Museen

Dick und Doof im Bauernhof – Museum widmet sich Stan & Ollie

In seinem Element: Museumsleiter Wolfgang Günther hat einen kleinen Kinosaal eingerichtet.

In seinem Element: Museumsleiter Wolfgang Günther hat einen kleinen Kinosaal eingerichtet.

Foto: Morris Willner

Solingen.   Stan Laurel und Oliver Hardy kamen nie bis Solingen, trotzdem gibt’s dort ein Museum für Dick & Doof mit Filmen und Erinnerungen an die Komiker.

Sie waren: Wüstensöhne, Sittenstrolche, Klotzköpfe und Teufelsbrüder; Fremdenlegionäre, Salontiroler, Leichtmatrosen und Schwerenöter. Und dies zeigt nur ein kurzer Blick auf die 106 Filme, die sie zusammen gedreht haben. Sie waren: „Dick und Doof“.

Stan Laurel und Oliver Hardy sind trotz ihres Weltruhms nie bis Solingen gekommen. Dennoch: „Solingen ist das Zentrum der deutschen Laurel- und Hardy-Bewegung“, sagt Wolfgang Günther (74). Dass er weiß, wovon er redet, erkennt man nicht erst an der schwarzen Melone auf seinem Kopf… Seine Sammlung füllt mehr als den alten Kotten, ein Bauernhof-Gebäude in Solingen-Wald, der bis zur Decke überquillt vor Plakaten, Filmen, Figuren, Masken, Hüten, Büsten, einem Flipper-Automaten und allem Erdenklichen, was im Laufe der Jahrzehnte mit dem Konterfei des berühmtesten Komikerduos der Welt geadelt wurde. Wie viele Stücke sind’s, Herr Günther? „Ich sag immer: Ich schließe dich mal ne Woche hier ein, dann kannst du zählen!“

„Dick und Doof“ in Solingen: Heißt so wohl eine Studie zu Bildungsmangel und Fettleibigkeit im Bergischen Land? Nein, so heißt eine Liebesgeschichte, die für Wolfgang Günther ihren Anfang schon in der Kindheit hatte. Damals nahm Vater Günther seinen Sohn mit ins Kino. „Da waren die Dick-und-Doof-Filme entweder als Haupt- oder als Vorfilm zu sehen. Das hat mich geprägt.“

Und außer ihm Millionen Deutsche. Nach dem Zweiten Weltkrieg lachten sie sich im Kino schlapp, in den 70er-Jahren im freitäglichen ZDF-Vorabendprogramm. Aber: „Die haben die Filme zerschnitten und zerschnibbelt – das hat mich bös geärgert.“ Trotzdem kein Grund für Günther, eine verärgerte Schnute zu ziehen, wie Oliver Hardy es früher tat, wenn Stan Mist gebaut hatte und sich blöd grinsend am Kopf kratzte. Dass der legendäre Hanns Dieter Hüsch seinerzeit die Texte zur Fernseh-Version sprach, ist vielen ebenso im Gedächtnis geblieben. „Hüsch hat mir später erzählt, er hätte Hunderte von Stunden im Studio die Texte eingesprochen“, so Günther.

Dick & Doof Filme im Original

Die ungeschnittenen Filme sammelte der Solinger, nachdem er die Holländerin Vera kennen- und liebengelernt hatte, in den späten 70er- und frühen 80er-Jahren an den Wochenenden in Amsterdam. Auf dem Flohmarkt Waterlooplein gab’s die Piccolo-Filme noch im Original. „Für mich eine Offenbarung.“

Die Sammlung wuchs, aus der Wohnung der Günthers wurde ein Schrein für Stan und Ollie, seit Mitte der 80er-Jahre auch für Besucher zu besichtigen. Und 2003 zog man in den Walder Kotten, eröffnet von Schauspielerin Jean Darling, die mit den Kleinen Strolchen vor der Kamera gestanden hat.

Die beiden Räume in Solingen strahlen rührenden Stummfilm-Charme aus bis hin zur Möblierung. Ein bisschen gute alte Zeit eben. Was Günther zu bedienen weiß. Er besucht mit seinen Filmen auch Seniorenheime, die Streifen wecken bei vielen Jugenderinnerungen. „Letztens traf ich eine Dame im Rollstuhl. Die saß reglos dabei. Aber am Ende sieht die mich an und sagt: ,Ha, dat war schön. Ich bin jetzt 90, aber ich sterb‘ noch nicht. Ich warte, bis sie mal wiederkommen.‘“

Laurel war ein kreatives Genie

Jedes Jahr kommen gut 1500 Besucher ins kleine Museum, das nur am jeweils letzten Wochenende im Monat geöffnet hat. Und wenn man Zeit mitgebracht hat, dann sprudeln die Anekdoten aus Günther heraus. Dann erfährt man, dass Stan Laurel als Zweitbesetzung von Charlie Chaplin in die USA kam. Und später im Film als Fremdenlegionär nicht nur das Durchzählen der Truppe vermasselte, sondern auf die Frage „What’s your number?“ antwortete: „0614.“ Zufällig seine private Telefonnummer! Man erfährt, dass Laurel trotz mangelnder Schulbildung das kreative Genie war, während Hardy sich als Schauspieler sah – und sich sonst seinem überragenden Golf-Handicap widmete.

Bald, so freut sich Günther, gibt es einen neuen Film mit den beiden – jedenfalls fast, schließlich sind Laurel und Hardy schon ein Weilchen tot. Aber mit „Stan & Ollie“ kommt am 9. Mai ein Spielfilm über das Duo ins Kino, gespielt von Steve Coogan und John C. Reilly. Dabei geht’s um ihre Bühnen-Tourneen durch England. Wenn Wolfgang Günther Glück hat, gibt’s eine Sonderaufführung auch im Museum – leider mit Ton und in Farbe.

>> DAS LIEBSTE AUSSTELLUNGSSTÜCK

Wir wissen nicht, wofür Stan Laurel den Scheck in Höhe von 30 Dollar und zehn Cent am 8. Juni 1932 bei der California Bank in Beverly Hills ausstellte. Aber wir wissen, weshalb das gute Stück in Solingen landete: Stans Tochter Lois Laurel-Hawes hat das entwertete Papier dem Sammler Wolfgang Günther zur Verfügung gestellt. „Vielleicht hat er ja etwas für seinen 42. Geburtstag bezahlt, der war ja eine Woche später“, vermutet der Museumsleiter. Er hat auch andere Belege von Laurel, etwa eine Bescheinigung über Alimente an eine von Laurels fünf Ehefrauen in Höhe von 125 Dollar – ein Betrag, der wöchentlich zu zahlen war. Beides trägt die Unterschrift von Laurel – was eine recht ungewöhnliche, aber immerhin originelle Methode ist, ans Autogramm eines Weltstars zu kommen.

Laurel & Hardy Museum, Locher Str. 17, Solingen. Geöffnet: 30.3.2019: 12-17 Uhr, 31.3. 11-17 Uhr. Gruppen: Tel: 0212-816109.

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