Microschweine

Heiner Kortes „Microschweine“ leben gesund und quietschfidel

Heiner Korte mit einem seiner „Microschweine“ auf dem Hof in Menden.

Heiner Korte mit einem seiner „Microschweine“ auf dem Hof in Menden.

Foto: Ralf Rottmann

Menden.  Der Landwirt Heiner Korte züchtet auf seinem Hof „Microschweine“. Sie eignen sich als Haustiere, kommen aber auch in Arztpraxen zum Einsatz.

Auf dem Bauernhof von Heiner Korte (59) duftet es überall nach Lavendel, dabei wohnen hier doch Schweinchen, die ja eigentlich ein bisschen strenger riechen. Aber Lavendel beruhigt und Kortes Schweine sind ganz schön ruhig. Sehr viele von ihnen sind klein, sehr klein, geradezu winzig, so dass sie den Namen „Microschwein“ zu Recht tragen. Sie sind eine eigene Züchtung, die ausgewachsen 15 bis 20 Kilo auf die Waage bringt, etwa 30 cm groß wird und meist nicht als Kotelett, sondern dank Niedlichkeitsfaktor eher als Hausschwein endet. „Die kosten nicht mal Hundesteuer!“, scherzt Korte.

Offensichtlich geht’s den kleinen Schweinchen gut. Und kerngesund sind sie auch, sie erhalten seit mehr als zehn Jahren Naturmedizin, Aromatherapie statt Antibiotika. Und sie können den ganzen Tag Radio hören, tagsüber 1Live (gerade schallt Eminem aus den Lautsprechern), abends WDR 4, so zum Runterkommen. Das klingt jetzt alles vielleicht ein bisschen lavendelig-blumig und schon sehr nach heiler Welt, aber so ist das bei Korte. „Was wir machen, ist gegen alle Konventionen“, sagt der Schweinebauer, der lieber den Tierheilpraktiker kommen lässt, wenn doch mal eines seiner Tiere krank ist. Natürlich ist die Zucht und Haltung seiner Microschweine eher ein Nebenerwerb, Korte hat schon normale Säue und Eber. Aber auch die hält er nach einem unkonventionellen Prinzip: Im Schweinehotel, einem großen, luftigen Stall mit Auslauf, Außendusche und Toilette. Toilette? Ja, die Tiere machen ihr Geschäft in dem dafür vorgesehenen Bereich. „Wenn man sie richtig behandelt, werden sie stubenrein.“ Die großen Schweine, die Korte ungewöhnlich lange wachsen lässt, werden über 200 Kilogramm schwer.

Gute Ernährung, gutes Leben, gutes Schwein

Ich habe mir gesagt: „Wenn die Tiere schon geschlachtet werden, dann sollen sie wenigstens ein gutes Leben gehabt haben.“ Ihr Fleisch kann man bei ausgewählten Metzgern im Sauerland und Ruhrgebiet kaufen. „Durch unser spezielles Futter erreichen wir, dass sich weniger Harnsäure im Fleisch ablagert, dadurch schmeckt das Fleisch besser.“

Dass Heiner Korte ganz genau auf die Ernährung seiner Tiere achtet, liegt daran, dass er selbst im Alter von 30 Jahren schwer erkrankte. Er hatte starke Rheumaschmerzen. Die Ärzte stellten die Diagnose: Polyarthritis. Aussicht auf Heilung boten ihm die Ärzte nicht, sie sahen den Bauern langfristig im Rollstuhl sitzen. „Ich hatte gerade eine Familie gegründet, zwei kleine Kinder und den Hof übernommen. Ich habe damals jede mögliche Therapie ausprobiert, die ich irgendwo finden konnte, aber gerade auf dem Rheuma-Gebiet gibt es viel Scharlatanerie. Bei den Mitteln aus der Schulmedizin musste ich teils zusätzlich starke Medikamente nehmen, damit der Magen überhaupt damit zurechtkam.“ Nichts schien zu helfen, bis Korte zu einem Heilpraktiker in Unna ging. „Der sagte mir damals: Sie sind übersäuert, sie müssen der Krankheit erstmal die Grundlage entziehen. Bei den chronischen Krankheiten muss man aber erstmal wissen, dass die nicht von heute auf morgen durch Einnahme von ein paar Schüssler-Salzen verschwinden. Ich habe das drei, vier Jahre genommen. Dann war die Krankheit weg. Das war wie ein Siebener im Lotto. Davon war ich fasziniert.“

Was für den Mensch gesund ist, bekommt auch dem Tier

Durch die Krankheit kam Korte auf die Frage, wie wir uns ernähren. „Man hat sich teilweise krankgegessen.“ Er entsäuerte damals seinen Körper und sagt deshalb heute den für einen Schweinebauern schon verblüffenden Satz: „Wir haben viel zu viel Fleisch gegessen, auch Schweinefleisch. Das ist durch die Harnsäure im Fleisch nicht gut für den Körper.“ Was für ihn vor allem eine Konsequenz hatte: „Ich war drei Jahre lang Vegetarier.“

Das Wissen über Ernährung, das Korte damals erworben hatte, versuchte er gemeinsam mit einem Tierheilpraktiker auf seine Tiere zu übertragen, weswegen seine Schweine eine basische Ernährung aus frisch gemahlenen Körnern bekommen – und angereichert mit Brottrunk, so wie man ihn aus der Bäckerei kennt.

„Als wir dann nach einiger Zeit das Fleisch der Tiere untersuchen ließen, stellte man fest: Es sind nur noch zehn Prozent der üblichen Harnsäure im Fleisch. Ich habe mich dann wieder ans Fleischessen getraut – und dieses Fleisch habe ich vertragen“, sagt Korte, auch wenn er es nicht jeden Tag essen würde.

Die „Microschweine“ beruhigen Patienten beim Zahnarzt und im Krankenhaus

Aber kommen wir noch mal auf die Microschweine zurück, die ja möglichst andere Bestimmungen als den heimischen Teller finden sollen. Sie sind eine eigene Züchtung, Korte hat über mehrere Generationen immer die kleinsten Schweinchen zur Zucht gebracht. „Anfangs haben wir mit zwei besonders guten, teuren Schweinen angefangen, die wir sogar in der Wohnung gehalten haben. Bis meine Frau eines Tages sagte: Entweder die Schweine gehen oder ich!“ Nun, mit Kortes Ehe scheint heute alles in Ordnung zu sein. Und wenn die Schweine verkauft werden, dann werden sie nicht zwangsläufig zu Hausschweinen. Korte weiß, dass einige als beruhigende Tiere in einer Panik-Zahnarztpraxis in Dortmund untergekommen sind, mehrere landeten in Altenheimen. Und in Hamburg leben einige in einer Aufwachstation für Komapatienten.

Korte bewirtschaftet auch 250 Hektar Land mit Erbsen, Bohnen, Weizen und Raps. „Das ist ja heute eher Nebenerwerb“, sagt Kortes Sohn Johannes (26), der sich als Landwirt schon selbstständig gemacht hat. Im kleinen Hofladen verkaufen die Kortes neben Produkten aus eigener Erzeugung auch Naturheilmittel. Heiner Korte weiß zu schätzen, wohin ihn sein Weg gebracht hat: „Im Nachhinein bin ich froh, dass ich damals krank geworden bin.“

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