Check-up-Termine auch noch mitmerken, wenn ich es drauf anlegen würde, aber das habe ich noch nicht ausprobiert.

Sie sollten dazu vielleicht auch noch wissen: Ich habe meine fahrerische Karriere seinerzeit in dem damals auch schon nicht mehr ganz neuen VW Käfer meines Vaters begonnen und darin auch noch eine Zeit lang erfolgreich und unfallfrei fortgesetzt. Ein großartiges Gefährt, mehr noch, ein treuer Gefährte, der sich durch Zuverlässigkeit und Unverwüstlichkeit auszeichnete, allerdings den minimalen Nachteil hatte, dass man bei feuchter Witterung zwingend einen großen, saugstarken Lappen dabeihaben musste – um damit während der Fahrt alle 30 Sekunden die beschlagenen Scheiben freizuwischen. Die volle Funktionstüchtigkeit von Lüftung und Heizung setzte immer erst dann ein, wenn man sein Ziel gerade erreicht hatte. Da fahren wir doch heute in anderen Dimensionen des Fortschritts herum. In ganz anderen. Ich glaube nämlich eine Entdeckung gemacht zu haben: Mein Auto kann Empathie empfinden. Es gibt Indizien. Ich werde dazu in der nächsten Woche berichten ...