Das besondere Museum

Der Tuppenhof in Kaarst: So lebten einst die Bauern

Die Gebäude, die zum Tuppenhof gehören, sind nicht zur gleichen Zeit entstanden und waren auch nicht immer miteinander verbunden, wie der Wechsel von Fachwerk und Backstein zeigt.

Die Gebäude, die zum Tuppenhof gehören, sind nicht zur gleichen Zeit entstanden und waren auch nicht immer miteinander verbunden, wie der Wechsel von Fachwerk und Backstein zeigt.

Foto: Klaus Stevens

Kaarst.   Wie sah der Tag eines Bauern früher aus, wenn das Feld bestellt war? Das zeigt der Tuppenhof in Kaarst. Sowie eine Sonderausstellung über Zucker.

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Es gab Abrisspläne und die Idee für eine Disco. Das kann doch nicht wahr sein, dachten sich die Nachbarn des Tuppenhofs – und gründeten einen Förderverein. Das klingt einfach, war es aber nicht. Geld musste locker gemacht, das alte Gemäuer in Kaarst restauriert werden. Wenn der ehrenamtliche Geschäftsführer Jürgen Rau (69) heute alte Bilder sieht, sagt er lachend: „Man muss schon etwas bekloppt gewesen sein, um das hier wieder auf Vordermann zu bringen.“

Aber es hat sich gelohnt. Seit 20 Jahren ist der alte Hof, den die Familie Schmitz bis in die 1970er betrieb, ein Museum für bäuerliches Leben. Dabei versuchte man nicht, den rund 300 Jahre alten Hof in einen früheren Zustand zurückzuversetzen. Der Wandel sollte sichtbar sein, betont Richard Borgmann (74), der früher beim Denkmalschutz gearbeitet hat. Anfangs war das Gebäude noch kein Vierkanthof. Wohnhaus, Stall, Scheune und Torhaus wurden erst später mit weiteren Gebäudeteilen verbunden, wie man an dem Wechsel zwischen Fachwerk und Backstein erkennt. Zu dem Hof gehört auch ein schöner Bauerngarten mit Hühnern und Eibenallee. Bei gutem Wetter geben sich dort Paare vor dem Standesbeamten das Ja-Wort.

Waschen mit der Hand

Auch wenn Zinkteller in der guten Stube den persönlichen Reichtum zeigen sollten: Das Leben der Landwirte spielte sich in der Küche ab, wo gekocht wurde oder die Kurbel gedreht, um mit der Maschine die Bohnen zu schnippeln. Nebenan in der Kammer steht ein Bett, so klein, dass heute kaum ein Mensch drin liegen mag. Davor: eine Aussteuertruhe. Viele Ausstellungsstücke stammen vom Hof, aber nicht alle. So wurde die Waschküche neu eingerichtet, um mit Wanne und Waschbrett sowie Gefäßen für Seife, Soda und Sand zu zeigen, dass Waschen früher eine tagesfüllende Aufgabe war.

Im Schweinfuttertrog entdeckten die Ehrenamtler schließlich einen Glücksfund: ein Archiv. „1500 Dokumente, die die Hofgeschichte seit 1680 belegen“, so Rau. Vermutlich wurden die Unterlagen zuvor unter dem Dach aufbewahrt, bevor das erneuert wurde. In einem Adelssitz waren solche Geschichtsschreibungen üblich, aber auf einem Bauernhof? „Das ist selten“, sagt Borgmann. Auf dem Hof hat jedoch mal der Ortsvorsteher gewohnt, der nicht nur Steuern eintrieb, sondern auch alles notierte.

In der Nähe des Hofes hat man zudem Scherben der Römer gefunden. Ob an der Stelle des Tuppenhofs mal eine „villa rustica“, ein römisches Landhaus, gestanden hat? Könnte sein. Behauptet wird das aber nicht einfach. Die über 40 „Tuppis“, wie sich die Ehrenamtlichen nennen, möchten keinen „betuppen“. Woher der Name „Tuppenhof“ allerdings kommt, das bleibt bis auf Weiteres reine Spekulation.

Eine süße Sonderausstellung über Zucker

In der ehemaligen Scheune ist noch bis zum 11. August eine Sonderausstellung zu sehen: „Zucker Rüben Land – Zuckersüßes Leben im Rheinland“. Dort wird nicht nur der Siegeszug der Zuckerrübe vermittelt. Auch wie sich unsere Speisen und das Leben bis heute durch die Süße verändert haben.

Ein Ausstellungsstück in der Scheune gehört jedoch nicht zur Zucker-Schau. Aber es war ebenfalls nützlich, wenn man früher Kuchen backen wollte. Es sieht aus wie ein riesiges Hamsterrad. Doch statt eines Nagers ist dort ein Hund im Kreis gelaufen und hat das Gerät so in Gang gesetzt. Borgmann stellt es vor: „Eine Butterstampfmaschine.“

>> DAS LIEBSTE AUSSTELLUNGSSTÜCK

Ein Skelett einer Kuh ist das liebste Ausstellungsstück in einem Bauernmuseum? Das mag verwundern. Aber diese alten Knochen erzählen ihre eigene Geschichte, die mit der Frage beginnt: Warum hat der Bauer die Kuh vergraben?

Als das Museum hergerichtet wurde, hat man das Skelett gefunden – im ehemaligen Kuhstall unter der Erde. Aber es muss da schon gelegen haben, als an dieser Stelle noch ein freies Feld war. Die Ehrenamtler ließen einen Knochen untersuchen: Das Rind hat in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gelebt. Das ganze Skelett ist erhalten, der Kopf mit den Zähnen, das Rückgrat. Man fand auch Kalkreste. Vermutlich wollte der Bauer das tote Tier desinfizieren, weil es krank war. „Bevor man das offiziell melden muss und der ganze Hof gefährdet ist, hat man die Kuh womöglich so beseitigt“, sagt Richard Borgmann. Dazu passt eine Schrift aus dem Hof-Archiv, in der der Ortsvorsteher 1774 vor einer Viehseuche warnt: An Milzbrand erkrankte Tierherden habe man in der Nähe übers Land getrieben.

>> DER WEG ZUM TUPPENHOF

Tuppenhof, Rottes 27, Kaarst. April bis 31. Oktober: Sa. 14 - 18 Uhr, So., 11 - 18 Uhr. Eintritt frei, Spenden willkommen. Führungen auf Anfrage. Bibliothek zur regionalen Geschichte. Nicht barrierefrei. Das Museum ist auch Begegnungsstätte mit Café. Es gibt verschiedene Veranstaltungen: tuppenhof.de

Und wie leben und arbeiten die Landwirte heute?

Schweinebauer in Essen züchtet spanische Rasse: Ibérico

Bio-Gärtner und -Bauernhof in Essen, auf dem Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten.

Oder:

Bio-Betrieb im Windrather Tal, wo man wunderbar wandern kann.

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