Das besondere Museum

Museum für Computerspiele: Und ewig juckt der Triggerfinger

Zocken wie anno dazumal: Nils Kreska nimmt in einer der historisch-stylischen Ecken Platz, um am „Pong“-Regler zu drehen.

Zocken wie anno dazumal: Nils Kreska nimmt in einer der historisch-stylischen Ecken Platz, um am „Pong“-Regler zu drehen.

Foto: Lars Heidrich

Dortmund.   Im Dortmunder Binarium werden elektronische Träume wahr: Ein Museums-Tempel für Videospiele. Hier ist Anfassen erlaubt.

An diesem Ort verdichten sich die Kinderwünsche und -träume ganzer Generationen, sie bestehen aus Einsen und Nullen, aus Bits und Gigabytes, aus schnell bewegten Bildpunkten. Hier hüpfen Super-Mario, Pac-Man, Q*Bert und Lara Croft, hier explodieren Raumschiff-Flotten, sogar ganze Planeten – und dann freuen sich auch noch alle darüber... Es ist ein wundervoll verrückter Ort, dieses Binarium in Dortmund, ein Museum noch dazu. Und es ist schier unmöglich, mit einem Menschen, der sich früher mal für Videospiele begeistert hat, durch diese Ansammlung von tollkühn designten Computer-Kisten zu schreiten, ohne dass alle paar Sekunden ein verzücktes „Boh, die hatte ich zu Hause stehen“ oder „Mann, die gab’s ja auch noch“ ertönt.

Hier stehen sie alle, die Geräte, auf denen elektrische Träume zu pixeliger Bildschirmrealität wurden: die Atari 2600, die Coleco Vision, der Commodore 64, Amiga, Atari 1040ST, Gameboy, Dreamcast, Super Nintendo, PS 1 bis 4, X-Boxen aus allen drei Generationen. Und Hunderte mehr. Damals entwickelten ja noch viele der großen Elektronikfirmen ihre eigenen Konsolen. Und leisteten sich kolossale Flops wie die Philips CD-i, den Atari Jaguar oder die Bandai Atmark.

Wenn IT-Azubi Nils Kreska (25) seine Führungen durchs Binarium beginnt, wird es jedoch naturgemäß erstmal etwas klobig, im sogenannten „Tetris-Raum“. Hier stehen die Klötze aus der Computer-Geschichte, allen voran der nachgebaute „Maniac“ aus den 50er-Jahren, ein wandfüllender Schrank mit komplexer Verkabelung. „Der hat 10.000 Dollar gekostet und beherrscht wirklich nur die vier Grundrechenarten. Man muss ihn auch immer neu verkabeln, wenn man die Rechenart wechselt“, erzählt Kreska amüsiert. Diese doch recht simple Rechen-Qualifikation reichte aber immerhin aus, um ihn zur Berechnung von US-Nuklearwaffen einzusetzen. Wen wundert’s da, dass gleich nebenan ein Imsai 8080 steht, der 1983 im Film „Wargames“ fast eine Nuklearkatastrophe ausgelöst hätte.

Von Bildschirmtennis „Pong“ bis zu „Final Fantasy 15“

Der Weg vom Bildschirmtennis „Pong“ bis zu „Final Fantasy 15“ war ein sehr langer, angefüllt mit unendlich vielen Adrenalinschüben und Fantastilliarden Stunden lustvoll verplemperter Zeit. Und am Rande finden sich unendlich viele Anekdoten: „Die Atari-Gründer haben den ,Pong’-Automaten erstmal in der Bar eines Kumpels aufgestellt. Und nach kurzer Zeit kam der Anruf, das Gerät sei kaputt. Es stellte sich aber heraus, dass nur der Münzbehälter überquoll“, so Kreska. Der Start eines damaligen Weltkonzerns.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Das zeigt sich, weil sie hier sogar ein Modul von „E.T.“ haben. Der grundsympathische Hutzel aus dem All schrieb zwar dank Steven Spielberg Leinwandgeschichte. Aber in der Videospielhistorie nimmt er eine unrühmliche Rolle als Pate des wohl miserabelsten Konsolen-Games aller Zeiten ein. So schlecht, dass Hersteller Atari 1983 Berge von unverkäuflichen Spiel-Modulen in der Wüste von New Mexico verbuddelte, wo sie als schrottiger Schatz im Jahr 2014 weitgehend unbeschadet und oft noch spielbar wieder ausgegraben wurden.

Kreska selbst gerät auch ins Schwärmen, wenn er über seine Konsolen-Vergangenheit berichtet: „Wenn man die richtige Konsole hatte, war man das beliebteste Kind in der Nachbarschaft.“ Er selbst hat mit der Playstation angefangen...

Der deutsche Java-Guru

Das Binarium ist eines der Lebenswerke von Christian Ullenboom, der als deutscher Java-Guru gilt, ein Programmier-Ass. Grundstein des Museums war seine private Sammlung elektronischer Unterhaltungselektronik, die immer weiter wuchs und 2016 in Dortmund-Huckarde ihr Zuhause fand. Natürlich wäre ein Videospiel-Museum gar nichts, wenn es nicht zig spielbare Konsolen geben würde. Man kann dem C64 beim lahmen Laden von Disketten zuschauen, die „Pong“-Regler drehen, kann den Igel Sonic springen lassen, mit Gaming PCs Neuerscheinungen zocken oder mit der VR-Brille in die 3D-Welt eintauchen.

Und wenn am Ende ein schillerndes „Game Over“ über den Bildschirm flackert, kann man einfach noch einmal von vorne beginnen.

Binarium - Digitales Erlebnis-Center, Hülshof 27, Dortmund, Tageskarte 8 €, Tel: 0231/53315125, binarium.de

>> Mein liebstes Ausstellungsstück

Das so ziemlich neueste Stück im Dortmunder Binarium ist für Nils Kreska derzeit der absolute Favorit: Die Medion Erazer X1000 ist eine Brille für virtuelle Realität, die das vollkommene Abtauchen in die Welt des Spiels ermöglicht. Auf dem an die Brille angeschlossenen Gaming-PC in der Ausstellung, der von den Besuchern selbstverständlich auch benutzt werden kann, läuft unter anderem „Beat Saber“.

Bei diesem Spiel aus dem November 2018 fühlt man sich, als hätte man zwei Lichtschwerter in der Hand – und muss die Klötze, die einem als Spieler entgegenfliegen, in der richtigen Richtung aus dem Weg schlagen, begleitet von der passenden, aufpeitschenden Musik.

Ein Klick – und es gibt noch mehr Computer-Nostalgie

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