Aus Solidarität

Ganze Schule trägt Mütze für den krebskranken Kevin (19)

Die gesamte Stufe leierte für Kevin die Aktion “wir tragen Hut" an. 

Die gesamte Stufe leierte für Kevin die Aktion “wir tragen Hut" an. 

Foto: Elisa Braunsdorf

Lennestadt.   Als Kevin volljährig wurde, kam der Krebs. Statt Abitur folgt ein Bestrahlungs-Marathon. Lesen Sie, wie ihm seine Klassenkameraden Mut machen.

Kevin ist gerade erst volljährig. In anderthalb Jahren möchte er Abitur machen. Doch der 30. November 2018 verändert sein Leben. Plötzlich auftretende Kopfschmerzen, Schwindelanfälle, Sehstörung und Übelkeit beeinträchtigen seinen Alltag. Er quält sich zur Schule – Tag für Tag, bis nichts mehr geht. Ein MRT vom Kopf des jungen Mannes sorgt für traurige Gewissheit: ein Tumor.

Mittlerweile ist Kevin so lichtempfindlich, dass er seinen Kopf am liebsten den ganzen Tag unter die Bettdecke steckt. Die Nachricht ist für den sportlichen Mann aus Lennestadt ein Schock, obwohl er tags zuvor mit seinen Eltern noch scherzt: „Am besten lasse ich mir gleich eine Glatze schneiden, die kommt ja ohnehin auf mich zu.“

Kampf gegen das „Etwas“ im Kopf

Kevin behält Recht. Doch Aufgeben ist für ihn keine Option. Mit einer ersten Operation wird ihm ein Schlauch in den Kopf gelegt. Durch den Tumor hat sich im Kopf zu viel Gehirnwasser gebildet. Daher kommen auch die unerträglichen Symptome. Durch den Schlauch soll das Hirnwasser abgeleitet werden. Von einem auf den anderen Tag geht es Kevin besser. Doch der Tumor ist weiterhin in seinem Kopf und stellt ihn vor einige Fragen: Wie geht es weiter? Kann der Tumor entfernt werden? Ist der Tumor bös- oder gutartig?

Der stets positive und fröhliche Fußballer entscheidet sich dazu, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Positiv denken, nach vorne schauen – durchhalten, lautet seine Einstellung, um den Kampf gegen dieses unbekannte „Etwas“ in seinem Kopf zu gewinnen. „Wenn ich fröhlich und positiv gestimmt bin, dann kann der Tumor nur gutartig sein,“ erzählt Kevin. Die Uniklinik in Bonn übernimmt fortan die weitere Behandlung und der lange Weg ins Ungewisse beginnt.

Er möchte wieder Fußball spielen

Noch vor dem Ergebnis stattet Kevin sich selber mit bunten Mützen aus. Mützen mit dickem Bommel in neon-pink oder eine in Form eines Weihnachtsbaumes. Auch als Kevin mitgeteilt bekommt, dass der Tumor aufgrund der ungünstigen Lage nicht entfernt werden kann, gibt er nicht auf. Denn er hat Pläne. Er möchte wieder mit seiner Mannschaft Fußball spielen, beim Tischtennis an der Platte eine gute Figur abgeben und vor allem sein Abitur machen. Kevin fällt ein Stein vom Herzen, als er gesagt bekommt, dass der Tumor in seinem Kopf gutartig ist.

Der Schlauch, der das Gehirnwasser ableitet, ist mittlerweile in seinen Bauchraum verlegt worden. Mit 25 Bestrahlungen bekämpft er den Tumor. Sein mit Haaren bedeckter Kopf, weist schnell kahle Stellen auf, damit hat Kevin bereits gerechnet und zaubert Tag für Tag seine bunten Kopfbedeckungen aus der Schublade. „Lachen ist die wichtigste Medizin. Man darf den Kopf niemals hängen lassen, sondern sollte Spaß haben, lachen und nach vorne schauen,“ lautet das Motto des mittlerweile 19-Jährigen, der seinen Geburtstag im Januar mit der Familie in der Klinik feiern musste.

Zu Karneval als glatzköpfiger Patient

Mehr als drei Monate dauert sein Aufenthalt in den Kliniken. Als er entlassen wird, darf er für die anstehende Karnevals-Party Schutzkleidung aus der „Quarantäne-Station“ mitnehmen. Er selber „verkleidet“ sich als glatzköpfiger Patient und seine Kumpels gehen in Schutzkleidung zu der großen Party im Ort und ernten staunende Blicke. Auch sein Comeback in der Schule fällt durchweg positiv aus. Nachdem er mehr als drei Monate in der Schule gefehlt hat, möchte er unbedingt so schnell wie möglich wieder zurück.

Die fast 1000 Schüler des Maria-Königin Gymnasiums warten dann an Altweiber mit einer Überraschung der besonderen Art auf ihn. Sie solidarisieren sich und tragen alle Mützen, um Kevin zu signalisieren, dass er nicht alleine ist.

Kevin hat nur ein Ziel vor Augen: so schnell wie möglich in den normalen Alltag zurückzufinden. Er schafft das: Einstellungssache.

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