Kraut & Rüben

Im Winter verwandelt sich der Garten in eine Ruhe-Oase

Psst, Winter-Glück im Garten.

Foto: imago stock&people

Psst, Winter-Glück im Garten.

Ruhrgebiet.   Du drückst die Terrassentür ganz sachte von außen zu, gehst ein paar Schritte und bist im Paradies. Vom Zauber des Gartens im Winter.

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Im Paradies gibt es kein Auto-Rauschen, kein Fabrik-Getöse mehr, kein Wecker-, Herd-, Kühlschrankgepiepse und auch kein Schweiger-Geballer aus dem Fernseher mehr. Endlich – Ruhe! Jedenfalls nachdem der Eichelhäher endlich das Feld geräumt hat, wie üblich unter laut keckerndem Protest.

Allmählich fährt der innere Motor niedrigtouriger, statt einer Uhr hast du Zeit mitgebracht. So könnte es weitergehen, endlos. Du fängst wieder an zu achten auf das, was um dich herum ist. Alte Apfelbäume, Wiesengras, Weißdornhecken – und alle halten die Klappe!

Adam und Eva sind ohne Lautsprecher ausgekommen

Keiner, der labern muss, um sicher zu sein, dass er noch da ist. Keine Moderatoren, keine Redner. Adam und Eva sind ja noch ohne Lautsprecher ausgekommen, Sirenen und Hupen soll es im Garten Eden auch nicht gegeben haben, und es war das Paradies.

Aber Stille? Man müsste schon stehenbleiben und die Luft anhalten. In der Stille des Gartens werden die eigenen Schritte – Äste knacken, Sohlen knirschen – plötzlich so laut, als hätte man sich in einen Siebentonner mit Winterreifen verwandelt. Nach ein paar Augenblicken Unkrautzupfen ist dann auch das kleine Vogel-Orchester nicht mehr zu überhören, „zilpzalp, zilpzalp“ macht es hier, „schmätz, schmätz“ dort.

Die Kirchenglocke tönt laut

Und es hat „Dong“ gemacht. Es ist die Kirchenglocke, die von weitem aus dem Städtchen herüberdongt. Jede Viertelstunde. Irgendwann hörst du sie nur noch, weißt aber nicht mehr: War es jetzt ein Dong? Waren es zwei? Oder gar drei?

Ist aber gar nicht wichtig. Für den Gärtner hat die Zeit ja nur zwei Aggregatzustände: hell genug, um etwas anzupacken, oder schon zu dunkel dafür. Deshalb ist es ja immer dann am stillsten im Garten, wenn der Gärtner gar nicht da ist, zur Untätigkeit genötigt durch Frost, pflanzlichen Wachstumsstillstand oder menschliche Zipperlein. Und wenn dann die totale Stille einkehrt, wird einem wieder klar: So wenig Lärm wollten wir nun auch wieder nicht.

Schließlich würden wir am liebsten das Gras wachsen hören.

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