Mühlentag

Steprather Mühle ist wohl älteste funktionierende Windmühle

Die Steprather Mühle: Der Wind kommt aus der falschen Richtung, die Flügel stehen still.

Die Steprather Mühle: Der Wind kommt aus der falschen Richtung, die Flügel stehen still.

Foto: Fabian Strauch

Geldern.   Die Steprather Mühle in Geldern-Walbeck ist die älteste voll funktionierende Windmühle Deutschlands. Darum lohnt sich ein Besuch:

Nur wenige Stunden später und nur wenige Kilometer entfernt, fegt am letzten Mittwoch ein Tornado über Viersen. Doch in Geldern-Walbeck stehen die Flügel still. Die älteste voll funktionierende Windmühle Deutschlands dreht sich nur, wenn Wind weht – direkt in die Flügel-Segel. Aber die sind an diesem Tag nicht gehisst. Das Lüftchen kommt aus der falschen Richtung.

Um die 14 Meter langen Flügel fliegen zu lassen, müsste man sie auf die Rückseite der Steprather Mühle schieben, wo der Wind von vorne käme. „Wenn ich eine Führung habe, mache ich das nicht. Da stehe ich im Wasser“, sagt Ludger Kersten lachend. „Das ist schwere körperliche Arbeit“, so der 70-Jährige, der mal Banker war und im Ruhestand etwas komplett anderes machen wollte: das Mahlen von Mehl in der Mühle.

Mit der Kraft des Windes

Ein professioneller Müller ist er zwar nicht geworden, aber Vorsitzender des Fördervereins zum Erhalt des Denkmals, das auch Pfingstmontag am 25. Deutschen Mühlentag zu bewundern ist. Schon im
15. Jahrhundert brachte der Bauer sein Korn auf einem Pferdekarren zur Turmwindmühle, fuhr durch das Tor im Keller, um von dort die Säcke hochziehen zu lassen. „Zehn, fünfzehn Minuten dauerte das Mahlen eines 25-Kilogramm-Sacks – bei gutem Wind“, sagt Kersten. „Das war die Gelegenheit für Bauer und Müller, ein Schnäpschen zu trinken.“

Das klingt geruhsam. Doch das ist so ein Müller-Tag mitnichten. Obwohl die Kraft des Windes die Schwerstarbeit leistet. Sie bewegt riesige miteinander verzahnte Räder. So wird die Energie übertragen, von Etage zu Etage hinab, bis auf den so genannten Steinboden, wo sich über einen 1200 Kilogramm schweren Bodenstein ein 1500 Kilogramm schwerer Läuferstein dreht und das Korn mahlt.

Noch eine steile Treppe tiefer, im Erdgeschoss, ist der eigentliche Arbeitsplatz des Müllers. Kersten zieht an einem Seil, das wiederum einen Hebel bewegt. So steuert der Müller den Abstand zwischen den Steinen. Wird der Wind stärker, drehen sich auch die Flügel schneller und das wirkt sich schließlich auf die Geschwindigkeit des Mühlsteins aus – 60 bis 120 Umdrehungen pro Minute. Der Müller verringert oder vergrößert den Abstand zwischen den Steinen, damit das Mehl immer gleich fein über die Rutsche im Sack landet.

Weizen, Roggen, Dinkel steht auf den Säcken geschrieben. Im benachbarten Mühlen-Café serviert Hella Grosse – eine der vielen Ehrenamtlichen – Rhabarber-Erdbeer-Kuchen. Der hat es in sich. Denn das Mehl aus der Mühle ist immer Vollkorn. Und schön kräftig-nussig schmeckt daher der Obstkuchen. Aus dem Mehl backt ein Bäcker auch Brot: Körnersegen oder Gutsherrenbrot (das Schloss Walbeck liegt in der Nähe). Wer selbst kneten möchte, kann das reine Mehl ebenfalls kaufen. Vielleicht auf dem Weg zu einem der Spargelhöfe in der Nähe.

Während Kersten seinen Kaffee im Sonnenschein trinkt, ahnt er noch nicht, was sich unweit von Geldern am Himmel zusammenbraut. Kersten: „Zwischen Windstärke drei und sieben können wir mahlen, nach sieben wird es zu ungemütlich.“ Der Wind, so macht auch ein Zitat von Wilhelm Busch auf einer Tafel an der weißen Mühlenwand deutlich, hat schon immer das Schicksal eines Müllers bestimmt: „Hat man Korn, so fehlt’s am Winde, hat man Wind, so fehlt das Korn.“

>> 25. DEUTSCHER MÜHLENTAG

Am Pfingstmontag wird zum 25. Mal der Deutsche Mühlentag gefeiert. Auch in unserer Region drehen sich die Räder von Wind- und Wassermühlen. Eine Auswahl:

Die Steprather Mühle kann am 21. Mai zwischen 10 und 17 Uhr besichtigt werden (kein Mahlbetrieb). Die Baumeister-Mühle in Oberhausen, Homberger Str. 11, öffnet von 10 bis 18 Uhr und lässt bei Wind Mehl mahlen. Zur gleichen Zeit öffnet auch die Hiesfelder Windmühle in Dinslaken an der Sterkrader Straße. Die Geismühle in Krefeld, An der Geismühle, können Besucher zwischen 10 und 18 Uhr besichtigen. In dieser Zeit öffnet auch die Kriemhild-Mühle in Xanten, am Nordwall 5. Bei Wind kann man der Mühle beim Mahlen zuschauen.

Das Westfälische Freilichtmuseum in Hagen, Mäckingerbach, gibt an diesem Tag „Wasser auf die Mühlen“ im Rahmen einer offenen Führung. Eine Übersicht über das Angebot am Mühlentag, den die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung ins Leben gerufen hat, finden Sie im Internet unter: deutschermuehlentag.de sowie
muehlenverband-rheinland.de

>> DIE STEPRATHER MÜHLE

Die Mühle am Schmalkuhler Weg 5 in Geldern-Walbeck und das Café sind geöffnet: April bis August, Mi. - Fr., 14 - 17 Uhr; Sa., So. und an Feiertagen: 10 - 17 Uhr, September und Oktober, Sa., So. und an Feiertagen, 10 - 17 Uhr. November bis März ist die Mühle geschlossen, es können Führungen vereinbart werden.

Eintritt in die Mühle: 1 €, Gruppen-Führung: 10 € plus Eintritt der Teilnehmer, 02831/ 98558, muehle-walbeck.de

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