Mode

Erste Modenschau auf der Henrichshütte wird zur großen Show

Extravagant und trotzdem macht diese Kleidung alles mit: Tänzer zeigten bei der Modenschau „Mode mit Steel“ die neue Kollektion des Labels Invidu.

Extravagant und trotzdem macht diese Kleidung alles mit: Tänzer zeigten bei der Modenschau „Mode mit Steel“ die neue Kollektion des Labels Invidu.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Nachhaltiges Design aus dem Ruhrgebiet: Die Macher der Modenschau „Mode mit Steel“ auf der Henrichshütte in Hattingen planen eine Fortsetzung.

Das Accessoire des Jahres 2020 ist und bleibt die Maske. Die Zuschauer der ersten Revier-Modenschau auf der Henrichshütte in Hattingen erfuhren einen Tag zuvor, dass sie sich das nachhaltige Design aus dem Ruhrgebiet nur dann anschauen dürfen, wenn sie auch am Platz einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Die Designer hatten von Anfang an mit der Maske geplant – alle Models verhüllten damit am Freitagabend Mund und Nase. Oft zierte das Bergbau-Symbol „Schlägel & Eisen“ den Stoff.

Und noch ein Trend war deutlich sichtbar: glänzendes Silber – so wie die Farbe von Stahl. Nicht umsonst hieß die Schau: „Mode mit Steel.“ Aber die Region steht eben nicht nur für Kohle und Stahl, im Ruhrgebiet gibt es heute auch viele Modelabels. Nicht nur das: Einige von ihnen wollen nachhaltig Kleidung kreieren. Solche Marken zeigten nun auf dem Laufsteg neben dem ältesten Hochofen im Revier, wie kreativ sie sind.

Früher am Hochofen, nun für Modebewusste: der Schmelzermantel

Das Label mit dem größten Ruhrgebietsanstrich ist Grubenhelden aus Gladbeck. Bisher haben sie den blau-weißen Grubenstoff in ihre Shirts vernäht, um damit modisch an den Bergbau zu erinnern. – einst schützten sie die Kumpels am Hochofen vor der Hitze, nun halten sie im Winter warm.

Wer so modemutig ist wie die Frauen und Männer auf dem Laufsteg, kann sie heute auch auf der Straße tragen. Wer es dezenter mag, nimmt zum Beispiel einen Hoodie, auf den nur ein Streifen des silberschimmernden Arbeitssicherheitsstoffs genäht ist. „August & Alfred“ nennen sie diese neue Nostalgie-Linie, die in Kooperation mit dem Stahlkonzern Thyssenkrupp entstanden ist.

Aus alt mach neu: So arbeitet auch JotJot aus Mülheim. Die Designerin Jana Januschewski-Moze entwirft aus getragenem Jeansstoff neue Kleidung. Da verwandelt sich eine Hose in eine Jacke – und umgekehrt. Die Models zeigen: Perfekt muss das nicht aussehen. Im Gegenteil, ausgefranste Seiten und Löcher im Stoff sind gewollt.

Overalls aus glänzendem Lack – auch damit kann man Sprünge machen

Noch extravaganter zeigt sich Invidu, ebenfalls eine Marke von Jana Januschewski-Moze und ihrer Partnerin Surena Fazelazar. Sie verarbeiten gerne Restposten oder auch Omas Vorhänge: Overalls aus glänzendem roten Lack sind zu sehen, ein Steppanzug in Orange, ein modischer Jogger mit auffälligem Blätter-Druck für den Mann. Ist das tragbar? Auf ihre Art schon: Die Models sind allesamt Tänzer und zeigen, dass mit solchen Klamotten große Sprünge möglich sind – die Modenschau wird zur mitreißenden Modenshow.

Nicht so schillernd, dafür mit Aussage: Róka, das vegane Label aus Duisburg mit dem Fuchs. Grafikdesignerin Christina Brause bringt Botschaften per Siebdruck auf den Stoff. So zeigen die Models geballte Fäuste auf ihren Shirts – sie sollen den Kampf gegen Rassismus oder Sexismus symbolisieren.

Susa Flor, Designerin aus Bochum, die die Schau mit initiiert hat, zeigt abschließend, wie schön und kreativ heute Öko sein kann. Wollende Mäntel, karierte Pullover, coole Bikerjacken. Die sehen nur so aus, als seien sie aus Leder. In Wirklichkeit sind sie aus Piñatex – ein lederähnlicher Stoff, der aus den Blättern der Ananas gewonnen wird. Aus dem gleichen Material fertigt Applebeach aus Fröndenberg Taschen, die die Models an diesem Abend immer wieder über der Schulter tragen. Oft in Silber – wie die Farbe von Stahl.

Macher wollen die Modenschau „Mode mit Steel“ etablieren

Rund 100 Zuschauer, die sich anmelden mussten, waren bei der „Mode mit Steel“ Show, durch die das Comedy-Paar von Duo Diagonal amüsant führte. Ein paar Plätze blieben frei, aber viel mehr hätte der Raum bei gefordertem Corona-Abstand auch nicht hergegeben. Daher gab es im Anschluss am selben Abend noch einen zweiten Durchlauf, um mehr Leute von der Mode zu begeistern.

„Wir hoffen, dass wir die Modenschau etablieren können“, sagt die Designerin Susa Flor, die damit zeigen möchte, wie viel kreatives Potenzial im Ruhrgebiet steckt. „Wir möchten jedes Jahr solch eine Schau veranstalten.“ Dann könnten auch noch andere Labels hinzukommen, schließlich gebe es noch mehr nachhaltige Marken in der Region.

Und wer weiß, vielleicht können sie im nächsten Jahr ganz neue Kreationen zeigen – aus ausrangierten Masken.

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