Das besondere Museum

Magnete im Museum: Beinahe so anziehend wie die Liebe

Der klassische U-Magnet: Hans Beuth (81) demonstriert, wie sich Nägel an seinem Kraftfeld ausrichten.

Der klassische U-Magnet: Hans Beuth (81) demonstriert, wie sich Nägel an seinem Kraftfeld ausrichten.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Dortmund.  Ohne Magnete geht’s einfach nicht: Lautsprecher blieben stumm, Computer könnten nichts mehr ab speichern. In Dortmund gibt’s ein Museum dazu.

Möchten Sie erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält? Dann lassen sie uns doch mal über Magnetismus reden. Denn unter allen Anziehungskräften kommt Magnetismus schon ziemlich kurz hinter der Liebe, das weiß jede kleine Kompassnadel vom Nordpol bis zum Südpol. Fast könnte man befürchten, dass alles auseinanderflöge oder zumindest nicht mehr funktionierte, wenn nicht irgendwo ein Magnetpol sich von einem anderen angezogen fühlte: Kupplungen, Bremsen, Scheibenwischer, Lautsprecher, Waschmaschinen, Fernsehröhren, Radios und Telefone, Motoren und Dynamos, Bandgeräte, Floppy-Discs und Festplatten, sie alle wären ohne Magnete ein Fall für den Schrotthaufen. Oder wie es Hans Beuth äußerst prägnant auf den Punkt bringt: „Es gibt nichts, wo keine Magnete drin stecken.“

Selbst mit unserem Bier hätten wir keine prickelnden Erlebnisse mehr, denn in den Kronkorkenmaschinen stecken sie – und ohne würden passionierte Pilsgenießer nur schale Plörre in den Hals bekommen, so als gäb’s immer nur Kölsch.

Scheiben schwirren mit Schmackes durch den Wirbelstrom

Hans Beuth ist 81 Jahre alt, aber er führt mit jugendlicher Leichtigkeit durchs Dortmunder Magnetmuseum. Er ist eine unermüdliche Experimentiermaschine, lässt Alu-Scheiben mit Schmackes durch den Wirbelstrom in die Luft schießen, magnetisiert und entmagnetisiert die Metalle nach Lust und Herzenslaune – und zeigt mit Eisenpulver die erstaunlichsten Magnetfelder.

Wer bereits einige Technik-Museen gesehen hat, wird viele Dinge wiedererkennen, deren magnetische Seiten dabei glatt übersehen worden sind. Sei es in Volksempfängern, Straßenbahnen und Computern, bei rasanten Sportwagen und getreuen Haushaltsknechten. Mal ehrlich: Wann haben Sie an Ihrer Waschmaschine zuletzt das „Schnackofix“ bedient? Garantiert beim letzten Waschgang. „Schnackofix war unser Spitzname für die Blockierung der Waschmaschinentür, solange das Programm läuft. Ein kurzer elektrischer Strom entmagnetisiert den Magneten, sodass die Tür entriegelt wird“, erklärt Beuth.

Schon seit 100 Jahren vor Ort und immer noch anziehend

Natürlich steht das Magnetmuseum nicht ganz zufällig in Dortmund, es gehört zur Aplerbecker Magnetfabrik, die 1920 im Stadtteil die Pole ausrichtete. Das Magnetmuseum wurde 1999 gegründet, 2005 betriebsbedingt geschlossen und 2013 glücklicherweise wiedereröffnet – in den hübschen Räumen der damaligen Geschäftsführung der Deutschen Edelstahlwerke.

Beuth selbst hat viele private Stücke mitgebracht. Ohne ihn und seinen engagierten Kollegen Günter Räbber, beide im Ruhestand, wäre das Museum bei weitem nicht so gut in Schuss.

Alte Messgeräte mit Seele

Zwischen den vielen eindrucksvollen alten Geräten, etwa dem polierten Spiegelgalvanometer von 1890, das aussieht, als wäre es gerade von einem Meisterdieb aus einem Steampunk-Film gestohlen worden, neben den vielen nahezu antiken Messgeräten im Edelholz-Kästlein („Die haben eine richtige Seele, die Dinger. Die meisten haben etwas mit Magneten zu tun, manche sind aber einfach nur schön.“) findet sich etwas, das viele Hobby-Enthusiasten gern ihr Eigen nennen würden: Eine Mini-Märklin, die kleinste Modelleisenbahn, die in Serie hergestellt wurde. „Deren Motorteil haben wir hier gemacht“, sagt Beuth. Man könnte sich eine Stunde hier aufhalten, aber auch drei, vier. Dann erklärte Beuth gewiss auch den Köpsel-Apparat von 1926. „Damit wurden Stahlproben auf ihre magnetischen Eigenschaften geprüft. Neulich war ein älterer Herr hier, der hat damit noch bei Hoesch Proben gemessen.“ Womit der Bogen gespannt wäre von Jung bis Alt – denn Magnetismus, der zieht alle an.

>>>Das liebste Ausstellungsstück: die „Casio AS-A“

Eigentlich kann Hans Beuth kein Lieblingsstück im Magnetmuseum benennen, er hat so viele von ihnen gern. Dennoch pickt er zielstrebig den „Casio AS-A“ aus dem Regal, ein früher Tischrechner von 1970, schlechter als jeder noch so kleine heutige Taschenrechner, aber für damals ein geniales Gerät. „Diese Rechenmaschine hat keinen Speicher gehabt, die konnte nur die vier Grundrechenarten. Das war es dann“, sagt Beuth.

2000 DM hat das Gerät seinerzeit gekostet – und wer vermutet, es sei heute nicht mehr als Elektroschrott: Das seltene Liebhaberstück bringt unter Kennern gut 700 Euro ein. Beuth: „Das Tollste: Auf den Tasten waren kleine Magnete mit Draht festgemacht, die haben den Schalter geschaltet.“ Eine Kommataste gab’s nicht. Und wenn man das Rechenhirn mit einer Multiplikation außerhalb seines Zahlenbereichs konfrontierte, fingen die Ziffern an, wild zu blinken.

Das Magnetmuseum (Ostkirchstr. 177, DO) haben wir vor den Corona-Maßnahmen besucht, es wird später wieder öffnen, di 11-15, do 11-18 h, Eintr. frei. 0231/4501-271, museum@tridelta.de

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