Essen. Unser Autor hat es endlich gewagt und sich gezwungen, ein Faultier zu sein. Warum das alle Eltern mal tun sollten.

Ich habe es tatsächlich gewagt. Nach neun Jahren und fünf Monaten! Seit der Geburt meines Sohnes! Ich habe mir einen freien Tag genommen – nicht etwa, um die Steuererklärung zu machen, um Handwerker im Haus zu beaufsichtigen, um Arzt- oder Amtstermine abzuhaken oder irgendwelche lästigen Pflichten zu erfüllen, für die nach Arbeit und Familienorganisation oft keine Zeit ist. Nein, ich habe mir freigenommen, um zu gammeln, um einfach nur wie ein fauler Kerl herumzuhängen.

Ich habe mich gefühlt, wie mein 14-jähriges Ich an einem Sonntagmorgen, zumindest nachdem ich die Kinder in die Schule gebracht hatte. Mit einem dicken Pott Kräutertee (mit zu viel Honig) bin ich wieder ins Bett gegangen, habe die portable Spielkonsole meines Bruders angeworfen und habe mich keinen Zentimeter mehr bewegt. Bis ich heiß duschen gegangen bin. Um dann wieder ins Bett zu gehen. Und das Universum meinte wirklich gut mit mir, da André 3000 vom Hip-Hop-Duo OutKast, einer der Lieblingsmusiker meines 14-jährigen Ichs, just sein erstes Album seit über einem Jahrzehnt herausbrachte – kein Rap-, sondern ein hypnotisierendes Flöten-Album, ohne ein lästiges gesungenes Wort!

Geschichten aus der Familienbande: WAZ-Kolumnist Gordon Wüllner-Adomako erzählt seit 2014 von seinem Leben als zweifacher Vater und Ehemann.  <p/>
Geschichten aus der Familienbande: WAZ-Kolumnist Gordon Wüllner-Adomako erzählt seit 2014 von seinem Leben als zweifacher Vater und Ehemann. 

© Funke Grafik NRW | Catharina Maria Buchholz

Aber auch die Kinder müssen irgendwann von der Schule abgeholt werden. Zum Glück war es ein Freitag, an dem die beiden, erschöpft von der Woche, ohnehin dem Digitalen frönen dürfen. Also konnte ich weiter das Faultier spielen. Und zwang mich wirklich dazu, neben dem einmaligen Ausräumen der Spülmaschine, keinen einzigen Handgriff im Haushalt zu machen. Wen juckt schon eine unaufgeräumte Umgebung, wenn man sich mit Flötenmusik und Kräutertee in völlig ferne Sphären teleportiert hat? Und auch die nächsten drei, vier, fünf Tage war ich von diesem Dauerdurchhängen noch so beflügelt, dass mir der Alltagsstress nichts mehr anhaben konnte. Fazit: Unbedingt wiederholenswert. Vielleicht ja auch noch vor dem 18. Geburtstag meines Sohnes.

Geschichten aus der Familienbande: WAZ-Redakteur Gordon Wüllner-Adomako ist 2014 mit Anfang 20 Vater geworden. Seitdem erzählt der Essener in seiner Kolumne – immer mit einem Augenzwinkern – von dem chaotischen Leben mit seiner Familie.